In dieser Arbeit wird auf die Problematik der Holländischen Krankheit eingegangen, welche insbesondere für ressourcenreiche Volkswirtschaften relevant ist. Zu diesen an Ressourcen besonders reichen Volkswirtschaften gehört auch Brasilien, zugleich ist Brasilien das fünftgrößte Land der Erde.
"Ordem e progresso"
Ordnung und Fortschritt lautet die Inschrift der brasilianischen Nationalflagge.
Brasilien ist ein Land, welches sich auf dem Weg vom Schwellenland hin zum Industrieland befindet. Die wirtschaftliche Entwicklung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, war positiv, weshalb die ökonomische und politische Bedeutung Brasiliens weltweit zunimmt. Das deutsche Auswärtige Amt legt in seiner aktuellen Einschätzung dar, dass Wachstumsimpulse infolge der Fußball Weltmeisterschaft 2014, der Olympischen Spiele 2016 sowie der Erschließung neu entdeckter Rohöl- und Erdgasvorkommen zu erwarten sind. Durch die sportlichen Höhepunkte seien Investitionen geplant, welche in Rio de Janeiro bis zum Jahr 2014 auf ca. 88 Mrd. R$ geschätzt würden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die holländische Krankheit
2.1. Entstehung
2.2. Definition
3. Anwendung auf Brasilien
4. Fazit
Anhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der sogenannten „holländischen Krankheit“ und analysiert kritisch, inwieweit dieses wirtschaftswissenschaftliche Phänomen auf die brasilianische Volkswirtschaft übertragen werden kann. Dabei wird insbesondere geprüft, ob die exportinduzierten Entwicklungen des Landes Anzeichen einer De-Industrialisierung aufweisen.
- Grundlegende Definition und Entstehungsgeschichte der holländischen Krankheit
- Analyse des brasilianischen Handelsbilanzverlaufs zwischen 2001 und 2011
- Untersuchung der Wechselkursdynamik des brasilianischen Reals
- Bewertung der Rohstoffabhängigkeit der brasilianischen Exporte
- Diskussion von Handlungsoptionen zur Diversifizierung der Exportwirtschaft
Auszug aus dem Buch
2.2. Definition
Unter der sogenannten „Dutch Disease“ , welche als holländische Krankheit übersetzt wird, sind negative Effekte für die Exportindustrie eines Landes zu verstehen, welche durch „asymmetrische Technologie-, Angebots- und Nachfrageschocks“ hervorgerufen werden. Damit gehen Einkommensanstiege und Kapitalzuflüsse zugunsten der Volkswirtschaft einher, welche die Konsummöglichkeiten erhöhen. Die erhöhte Nachfrage nach Dienstleistungen im Inland führt zu einer realen Aufwertung des Wechselkurses sowie einer höheren Konzentration der inländischen Wirtschaftspolitik auf jenen Sektor, welcher die genannten Schocks erfährt. Im Anschluss erfolgt ein Rückgang der heimischen Produktion sowie eine Beeinträchtigung des langfristigen Wachstumspfades. Dabei verzeichnet in der Theorie mindestens eine zweite exportgetriebene Industrie des Landes signifikante Produktionsrückgänge. Dies ist die unmittelbare Folge nachdem das Land oder die Industrie einen solchen, in der Regel eigentlich positiv zu betrachtenden, Schock erfahren hat. Eine derartige De-Industrialisierung wird häufig gleich gesetzt mit einem Strukturwandel, welcher mit sinkendem Wohlstand einhergeht, da bei einem vergleichbaren Ansteigen des Dienstleistungssektors die Produktivität weniger stark steige.
Demnach kann „[e]ine von der Dutch Disease betroffene Ökonomie […] normalerweise durch ein Produkt oder eine eng definierte Gruppe von Produkten, die den Großteil der Exporte und des Exportwachstums ausmachen, identifiziert werden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die wirtschaftliche Situation Brasiliens ein und stellt den Bezug zum Phänomen der holländischen Krankheit her.
2. Die holländische Krankheit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ursprünge und definiert die wesentlichen Merkmale des Phänomens anhand ökonomischer Schocks.
2.1. Entstehung: Hier wird die historische Entwicklung des Begriffs am Beispiel der niederländischen Gasvorkommen beschrieben.
2.2. Definition: Dieser Abschnitt beschreibt die theoretischen Kriterien, die eine Ökonomie erfüllen muss, um von der holländischen Krankheit betroffen zu sein.
3. Anwendung auf Brasilien: Der Hauptteil wendet die theoretischen Kriterien auf die Daten der brasilianischen Exportwirtschaft und Wechselkursentwicklung an.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die holländische Krankheit für Brasilien nicht eindeutig nachgewiesen werden kann.
Anhang: Der Anhang bietet ergänzende statistische Daten zu den wichtigsten Exportgütern Brasiliens.
Schlüsselwörter
Holländische Krankheit, Dutch Disease, Brasilien, Handelsbilanz, Wechselkurs, De-Industrialisierung, Rohstoffexporte, Schwellenland, Exportwirtschaft, Strukturwandel, Wirtschaftsentwicklung, Investitionen, Makroökonomik, BIP, Ressourcenreichtum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der holländischen Krankheit und prüft, ob die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens in den betrachteten Zeiträumen durch dieses ökonomische Phänomen geprägt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Außenwirtschaftstheorie, die Analyse von Handelsbilanzsalden, die reale Wechselkursentwicklung und die Struktur der brasilianischen Exportwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob sich die für die holländische Krankheit typischen Symptome – wie ein durch Rohstoffexporte induzierter De-Industrialisierungsprozess – für Brasilien nachweisen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Datenanalyse, bei der empirische Statistiken und historische Daten zum Außenhandel und Wechselkurs mit theoretischen ökonomischen Modellen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung der holländischen Krankheit und deren anschließende praktische Anwendung auf brasilianische Daten wie Exportquoten und Handelsbilanzüberschüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind holländische Krankheit, Brasilien, Handelsbilanz, realer Wechselkurs und De-Industrialisierung.
Welche Rolle spielt der Handelsbilanzüberschuss bei der Diagnose?
Der Handelsbilanzüberschuss ist ein zentrales Kriterium, da er bei rohstoffreichen Ländern oft als Indikator für einen boomenden Sektor dient, der wiederum eine Aufwertung der Währung bewirken kann.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Exportabhängigkeit?
Der Autor stellt fest, dass Brasilien zwar rohstoffreich ist, aber aufgrund der deutlichen Diversifizierung der Exportwirtschaft im Jahr 2007 nicht pauschal von einer starken Rohstoffabhängigkeit gesprochen werden kann.
Warum ist eine Prognose für die Handelsbilanz schwierig?
Eine Prognose ist schwierig, da steigende Wachstumsraten im Inland den Energiebedarf erhöhen und unklar bleibt, ob dieser durch eigene Ressourcen gedeckt wird oder durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien beeinflusst wird.
Welche Handlungsempfehlung wird zur Vermeidung der holländischen Krankheit gegeben?
Es wird empfohlen, Exporterlöse breit zu diversifizieren, etwa durch Investitionen in Bildung, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur oder den Abbau von Handelsschranken.
- Quote paper
- Robert Patzig (Author), 2013, "Dutch Disease". Lässt sich die "holländische Krankheit" für Brasilien nachweisen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/320867