Die nachfolgende Arbeit soll sich damit beschäftigen, wie durch Heuristiken hervorgerufene eignungsdiagnostische Fehleinschätzungen entstehen und wie diese sich minimieren lassen. Jedes Unternehmen ist bestrebt, die besten Mitarbeiter für sein Unternehmen zu finden und, nach Möglichkeit, langfristig zu binden. Dies ist gerade in aktuellen Zeiten des Fachkräftemangels wichtig, denn hauptsächlich der demografische Wandel sorgt im Bereich Personalmanagement dafür, dass zukünftig nicht genug beziehungsweise ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden.
Wie und mit welchen Methoden man den besten Bewerber findet, damit beschäftigt sich die Eignungsdiagnostik. Die Verfahren bzw. Methoden der Eignungsdiagnostik werden seit vielen Jahren erforscht, weiterentwickelt und verbessert. Schuler (2014) bietet hierzu eine interessante Übersicht, von den ersten Schritten der Eignungsdiagnostik 1000 Jahre vor Christi über den eigentlichen Beginn der psychologischen Diagnostik Ende des 19. Jahrhunderts bis zu den heutigen ISO- und DIN-standardisierten, online-gestützten Methoden.
Doch auch wenn die Methoden der eignungsdiagnostischen Personalauswahl in der heutigen Zeit recht zuverlässig sind, bleiben die darauf basierenden Entscheidungen nicht frei von Fehlern. Grund dafür sind Störgrößen, wie beispielsweise Heuristiken. Diese Faustregeln erleichtern zwar Entscheidungen, weil sie schnell, sparsam und ausreichend genau sind, führen aber unter Umständen zu systematischen Fehleinschätzungen. Und damit auch zur Fehlbesetzung der Vakanz als auch daraus resultierend zu Kosten.
Zu Beginn der Arbeit werden der Begriff Heuristik allgemein sowie beispielhaft die Repräsentativitätsheuristik definiert und erklärt. Anschließend werden die zentralen Erkenntnisse der Repräsentativitätsheuristik dargelegt, ehe anhand eines selbst erdachten Beispiels die Gefahr von Heurisiken im Bereich der Personalauswahl aufgeführt wird. Im letzten Teil der Arbeit werden Handlungsempfehlungen vorgeschlagen, wie man eignungsdiagnostische Fehleinschätzungen im Bereich Personalauswahl minimieren kann. Zu diesen Empfehlungen erfolgt eine persönliche Einschätzung der Machbarkeit sowie eine abschließende Stellungnahme.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Heuristiken
1.1 Was sind Heuristiken?
1.2 Beispiel Repräsentativitätsheuristik
2. Erkenntnisse zur Repräsentativitätsheuristik
2.1 Der Basisratenfehler
2.2 Der Konjunktionseffekt
3. Fallbeispiel für eignungsdiagnostische Fehlurteile bei der Personalauswahl durch die Repräsentativitätsheuristik
4. Handlungsempfehlungen für die Personalauswahl
4.1 Erstellen eines Anforderungsprofils
4.2 Das strukturierte Interview
5. Machbarkeit der Handlungsempfehlungen – Persönliche Stellungnahme
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie psychologische Heuristiken – speziell die Repräsentativitätsheuristik – zu systematischen Fehleinschätzungen im Personalauswahlprozess führen können, und entwickelt auf dieser Basis Strategien zur Minimierung solcher Fehlurteile.
- Grundlagen von Heuristiken und deren Funktion als mentale Abkürzungen
- Analyse psychologischer Phänomene wie Basisratenfehler und Konjunktionseffekt
- Darstellung eines Fallbeispiels zur Veranschaulichung von Auswahlfehlern
- Bedeutung eines strukturierten Anforderungsprofils zur Entscheidungsfindung
- Vorteile strukturierter Interviews gegenüber intuitiven Auswahlverfahren
Auszug aus dem Buch
1.1 Was sind Heuristiken?
Der Begriff Heuristik stammt aus dem Altgriechischen (heurisko) und kann übersetzt werden mit „suchen“ oder „finden“ (Grünig & Kühn, 2009). Eine in der Wissenschaft akzeptierte Definition des Begriffes stammt von Feigenbaum und Feldmann (1963, S.6, nach Grünig & Kühn, 2009, S. 53):
„A heuristic… is a rule of thumb, strategy, trick, simplification, or any other kind of device which drastically limits search for solutions in large problem spaces.”
Diese „einfachen Denkstrategien für effizientere Urteile und Problemlösungen“ (Myers, 2008, S. 433), auch als Faustregeln oder Urteilsheuristiken bezeichnet, ermöglichen eine „schnelle, sparsame und meist hinreichend genaue Urteilsbildung“ (Werth & Mayer, 2008, S. 52).
Der Mensch wird tagtäglich mit vielen Informationen konfrontiert, gerade in der heutigen Zeit erfolgt durch die Massenmedien ein massiver Input. Da die Kapazität der Informationsbearbeitung bei Menschen aber begrenzt ist, greift er häufig zu diesen mentalen Abkürzungen, mal bewusst, mal unbewusst (Werth & Mayer, 2008). So können Urteile oder Entscheidungen in kurzer Zeit und mit geringem Wissen gefällt bzw. getroffen werden und führen dennoch in vielen Fällen zu einer befriedigenden Lösung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Eignungsdiagnostik im Kontext des Fachkräftemangels und identifiziert Heuristiken als potenzielle Störgrößen bei Auswahlentscheidungen.
1. Heuristiken: Dieses Kapitel definiert Heuristiken als effiziente Denkstrategien zur schnellen Urteilsbildung, weist jedoch auf deren Fehleranfälligkeit hin.
2. Erkenntnisse zur Repräsentativitätsheuristik: Hier werden der Basisratenfehler und der Konjunktionseffekt als spezifische Verzerrungseffekte der Repräsentativitätsheuristik theoretisch erläutert.
3. Fallbeispiel für eignungsdiagnostische Fehlurteile bei der Personalauswahl durch die Repräsentativitätsheuristik: Ein praxisnahes Szenario illustriert, wie subjektive Prototypen und Vorurteile eines Geschäftsführers zu einer Fehlbesetzung führen.
4. Handlungsempfehlungen für die Personalauswahl: Dieses Kapitel schlägt die Nutzung von detaillierten Anforderungsprofilen und strukturierten Interviews als Gegenmaßnahmen zu intuitiven Fehlurteilen vor.
5. Machbarkeit der Handlungsempfehlungen – Persönliche Stellungnahme: Die Autorin reflektiert die Anwendbarkeit der Maßnahmen und betont, dass eine vollständige Eliminierung subjektiver Faktoren kaum möglich, aber eine deutliche Minimierung systematisch erreichbar ist.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachquellen.
Schlüsselwörter
Personalauswahl, Eignungsdiagnostik, Repräsentativitätsheuristik, Heuristiken, Fehlbesetzung, Basisratenfehler, Konjunktionseffekt, Anforderungsprofil, Strukturiertes Interview, Urteilsverzerrung, Biases, Auswahlverfahren, Prototyp, Personalmanagement, Fehlurteil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychologischen Ursachen für Fehlentscheidungen in der Personalauswahl, insbesondere durch den Einfluss von Heuristiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Eignungsdiagnostik, psychologische Urteilsheuristiken sowie effektive Methoden zur Professionalisierung von Auswahlprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Repräsentativitätsheuristik verursachte Fehleinschätzungen entstehen und welche strukturellen Maßnahmen deren Einfluss minimieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch einschlägige Fachliteratur sowie der Fallbeispielanalyse zur Illustration der theoretischen Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen zu Heuristiken, die Analyse psychologischer Effekte sowie praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Personalauswahl, Eignungsdiagnostik, Repräsentativitätsheuristik, Anforderungsprofil und strukturiertes Interview.
Warum ist das "lawyer-engineer problem" für die Arbeit relevant?
Es dient als klassisches Beispiel, um zu verdeutlichen, wie Menschen bei Urteilen äußere Ähnlichkeiten höher gewichten als statistische Basisraten.
Welche Rolle spielt das Anforderungsprofil zur Fehlervermeidung?
Es dient als objektiver Leitfaden, der den Entscheider zwingt, sich an festgelegten Kriterien statt an subjektiven Prototypen zu orientieren.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Repräsentativitätsheuristik als Möglichkeit der Minimierung eignungsdiagnostischer Fehleinschätzungen bei der Personalauswahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319768