Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter der weltweiten Öffentlichkeit derart wie die Vergütung von Führungskräften der Wirtschaft. Die Diskussion zur Managervergütung fand Jahrzehnte ausschließlich in den USA statt und ist erst seit wenigen Jahren auch zu einem beherrschenden Thema in Europa und somit auch in Deutschland geworden. Schlagzeilen wie „Von Verzicht halten US-Manager wenig“, „NRW-Ministerpräsident geißelt Manager-Gehälter“, „Grenze für Vorstandsgehälter – nur eine ‚Schnapsidee‘?“ und nicht zuletzt der am 22. Juli 2004 mit Freisprüchen für die Angeklagten beendete Mannesmann-Prozess lenken den Focus des öffentlichen Interesses auf die Entlohnung des Top-Managements.
Thema dieser Arbeit ist die „Managemententlohnung vor dem Hintergrund der Principal-Agency Theorie“. Dazu wird im ersten Abschnitt dieser Arbeit die Principal-Agency Problematik am Beispiel von Publikumsgesellschaften analysiert. Im zweiten Abschnitt der Arbeit werden Anreize und Anreizsysteme näher betrachtet sowie Möglichkeiten und Methoden ausgezeigt, Probleme, die sich aus der Principal-Agency Theorie ergeben, Herr zu werden bzw. diese zu kontrollieren.
Unterschiedliche Präferenzen zwischen Prinzipal und Agent bei der Leitung und Führung einer Unternehmung führen mitunter zu Ineffizienzen, die eine Unternehmung im extremsten Fall bis in den Ruin treiben kann. Effizienz bzw. deren Steigerung ist daher der meistdiskutierte Begriff der wirtschaftswissenschaftlichen Debatte, ist er doch unmittelbar mit der Frage des Shareholdervalue verbunden. Gleichermaßen wichtig ist der Principal-Agent Konflikt für die Diskussion um das sogenannte Corporate Governance. Um nun Wege finden zu können, den Principal-Agent-Konflikt zu lösen, muss man sich fragen, wie die Position des Managements ist, um sich über mögliche Anreize zu deren Beeinflussung klar zu werden. Zwei gegensätzliche Forschungsrichtungen befassen sich mit möglichen motivatorischen Möglichkeiten. Einerseits findet sich eine starke Fundierung in der Mikroökonomik, und andererseits in sozialpsychologischen Konzepten. Die vorliegende Arbeit beleuchtet im Wesentlichen Aspekte der Mikroökonomik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Principal-Agency Problematik
3. Theoretische Fundierung der Agencykosten
4. Corporate Governance und die Agency Problematik
5. Anreizsysteme
5.1. Funktionen von Anreizsystemen
5.2. Strategische Anreizsysteme
5.3. Anreiz durch Aussicht auf Beförderung
5.4. Anreize durch Pay-for-Performance-Systeme
6. Formale Ausgestaltung der Management Compensation
6.1. Der Kreis der Berechtigten
6.2. Bemessungsgrundlage
6.3. Benchmark
6.4. Anteil der variablen Entlohnung
6.4.1. Grundgehalt und Bonuspläne
6.4.2. Aktienoptionen
6.4.3. Kapitalmarktorientierte Entlohnungssysteme auf Basis von Erfolgskennzahlen der Unternehmung
6.4.3.1. Dynamische Verfahren
6.4.3.2. Einperiodische Verfahren
6.4.3.3. Kapitalmarktorientierte Verfahren
7. Kontrollmechanismen
7.1. Direkte Kontrollmechanismen
7.2. Indirekte Kontrollmechanismen
7.2.1. Der Kapitalmarkt
7.2.2. Der Produktmarkt
7.2.3. Der Arbeitsmarkt für Manager
8. Schlussbetrachtung
9. Glossar
10. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Managemententlohnung unter dem Blickwinkel der Principal-Agency-Theorie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Interessenkonflikte zwischen Eigentümern und Management durch gezielte Anreiz- und Kontrollsysteme minimiert werden können.
- Grundlagen der Principal-Agency-Problematik in Unternehmen
- Analyse von Anreizsystemen zur Interessenhomogenisierung
- Methoden der wertorientierten Managementvergütung
- Kontrollmechanismen zur Überwachung des Top-Managements
Auszug aus dem Buch
Die Principal-Agent Problematik
Die Principal-Agent Problematik leitet sich aus der Agency-Theorie ab und wurde erstmals von Berle und Means 1932 diagnostiziert. In ihrem Mittelpunkt steht, ausgehend von der Trennung von Besitz und Kontrolle, die Betrachtung der Beziehung zwischen einem Auftraggeber – dem Prinzipal – und seinem Auftragnehmer – dem Agenten. Der Agent stellt dabei ebenso wie der Prinzipal ein eigennützig rational handelndes Individuum dar, das Interessen und Präferenzen hat, die denen des Prinzipals in einigen Punkten zuwiderlaufen. Im Rahmen dieses Konfliktes wird nun jede Partei versuchen, so viele ihrer Ziele wie möglich zu verwirklichen. Im weitesten Sinne bestehen Agency-Beziehungen überall dort, wo die Entscheidungen oder Handlungen eines Individuums, des Agenten, die Wohlfahrt eines anderen Individuums, des Prinzipals, beeinflussen.
Problematisch ist, dass zwischen den Parteien sehr häufig eine Informationsasymmetrie zugunsten des Agenten vorliegt, und zwar dergestalt, dass der Agent über seine Eigenschaften (characteristics), Absichten (intentions) und Handlungen (actions) deutlich mehr Informationen besitzt als der Prinzipal. Man spricht in diesen Fällen dementsprechend auch von hidden charakteristics, hidden intentions und hidden actions.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Managervergütung vor dem Hintergrund der Principal-Agency-Problematik und leitet die Forschungsfrage ab.
2. Die Principal-Agent Problematik: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ursprünge und die grundlegenden Informationsasymmetrien zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.
3. Theoretische Fundierung der Agencykosten: Hier werden die verschiedenen Arten von Agency-Kosten definiert, die durch die Trennung von Eigentum und Management entstehen.
4. Corporate Governance und die Agency Problematik: Es wird die Verbindung zwischen Corporate Governance-Strukturen und der Lösung von Interessenkonflikten untersucht.
5. Anreizsysteme: Dieses Kapitel analysiert Funktionen von Anreizen sowie strategische Ansätze zur Verhaltenssteuerung des Managements.
6. Formale Ausgestaltung der Management Compensation: Ein detaillierter Überblick über Vergütungsmodelle wie Bonuspläne, Aktienoptionen und wertorientierte Kennzahlen.
7. Kontrollmechanismen: Das Kapitel behandelt direkte und indirekte Methoden der Unternehmenskontrolle durch Kapital- und Produktmärkte sowie den Arbeitsmarkt für Manager.
8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Möglichkeiten und Grenzen der agency-theoretischen Modellierung für eine optimale Managemententlohnung zusammen.
Schlüsselwörter
Principal-Agent-Theorie, Managementvergütung, Anreizsysteme, Corporate Governance, Agency-Kosten, Shareholder-Value, Informationsasymmetrie, Moral Hazard, Adverse Selection, Aktienoptionen, Bonuspläne, Kapitalmarktorientierung, Erfolgskennzahlen, Kontrollmechanismen, Nutzenmaximierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung von Entlohnungssystemen für das Top-Management und untersucht, wie diese als Instrumente zur Lösung von Interessenkonflikten zwischen Managern und Unternehmenseigentümern dienen können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Principal-Agent-Theorie, die Ausgestaltung von Anreizsystemen, wertorientierte Vergütungsmodelle sowie Kontrollmechanismen der Corporate Governance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, mit denen das opportunistische Verhalten von Managern minimiert und deren Handeln an den Interessen der Anteilseigner ausgerichtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf mikroökonomische Theorien, insbesondere die Agency-Theorie, um Managemententscheidungen und Vergütungsstrukturen zu modellieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Anreizarten, die formale Gestaltung der Managementvergütung inklusive Aktienoptionen und Erfolgskennzahlen sowie die notwendigen Kontrollmechanismen zur Disziplinierung des Managements.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Principal-Agent-Theorie, Agency-Kosten, Corporate Governance, Anreizkompatibilität und Shareholder-Value geprägt.
Welche Rolle spielt die Risikoaversion bei der Managementvergütung?
Da Manager in der Regel risikoavers sind, ist die Gestaltung variabler Vergütungen schwierig. Die Arbeit zeigt auf, wie durch geschickte Wahl der Benchmarks und Anreizparameter versucht wird, dieses Problem zu lösen.
Inwieweit sind Aktienoptionen ein effektives Instrument?
Aktienoptionen sollen Manager motivieren, den Unternehmenswert zu steigern. Die Arbeit weist jedoch darauf hin, dass diese Programme oft auch Anreize für riskantere Strategien schaffen können und ihr Nutzen empirisch nicht immer eindeutig belegt ist.
- Arbeit zitieren
- Guido Nosthoff (Autor:in), 2004, Managemententlohnung vor dem Hintergrund der Principal-Agency Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/32090