In dieser Arbeit soll zunächst untersucht werden, welche Funktionen sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Krieg erfüllt. Am Beispiel des Bosnienkrieges im ehemaligen Jugoslawien von 1992 bis 1995 wird diese verdeutlicht. Die juristische Verfolgung der Taten am ICTY wird unter Punkt 4 erläutert, besonders auf den so genannten Foca Prozess gehe ich auf Grund seiner historischen Bedeutung näher ein.
Unter den langfristigen Folgen der sexuellen Gewalt leiden die Opfer auch nach Beendigung des Krieges. Möglichkeiten der gesellschaftlichen Enttabuisierung werden unter Punkt 6 aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktion von sexualisierter Gewalt in Kriegen
2.1. ... als sexueller Ausdruck von Aggression
2.2. … als Angegriff auf das männliche Beschützergebot
2.3. ... als Angriff auf die Kultur des Gegners
2.4. ... zur Demonstration der Besitzansprüche des Siegers
2.5. ... zu Propagandazwecken
3. Sexuelle Gewalt gegen Frauen in Jugoslawien
4. Juristische Verfolgung
4. 1. Der lange Weg zur Strafe
4.2. Die Prozesse des ICTY
4.2.1. Der „Čelebići-Prozess“ und das Urteil gegen Anto Furundzija
4.2.2. Der „Foča-Prozess”
5. Langfristige Folgen für die Opfer
6. Ansätze der Enttabuisierung und Verfolgung
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion von sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe sowie deren juristische Aufarbeitung und langfristige Folgen für Betroffene. Anhand des Bosnienkrieges wird analysiert, wie systematische Vergewaltigungen als strategisches Mittel eingesetzt wurden und welche Bedeutung wegweisende Gerichtsurteile für das Völkerrecht haben.
- Funktionen sexualisierter Kriegsgewalt (z.B. Aggression, kulturelle Zerstörung, Besitzanspruch)
- Strukturelle Analyse des Bosnienkrieges (1992–1995)
- Juristische Aufarbeitung durch den Internationalen Strafgerichtshof (ICTY)
- Langfristige psychische und physische Traumatisierung der Opfer
- Herausforderungen der gesellschaftlichen Enttabuisierung und Zeugensicherheit
Auszug aus dem Buch
2.2. ... als Angegriff auf das männliche Beschützergebot
Vergewaltigungen können im Kontext von Kriegen als der letztliche symbolische Ausdruck der Erniedrigung des männlichen Gegners betrachtet werden. Der weibliche Körper wird zum Territorium, auf dem die Dominanz der einen über die andere Gruppe ausgetragen wird. Er repräsentiert auf der Ebene von Sprache und Symbolen den Volkskörper; dies zeigt sich in nationalen Sinnbildern wie der französischen Marianne, der Britannia oder Germania. Zudem besteht eine zentrale Aufgabe von Frauen in bewaffneten Konflikten darin, durch die Geburt von potentiellen (männlichen) Kämpfern die eigene Gruppe zu erhalten und zu vergrößern. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen der 'feindlichen' Seite enthalten eine Botschaft: Ihre Nation, ihre Kultur wird in und mit den Frauen diffamiert, die den Frauen zugefügte Gewalt dient ebenso der Demütigung der Männer. Ihnen wird vermittelt, dass sie außerstande sind, die Integrität der Nation sowie die Frauen zu schützen und die intakte Reproduktion ihrer Gemeinschaft zu sichern. Es verwandelt sich „ the body of a raped woman [in] a ceremonial battlefield... The act that is played out upon her is a message between men – vivid proof of victory for one and loss and defeat for the other.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz sexualisierter Kriegsgewalt und skizziert die methodische Untersuchung am Beispiel des Bosnienkrieges.
2. Funktion von sexualisierter Gewalt in Kriegen: Dieses Kapitel analysiert verschiedene strategische Motive, warum Vergewaltigungen in Konflikten als Instrument zur Unterwerfung und Demütigung eingesetzt werden.
3. Sexuelle Gewalt gegen Frauen in Jugoslawien: Hier wird der spezifische Einsatz sexualisierter Gewalt während des Bosnienkrieges (1992-1995) als gezielte militärische Strategie untersucht.
4. Juristische Verfolgung: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung des Völkerrechts und die wegweisende Rolle der ICTY-Prozesse zur Verurteilung sexueller Gewalt.
5. Langfristige Folgen für die Opfer: Es werden die gravierenden physischen und psychischen Langzeitschäden sowie die soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung der Betroffenen thematisiert.
6. Ansätze der Enttabuisierung und Verfolgung: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung der öffentlichen Aufarbeitung und die notwendige Intervention internationaler Organisationen für die Unterstützung der Opfer.
7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Fortschritte im Völkerrecht und betont die Notwendigkeit der aktiven Partizipation von Frauen in Friedensprozessen.
Schlüsselwörter
Sexualisierte Kriegsgewalt, Bosnienkrieg, ICTY, Völkerrecht, Vergewaltigung als Kriegswaffe, Menschenrechte, Traumatisierung, Stigmatisierung, Enttabuisierung, Internationale Strafgerichtshöfe, Foča-Prozess, Geschlechterdimensionen, Gewalt gegen Frauen, Kriegsverbrechen, Zwangsprostitution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die systematische Verwendung von sexualisierter Gewalt gegen Frauen in Kriegen, insbesondere im Bosnienkrieg, und untersucht deren Funktion sowie die strafrechtliche Aufarbeitung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die symbolische Bedeutung des weiblichen Körpers im Krieg, die Rolle von Vergewaltigung als Mittel zur Vertreibung und Demütigung sowie die juristische Anerkennung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sexualisierte Gewalt strategisch im Bosnienkrieg eingesetzt wurde und wie sich die völkerrechtliche Einordnung dieser Verbrechen über die Zeit verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Prozessberichten und völkerrechtlichen Dokumenten zum Bosnienkrieg und den entsprechenden Tribunalen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Funktionen (z. B. Aggression, Propaganda), die Analyse der Ereignisse in Jugoslawien, die juristische Aufarbeitung am ICTY und die Analyse langfristiger Folgen für die Opfer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem sexualisierte Kriegsgewalt, ICTY, Völkerrecht, Traumatisierung, Vergewaltigung als Kriegswaffe und Menschenrechtsverletzungen.
Welche Bedeutung hat der „Foča-Prozess“ in dieser Untersuchung?
Der Foča-Prozess nimmt eine Schlüsselrolle ein, da er erstmals in der Geschichte des Völkerrechts die Anklage wegen Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermöglichte.
Warum betont die Autorin die Notwendigkeit einer weiblichen Partizipation?
Sie argumentiert, dass Friedensverhandlungen (wie z.B. in Dayton 1995) unvollständig sind, solange Frauen in den entscheidenden Institutionen unterrepräsentiert sind und ihre Perspektiven auf die Aufarbeitung fehlen.
- Quote paper
- B.A. Janina Jasencak (Author), 2010, Sexualisierte Kriegsgewalt als Waffe. Eine Untersuchung anhand des Bosnienkrieges im ehemaligen Jugoslawien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319502