Es ist das Ziel dieser Arbeit, Judith Butlers Überlegungen in ihrem Werk "Außer sich: Über die Grenzen sexueller Autonomie" zu erläutern und in Verbindung mit weiteren, das entsprechende Thema behandelnden Thesen zu bringen, welche teils aus anderen Texten Butlers stammen, teils jedoch auch die Blickrichtung verschiedener, am Diskurs beteiligter, wissenschaftlicher Autoren darstellen, um ein, im Rahmen dieser Arbeit, möglichst umfassendes Bild zu zeichnen.
Bei Judith Butlers Arbeit „Außer sich: Über die Grenzen sexueller Autonomie“ von 2009 handelt es sich um eine Zusammenstellung philosophischer Überlegungen, Darstellung ernüchternder Tatsachen, Erwägung hoffnungsvoller Möglichkeiten, Aufwerfung kritischer Fragestellungen aber auch um das Stellen praktischer Forderungen in Bezug auf Autonomie und Selbstbestimmung im sexuellen und geschlechtlichen Bereich im speziellen, aber auch beziehbar auf andere, gesellschaftliche Randgruppen im Allgemeinen. Da die Ausgrenzung und Verletzung von Menschen durch Menschen innerhalb einer oder zwischen Kulturen seit Menschengedenken ein unüberwindbar scheinendes Problem darstellt, sind Butlers Überlegungen und Forderungen von nahezu zeitloser Bedeutsamkeit und es wert, durch stetiges Zitat ihren Fortbestand im Diskurs zu sichern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Einführung in die Problemstellungen
2 Erläuterung der ausgewählten Thesen
2.1 Autonomie
2.1.1 Forderung nach Autonomie
2.1.2 Nichtexistenz von Autonomie
2.1.3 Vernetzung der Gesellschaft und Verantwortung
2.2 Ausschließung
2.2.1 Schaffung des konstitutiven Außens zur Ich-Definition
2.2.2 Dehumanisierung als Ausschließungswerkzeug
2.2.3 Machtverhältnisse
2.2.4 Verstärkung durch Medien
2.3 Symbolische Ordnungssysteme
2.3.1 Normen
2.3.2 Die heteronormative Matrix
2.3.3 Möglichkeiten der Umstrukturierung
3 Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Judith Butlers philosophische Thesen aus „Außer sich: Über die Grenzen sexueller Autonomie“. Ziel ist es, die Paradoxien individueller Autonomie im Kontext sozialer Abhängigkeit und normativer Ordnungssysteme zu erörtern und dabei aufzuzeigen, wie Ausgrenzung und Machtverhältnisse die menschliche Wahrnehmung und gesellschaftliche Realität formen.
- Das Paradoxon der persönlichen Autonomie in einer vernetzten sozialen Umwelt.
- Die Rolle von Ausschlussmechanismen bei der Identitätsbildung und Dehumanisierung.
- Einfluss von Machtverhältnissen und Massenmedien auf die Gestaltung symbolischer Ordnungssysteme.
- Die heteronormative Matrix als normatives Korsett unserer Gesellschaft.
- Potenziale der Umstrukturierung durch Phantasie, Widerstand und gesellschaftlichen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Nichtexistenz von Autonomie
Betrachtet man das Thema der Autonomie abstrakt auf phänomenologischer Ebene, so ist das Subjekt mit dem Objekt aber auch das Subjekt mit seinesgleichen und somit mit allem was seine Umwelt anzubieten hat, verbunden: „Anerkennt man eine Beziehung Leib – Welt, so gibt es jedenfalls Verzweigung meines Lebens und Verzweigung der Welt und Entsprechung ihres Innen und meines Außen, meines Innen und ihres Außen.“ (Merleau-Ponty 1994: S. 179). Aber auch unter praktischeren Gesichtspunkten, lassen sich die im vorigen Kapitel angedeuteten Schwierigkeiten beim Streben nach Autonomie erklären. Gemäß Butler fußen diese auf verschiedenen Ursachen, wobei ihr eine umfassende Zusammenfügung der, bereits ausführlich im wissenschaftlichen Diskurs diskutierten, Problemstellungen gelingt. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels werden zwei dieser Quellen der potentiellen Nichtexistenz menschlicher Autonomie genauere Betrachtung erfahren: die Verknüpfung der Menschen durch gegenseitige, soziale Beeinflussung physischer Körper sowie die emotionale Verbundenheit und Abhängigkeit voneinander. Außerdem wird ein Einblick in die, an den Mangel an menschlicher Autonomie geknüpften, Potentiale und Möglichkeiten gewährt.
Als Grundlage für die Forderung nach körperlicher Autonomie sieht Butler den physischen Körper, welcher stets sozialer Formung unterliegt: „Als Körper, der von Anfang an der Welt der anderen anvertraut ist, trägt er ihren Abdruck, wird im Schmelztiegel des sozialen Lebens geformt und ist erst viel später das, worauf ich mit einiger Unsicherheit Anspruch erhebe als mein eigener Körper“ (2009: S. 41).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Einführung in die Problemstellungen: Hier wird der theoretische Rahmen um Judith Butlers „Außer sich“ abgesteckt und das Paradoxon der Autonomie im Spannungsfeld zwischen Freiheit und gesellschaftlicher Verwobenheit eingeführt.
2 Erläuterung der ausgewählten Thesen: Dieser Hauptteil analysiert detailliert Butlers Konzepte zu Autonomie, gesellschaftlichem Ausschluss und symbolischen Ordnungen unter Einbeziehung weiterer wissenschaftlicher Positionen.
3 Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz der Unerreichbarkeit absoluter Autonomie der Kampf um diese als notwendiger Teil normativer Zielsetzungen beibehalten werden muss.
Schlüsselwörter
Judith Butler, Autonomie, soziale Abhängigkeit, heteronormative Matrix, Dehumanisierung, symbolische Ordnungssysteme, Machtverhältnisse, Körperlichkeit, Diskurs, soziale Ausgrenzung, Identität, Widerstand, kollektive Verantwortung, Medienkritik, Normen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert philosophische Thesen Judith Butlers zur sexuellen Autonomie und untersucht, wie diese im Kontext gesellschaftlicher Zwänge und sozialer Vernetzung zu bewerten sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Autonomie des Subjekts, die Mechanismen sozialer Ausgrenzung, die Bedeutung von Machtverhältnissen und die Wirkweise symbolischer Ordnungssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die paradoxe Natur des Strebens nach individueller Autonomie aufzuzeigen und zu diskutieren, ob und wie gesellschaftliche Normen zugunsten einer Anerkennung von Vielfalt aufgebrochen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen diskursanalytischen Ansatz, indem sie Butlers Überlegungen erläutert und diese mit den Positionen anderer einflussreicher Theoretiker wie Foucault, Merleau-Ponty und Bourdieu in einen Dialog setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Autonomie, die Analyse von Ausschlussmechanismen (einschließlich Dehumanisierung und Medieneinfluss) sowie die Dekonstruktion symbolischer Ordnungssysteme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Autonomie, Macht, Dehumanisierung, heteronormative Matrix, Diskurs, Identität und soziale Verwobenheit.
Wie definiert Butler das Konzept der Ekstase in diesem Zusammenhang?
Butler nutzt den Begriff, um das „Außer-sich-sein“ durch Begehren, Trauer oder Leidenschaft zu beschreiben, das uns zwar menschlich werden lässt, aber gleichzeitig unsere Autonomie in Frage stellt.
Welche Rolle spielen Massenmedien bei der Dehumanisierung?
Massenmedien fungieren laut der Arbeit als Machtinstanzen, die durch die Ungleichverteilung von medialer Präsenz dazu beitragen, bestimmte Menschenleben als weniger wertvoll zu klassifizieren und somit symbolische Ordnungssysteme zu festigen.
- Quote paper
- Natalie Zoghbi (Author), 2012, Betrachtung exemplarischer Thesen zu Judith Butlers Ausführungen in „Außer sich: Über die Grenzen sexueller Autonomie“. Ein Vergleich mit anderen ausgewählten Positionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/321057