Einer der bedeutungsvollsten Untersuchungsgegenstände, mit der sich die psychologische Forschung seit langem auseinander setzt, ist die Voraussage und Analyse menschlichen Verhaltens. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der von Icek Ajzen entworfenen Theorie des geplanten Verhaltens (TGV), welche sich mit der Vorhersage von Verhalten aufgrund von Einstellungen auseinandersetzt. Die Zielsetzung besteht darin, die theoretischen Grundlagen der TGV zu ergründen.
In erster Linie soll herausgestellt werden, welche Determinanten den Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten bestimmen beziehungsweise erhöhen und somit für ein vorhersehbares Verhalten ausschlaggebend sind. Des Weiteren sind wesentliche Unterschiede und Ergänzungen aufzuzeigen, durch die sich der weiterentwickelte Ansatz Ajzens von dem Grundmodell 'Theorie des überlegten Handelns' (TÜH) abgrenzt. Ein weiterer beachtlicher Aspekt des Konzeptes ist der regelmäßige Einsatz in der angewandten Forschung. Anhand von ausgewählten Beispielen soll die geläufige Anwendung der Theorie auf Sachverhalte und Zustände in der Realität verdeutlicht werden. Die TGV soll schließlich auf Basis der kennzeichnenden Charakteristika kritisch betrachtet und beurteilt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen der Theorie des geplanten Verhaltens
2.1 Hintergrund der Verhaltensforschung
2.2 Einführung in die Theorie des überlegten Handelns
2.3 Charakterisierung der Theorie des geplanten Verhaltens
3 Anwendung der Theorie des geplanten Verhaltens
4 Kritische Beurteilung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die von Icek Ajzen entwickelte Theorie des geplanten Verhaltens (TGV) hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, ihrer Anwendbarkeit in der Praxis sowie ihrer Vorzüge und Grenzen bei der Prognose menschlichen Handelns.
- Historischer Hintergrund der Verhaltensforschung und Entstehung der Theorie
- Abgrenzung der Theorie des geplanten Verhaltens vom Ursprungsmodell (TÜH)
- Die drei zentralen Determinanten: Einstellung, subjektive Norm und wahrgenommene Verhaltenskontrolle
- Analyse der Prognosekraft mittels praktischer Fallbeispiele zur Studienintention
- Kritische Reflexion der Annahme rationalen Handelns
Auszug aus dem Buch
2.3 Charakterisierung der Theorie des geplanten Verhaltens
Aufgrund der Beschränkung der TÜH auf Verhaltensweisen, welche der willentlichen Kontrolle unterliegen, beschloss Ajzen diese zu erweitern. Mitte der 80er Jahre nahm er daher eine Revision seiner Theorie vor und bezeichnete das, um neue Erkenntnisse ergänzte, Modell die TGV.
Der einzige Unterschied zwischen den beiden Theorien besteht, neben den bereits im Grundmodell vorhandenen Komponenten Einstellung gegenüber dem Verhalten und subjektive Norm, in einem zusätzlichen Faktor: die wahrgenommene Verhaltenskontrolle. Mit der Aussage „The theory of planned behavior is an extension of the theory of reasoned action … made necessary by the original model’s limitations in dealing with behaviors over which people have incomplete volitional control“ gibt Ajzen eine plausible Erklärung ab, aus welchem Grund eine Erweiterung des Ursprungsmodells sinnvoll ist. Durch die wahrgenommene Verhaltenskontrolle soll eine bessere Verhaltensvoraussage von Handlungsweisen ermöglicht werden, über die Personen keine umfassende Willenskontrolle haben.
Die besagten Faktoren, welche die Verhaltensintention erheblich beeinflussen, lassen sich wie folgt definieren:
Einstellung gegenüber dem Verhalten: Die Einstellungskomponente bezieht sich darauf, wie eine Person subjektiv gegenüber einem bestimmten Verhalten eingestellt ist und registriert, ob eine Person die Ausübung des Verhaltens als positiv oder negativ einschätzt.
Subjektive Norm: Im Mittelpunkt dieser Determinante steht der wahrgenommene soziale Druck aus dem Umfeld. Die subjektive Norm berücksichtigt die Vermutungen einer Person darüber, wie nahe stehende Menschen über die Ausführung des beabsichtigten Verhaltens denken. Der Fokus dieses Faktors liegt somit auf den mutmaßlichen Handlungserwartungen wichtiger Vertrauenspersonen und der Bereitschaft, diesen Erwartungen nachzukommen.
Wahrgenommene Verhaltenskontrolle: Sie bezieht sich auf den wahrgenommenen Schwierigkeitsgrad der Umsetzung des beabsichtigten Verhaltens und auf die Möglichkeit, erforderliche Ressourcen in Anspruch nehmen zu können. Der Fokus liegt demgemäß auf der Einschätzung einer Person darüber, ob sie in der Lage ist, das vorgesehene Verhalten zu verwirklichen. Dabei werden erlebte Erfahrungen sowie erwartete Hindernisse widergespiegelt, welche indirekt in die Entscheidung miteinfließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die psychologische Bedeutung der Verhaltensvorhersage ein und erläutert die Zielsetzung sowie den methodischen Aufbau der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen der Theorie des geplanten Verhaltens: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Verhaltensforschung und führt die Konzepte der Theorie des überlegten Handelns sowie die erweiterte Theorie des geplanten Verhaltens ein.
3 Anwendung der Theorie des geplanten Verhaltens: Hier wird anhand einer Studie zur Studienintention verdeutlicht, wie das Modell in der praktischen Forschung zur Anwendung kommt und welche Faktoren die Vorhersagekraft beeinflussen.
4 Kritische Beurteilung und Fazit: Das Kapitel reflektiert die universelle Anwendbarkeit sowie die Grenzen des Modells, insbesondere hinsichtlich der Annahme rationalen Handelns und der Vorhersage spontaner Verhaltensweisen.
Schlüsselwörter
Theorie des geplanten Verhaltens, TGV, Theorie des überlegten Handelns, Verhaltensforschung, Verhaltensintention, Einstellung, Subjektive Norm, Wahrgenommene Verhaltenskontrolle, Sozialpsychologie, Verhaltensvorhersage, Psychologie, Handlungsentscheidung, Icek Ajzen, Empirische Forschung, Rationales Handeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die psychologische Theorie des geplanten Verhaltens (TGV) nach Icek Ajzen, welche erklärt, wie Einstellungen und soziale Faktoren menschliches Verhalten beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Herleitung des Modells, der Abgrenzung zu früheren Ansätzen, den drei Determinanten der Verhaltensabsicht und der praktischen Anwendung des Konzepts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der TGV zu durchdringen, ihre Anwendbarkeit auf reale Sachverhalte zu verdeutlichen und das Modell kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um die wissenschaftliche Entstehung und empirische Anwendung der Theorie auf Basis bestehender Studien kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung (Hintergrund, TÜH, TGV), eine praktische Anwendung an einem Fallbeispiel zur Studienentscheidung und eine kritische Diskussion der Stärken und Schwächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Verhaltensintention, Einstellung, subjektive Norm, wahrgenommene Verhaltenskontrolle und Verhaltensvorhersage beschreiben.
Wie unterscheidet sich die TGV von der früheren Theorie des überlegten Handelns (TÜH)?
Der wesentliche Unterschied ist die Ergänzung um den Faktor der "wahrgenommenen Verhaltenskontrolle", um auch Verhalten abzubilden, das nicht vollständig unter der willentlichen Kontrolle einer Person steht.
Warum ist das Fallbeispiel zur Studienwahl in der Arbeit enthalten?
Es dient als praxisnahes Beispiel, um zu zeigen, wie die theoretischen Konstrukte (Einstellung, soziale Erwartung, Machbarkeit) empirisch gemessen werden können, um eine Studienabsicht zu prognostizieren.
Welchen kritischen Punkt führt die Autorin gegenüber dem Modell an?
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Modellannahme eines rein rational handelnden Menschen, da dies die Vorhersage spontaner oder impulsiver Handlungen in der Realität erschwert.
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- Sina Zachert (Author), 2015, Die Theorie des geplanten Verhaltens. Hintergrund und kritische Beurteilung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/317654