Die folgende Seminararbeit befasst sich mit dem Hysterie-Diskurs um 1900 und dessen Widerspiegelung in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“.
Vor der Analyse des Romans wird Sigmund Freuds „Bruchstück einer Hysterie-Analyse“ zusammengefasst vorangestellt, sowie weitere Ansätze wiedergegeben, um die damalige Auffassung über Symptome und Verlauf der Krankheit, sowie deren Diagnose nachvollziehbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hysterie-Diskurs um 1900
3 Effi Briest
3.1 Fontanes Auseinandersetzung mit der Krankheit Hysterie
3.2 Charakterisierung der Figur Effi Briest
3.3 Hysterie-Analyse
4 Schlussbetrachtung
5 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Hysterie-Diskurs um 1900 und analysiert, inwiefern sich dieser in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ widerspiegelt. Dabei wird beleuchtet, ob die Hauptfigur Effi Briest Züge einer Hysterikerin aufweist und wie Fontane die gesellschaftlichen Zwänge und das Schicksal der Frau seiner Zeit literarisch verarbeitet.
- Historischer Diskurs zur Hysterie um die Jahrhundertwende
- Analyse der psychologischen Entwicklung der Romanfigur Effi Briest
- Vergleich zwischen literarischer Figur und zeitgenössischen klinischen Krankheitsbildern
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen gesellschaftlicher Konvention und Selbstbestimmung
- Diskussion von Fontanes Realismus-Ansatz und dem Frauenbild in seinem Werk
Auszug aus dem Buch
3.3 Hysterie-Analyse
Welche Anzeichen lassen bei Effi auf Hysterie schließen? Welche Merkmale Effis zeigen den von Fontane verarbeiteten Hysterie-Diskurs im Roman? Nach der Vorstellung ihrer Person und ihrer Lebensumstände, lassen sich nun die Zeichen der Krankheit verständlich machen.
Zunächst einmal finden sich einige Andeutungen, die auf eine labile Psyche Effis hindeuten. Somatische Symptome finden sich wenig: ein Beispiel ist Effis Erkrankung aufgrund des durch ihre Affäre mit Crampas hervorgerufenen schlechten Gewissens.
Ihre Krankengeschichte ist allerdings deswegen nicht minder kurz. Die Geschichte über den Chinesen löst ständig Angst bei ihr aus, obwohl es zunächst keinerlei Gründe gibt – es handelt sich um nichts weiter als Hirngespinste.
Zu den Angstzuständen kommt die permanente Schlaflosigkeit, die ebenfalls durch Innstettens Geschichte über den Chinesen ausgelöst wird. Von daher ist sie unbändig erleichtert, als sie von ihrem Umzug nach Berlin erfährt: „Effi sagte kein Wort, und nur ihre Augen wurden immer größer; um ihre Mundwinkel war ein nervöses Zucken, und ihr ganzer zarter Körper zitterte. Mit einem Male aber glitt sie von ihrem Sitz vor Innstetten nieder, umklammerte seine Knie und sagte in einem Tone, wie wenn sie betete: ‚Gott sei Dank! ‘“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Hysterie-Diskurses um 1900 ein und skizziert die Fragestellung zur Darstellung dieses Phänomens in Theodor Fontanes „Effi Briest“.
2 Hysterie-Diskurs um 1900: Dieses Kapitel erläutert die medizinischen und wissenschaftlichen Ansichten über Hysterie zur Zeit der Jahrhundertwende und stellt verschiedene theoretische Positionen vor.
3 Effi Briest: Dieses Kapitel widmet sich dem Roman selbst, dem historischen Hintergrund der Ardenne-Affäre und den Vorbildern der Figur Effi Briest.
3.1 Fontanes Auseinandersetzung mit der Krankheit Hysterie: Hier wird untersucht, wie Fontane persönlich zum Thema Hysterie und zur Rolle der Frau stand und ob er das Thema bewusst in seinem Roman diskutieren wollte.
3.2 Charakterisierung der Figur Effi Briest: Dieses Kapitel analysiert das Wesen und die Lebensumstände der Hauptfigur und zeigt die Faktoren auf, die zu ihrer Frustration führen.
3.3 Hysterie-Analyse: Hier erfolgt die konkrete Anwendung der Hysterie-Merkmale auf das Verhalten von Effi Briest sowie ein Vergleich mit Freuds Patientin Dora.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert Fontanes Verständnis von „Natürlichkeit“ sowie den gesellschaftlichen Wandel nach 1900.
5 Bibliographie: Das Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Effi Briest, Hysterie, Hysterie-Diskurs, Jahrhundertwende, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Literaturanalyse, Frauenbild, gesellschaftliche Zwänge, psychische Störung, Realismus, Konversionsstörung, weibliche Identität, Medizingeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit untersucht das literarische Porträt der Effi Briest im Kontext des zeitgenössischen medizinischen Diskurses über Hysterie um 1900.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die historische Auffassung von Hysterie als „Krankheit der Frau“, die Darstellung weiblicher psychischer Leiden in der Literatur des Realismus und die Rolle gesellschaftlicher Konventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane das Krankheitsbild der Hysterie in seinem Roman „Effi Briest“ einsetzt und ob die Romanfigur als Abbild der damaligen Hysterie-Diskurse verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von medizinhistorischen und psychoanalytischen Quellen, wie etwa Schriften von Sigmund Freud und Paul Julius Möbius.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Hysterie-Diskurs, die Charakterisierung der Figur Effi Briest und eine spezifische Hysterie-Analyse, inklusive eines Vergleichs mit Freuds Patientin Dora.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Hysterie, Fontane, Epochenwandel, Psychoanalyse und die gesellschaftliche Isolation der Frau im 19. Jahrhundert.
Inwiefern beeinflusst die "Ardenne-Affäre" die Analyse?
Sie dient als realer historischer Hintergrund, da sie die wahre Geschichte hinter dem Roman darstellt und die Verbindung zur zeitgenössischen Realität unterstreicht.
Warum wird Sigmund Freuds Patientin „Dora“ als Vergleich herangezogen?
Die Figur der Dora dient als klinisches Referenzmodell, um an konkreten Verhaltensweisen von Effi Briest zu prüfen, welche Merkmale der damaligen Diagnose „Hysterie“ in ihr zutreffen.
- Quote paper
- Carolin Strehmel (Author), 2013, Der Hysterie-Diskurs um 1900 am Beispiel von Theodor Fontanes „Effi Briest“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/320770