Im Verlaufe seiner Vorlesung über die Philosophie der Kunst aus dem Jahre 1823 geht Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) in der Weise vor, dass er nach einer längeren Einleitung in einem ersten Teil, dem Allgemeinen Teil, zunächst die Idee und das Ideal, sowie auch die geschichtliche Konkretion des Ideals in den drei Kunstformen behandelt. Anschließend setzt er sich im Besonderen Teil mit den unterschiedlichen Kunstgattungen auseinander. Innerhalb dieses Systems geht er von der symbolischen über die klassische zu den romantischen Künsten und beschreibt die Entwicklung im System der einzelnen Künste von der Architektur und Skulptur zu den romantischen Künsten Malerei, Musik und Poesie.
Die vorliegende Hausarbeit soll sich mit Hegel und mit der gesellschaftlichen und politischen Funktion der Kunst beschäftigen. Dabei beziehe ich mich nur auf die Bestimmung der Bildenden Künste, sowohl bei Hegel als auch in der Kunstgeschichtsforschung. In der gesamten Hausarbeit werde ich mich auf die oben genannte Vorlesung beziehen und der Frage nachgehen, ob es eine politische Funktion der Kunst bei Hegel gibt oder ob er sich auf die Bestimmung der gesellschaftlichen Funktion der Kunst beschränkt. Zunächst beschäftige ich mich mit den von Hegel bestimmten Kunstformen.
Nicht alle der drei Kunstformen können als das Ideal gelten, da sich in der Darstellung der einzelnen Kunstformen die Idee und der Gehalt in unterschiedlichen Verhältnissen befinden. Dies werde ich im nächsten Kapitel erörtern und möchte die Besonderheiten der drei Kunstformen darstellen. Im Kapitel zwei meiner Hausarbeit werde ich Hegels Charakteristik der Künste erläutern und dabei das sichtbare Sinnliche der bildenden Künste aufzeigen. Diese Klasse teilt sich in drei Künste, die Architektur, die Skulptur und die Malerei. Diese drei Künste greife ich im Kapitel drei und vier meiner Hausarbeit wieder auf und bestimme deren gesellschaftliche und politische Funktion bei Hegel und in der Kunstgeschichte. Im vierten Kapitel habe ich je ein Beispiel zur Architektur, der Skulptur und der Malerei aus dem Funkkolleg: eine Geschichte der Kunst im Wandel ihrer Funktionen Kunst, das von Werner Busch herausgegeben wurde herausgesucht. Bei der Architektur habe ich als Beispiel das Rathaus von Bremen gewählt, bei der Skulptur das Hermannsdenkmal und im Unterkapitel Malerei behandle ich die Lossagung der Vormundschaft des Papstes der englischen Kirche.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Kunstformen
2. Hegels Charakteristik der Künste
3. Bestimmung der gesellschaftlichen und politischen Funktion der bildenden Künste bei Hegel
3.1 Architektur
3.2 Skulptur
3.3 Malerei
4. Bestimmung der gesellschaftlichen und politischen Funktion der bildenden Künste in der Kunstgeschichte
4.1 Architektur
4.2 Skulptur
4.3 Malerei
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Kunst und Politik in Hegels Vorlesung über die Philosophie der Kunst, um zu klären, ob er dieser eine politische Dimension zuschreibt oder sich lediglich auf ihre gesellschaftliche Funktion beschränkt. Durch eine vergleichende Analyse der bildenden Künste – Architektur, Skulptur und Malerei – sowie die Einbeziehung kunstgeschichtlicher Beispiele wird der Wandel und die Wirkung funktionaler Kunst in verschiedenen Epochen beleuchtet.
- Hegels System der drei Kunstformen (symbolisch, klassisch, romantisch)
- Charakterisierung der bildenden Künste in Bezug auf deren sinnliche Darstellungsweise
- Gesellschaftliche Funktionen von Architektur, Skulptur und Malerei bei Hegel
- Politische Repräsentationsfunktionen anhand kunsthistorischer Beispiele (z. B. Rathaus, Denkmal)
- Differenzierung zwischen religiöser Verehrung und politischer Instrumentalisierung von Kunst
Auszug aus dem Buch
3.1 Architektur
„Die Architektur, welche die äußerliche Umgebung des Mittelpunkts erbaut, die nur äußerliche Verbindung an ihr hat, an der der Geist sich reflektiert.“21
Hegel sieht den Anfang der schönen Kunst in der Architektur. Dabei meint er aber keine Höhle oder eine Hütte, denn wenn ein Gebäude der schönen Kunst angehören soll, so muss dieses nach Hegel einen Zweck erfüllen. Das Haus ist somit der architektonische Anfang, da es das „Mittel für das Bedürfnis“22 ist.
Die selbstständige oder auch symbolische Architektur vermischt sich mit der Skulptur. Hier ist „die Gestalt nicht geistig, denn die geistige Gestalt bedeutet sich selbst. In der Architektur sind aber Bedeutung und Gestalt geschieden.“23
In der selbstständigen Architektur liegt, laut Hegel, im Werk der ganze Zweck und ist vortrefflich eine Vermischung aus Skulptur und Architektur. Diese beiden Künste sind vereint und müssen sich voneinander lösen, damit sich die Architektur zum „Gehäuse ihres Gebildes“24 macht.
Durch seinen Ausdruck soll das Werk der symbolischen Architektur allgemeine Vorstellungen hervorrufen und für sich zu denken geben.
„Der Zweck dieser symbolischen Architektur ist ein Unförmliches, also ist hier nicht vollständig und von einem bestimmten Prinzip aus davon zu sprechen. Es ist eine Reihe von Werken, an die erinnert werden muss.“25.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit stellt die Forschungsfrage nach der politischen Funktion der Kunst bei Hegel im Kontext seiner Philosophie der Kunst aus dem Jahr 1823.
1. Die Kunstformen: Es erfolgt eine Einteilung in symbolische, klassische und romantische Kunstformen, die eng mit historischen Epochen und dem jeweiligen Bewusstseinszustand verknüpft sind.
2. Hegels Charakteristik der Künste: Dieses Kapitel definiert die Architektur als äußerliche, die Skulptur als objektive und die Malerei als subjektive Kunstgattung innerhalb von Hegels System.
3. Bestimmung der gesellschaftlichen und politischen Funktion der bildenden Künste bei Hegel: Der Fokus liegt auf der Analyse der spezifischen Funktionen, wobei Hegel der Architektur Zweckmäßigkeit, der Skulptur und Malerei primär religiöse oder spirituelle Zwecke zuweist.
4. Bestimmung der gesellschaftlichen und politischen Funktion der bildenden Künste in der Kunstgeschichte: Anhand konkreter Beispiele wie dem Rathaus von Bremen oder dem Hermannsdenkmal wird aufgezeigt, wie bildende Kunst jenseits von Hegels Vorlesung explizit politische Machtansprüche oder nationale Identität artikulieren kann.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Befund, dass Hegel in seiner Vorlesung keine explizite politische Funktion der Kunst thematisiert, obgleich diese in der historischen Anwendung (z. B. durch die Kirche oder den Staat) als wirkungsvolles politisches Mittel fungiert.
Schlüsselwörter
Hegel, Philosophie der Kunst, bildende Künste, Architektur, Skulptur, Malerei, Kunstform, gesellschaftliche Funktion, politische Funktion, Repräsentation, Ästhetik, Ideal, Symbolik, Klassik, Romantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht, ob Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seiner Vorlesung über die Philosophie der Kunst (1823) der Kunst eine explizite politische Funktion zuschreibt oder ob er deren Zweck auf gesellschaftliche und religiöse Aspekte begrenzt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Einteilung der Kunstformen, Hegels Klassifizierung der bildenden Künste sowie die Unterscheidung zwischen der philosophischen Bestimmung von Kunst und deren konkreter politisch-gesellschaftlicher Verwendung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob eine politische Funktion der Kunst bei Hegel zu finden ist oder ob er diese Dimension in seinem ästhetischen System ausspart.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer hermeneutischen Textanalyse von Hegels Vorlesung, ergänzt durch eine vergleichende Untersuchung kunstgeschichtlicher Fallbeispiele (wie dem Rathaus von Bremen oder dem Hermannsdenkmal).
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kunstformen, die Charakterisierung der bildenden Künste bei Hegel und die kontrastierende Analyse ihrer tatsächlichen politischen Funktion in der Kunstgeschichte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hegelsche Ästhetik, Kunstform, gesellschaftliche Funktion, politische Repräsentation und das Verhältnis von Inhalt und sinnlicher Gestalt geprägt.
Warum wird das Rathaus von Bremen als Beispiel angeführt?
Das Rathaus dient als historisches Beispiel für ein öffentliches Gebäude, das eine klare politische und repräsentative Funktion für die städtische Macht und das politische Leben erfüllte, was in Hegels philosophischer Systematik so nicht explizit thematisiert wird.
Welche Rolle spielt das Hermannsdenkmal in der Analyse?
Es dient zur Illustration einer politischen Instrumentalisierung von Kunst, da es den Nationalgedanken und die Einigung Deutschlands verkörpern soll, eine Funktion, die über Hegels rein ästhetisch-religiöse Deutung der Skulptur hinausgeht.
Wie unterscheidet sich die Malerei laut Hegel von anderen Künsten?
Die Malerei gilt als „subjektive Kunst“, da sie aufgrund ihrer farblichen Mittel und der Darstellung von Empfindungen eine größere Freiheit und Differenzierung im Ausdruck ermöglicht als die eher an feste Materialität gebundene Architektur oder Skulptur.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Die gesellschaftliche und politische Funktion der Kunst. Zur Bestimmung der Bildenden Künste bei Hegel und in der Kunstgeschichtsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319881