In der vorliegenden Arbeit sollen die Bereiche abweichendes Verhalten (Devianz) und Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung (ADHS) ausgeführt und in einer kritischen Diskussion mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz in Verbindung gebracht werden.
Es soll, nach einer Klärung von Normen und deviantem Verhalten allgemein, auf die zwei Hauptrichtungen der Devianz Bezug genommen werden. Auf den ätiologischen Ansatz, der Anomietheorie und den interaktionistischen Ansatz, der Etikettierungstheorie. Als nächstes wird ADHS definiert und beschrieben.
Im letzten Bereich soll diskutiert werden, inwiefern das KJHG eine soziale Kontrolle ausübt und Zuschreibungsprozesse fördert oder verhindert, ob ADHS abweichendes Verhalten ist und ob es als soziales Problem gesehen werden kann. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit innerhalb der Theorien abweichenden Verhaltens oder der Darstellung von ADHS erhoben. Es sollen lediglich die wichtigsten Bereiche dargestellt werden, die zu einem besseren Verständnis der Arbeit verhelfen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Devianz
1.1 Normen
1.2 Deviantes Verhalten
1.3 Ätiologischer Ansatz: Anomietheorien
1.4 Interaktionistischer Ansatz: Die Etikettierungstheorie
2. ADHS
2.1 Begriffserklärung
2.2 Diagnose
2.3 Krankheitsursachen
2.3.1 Neurobiologie
2.3.2 Psychosoziologie
2.4 Diagnoserate
2.5. Medikamentöse Behandlung
3. Devianz im KJHG - eine kritische Diskussion des Umgangs mit Dissozialität am Beispiel von ADHS
Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen abweichendem Verhalten (Devianz) und der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kontext des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG). Das primäre Ziel ist die kritische Analyse, inwiefern das KJHG soziale Kontrolle ausübt, Zuschreibungsprozesse fördert oder verhindert und ob ADHS als soziales Problem innerhalb dieses rechtlichen Rahmens betrachtet werden kann.
- Theoretische Grundlagen zu Normen und deviantem Verhalten.
- Gegenüberstellung von ätiologischen Ansätzen (Anomietheorie) und dem interaktionistischen Ansatz (Etikettierungstheorie).
- Detaillierte medizinische und psychosoziale Definition, Diagnose und Behandlung von ADHS.
- Kritische Diskussion der Rolle der Kinder- und Jugendhilfe bei der Stigmatisierung von Kindern mit ADHS.
Auszug aus dem Buch
1.4 Interaktionistischer Ansatz: Die Etikettierungstheorie
Der stringente Etikettierungsansatz, auch Labeling Approach genannt, sucht nicht nach den eigentlichen Ursachen für Devianz, sondern sieht Abweichung als „Zuschreibungsprozess des Attributes der Devianz zu bestimmten Verhaltensweisen im Rahmen von Interaktionen“ (Lamnek, 2007, p. 223). Im Gegensatz zu ätiologischen Theorien, die nach einer kausalen Ursache für deviantes Verhalten suchen, basiert der Etikettierungsansatz auf dem symbolischen Interaktionismus. Dieser erklärt das individuelle Verhalten von Personen durch einen sozialen Prozess von aufeinander bezogenen Handlungen (Lamnek, 2007, p. 319f.). Es gibt auch eine relativierte Sicht der Etikettierungstheorie mit ätiologischen Ansätzen, sie geht davon aus, dass „kontextualisierte Handlungen auch eine Qualität der Abweichung besitzen können.“ (Dollinger & Raithel, 2006, p. 77) Das Hauptziel liegt in der Reaktion auf den Umgang mit Devianz, denn durch den Zuschreibungsprozesse können weitere Devianzen entstehen, sie sind sozusagen die Ursache dafür, wie dies auch bei der sekundären Devianz der Fall ist (Dollinger & Raithel, 2006, p. 78).
Die Normsetzung selbst spielt keine Rolle für abweichendes Verhalten, erst die Anwendung der Norm entscheidet darüber, ob das Verhalten konform oder deviant ist. Die Normen werden in Form von abstrakten Kategorien durch selektive Definitions- und Zuschreibungsprozesse auf den konkreten Menschen und seiner Handlungen angewendet (Lamnek, 2007, p. 224). Tannenbaum, der als „Urvater“ des Etikettierungsansatzes gilt, sah als einer der ersten, dass abweichendes Verhalten erst durch die soziale Reaktion der Umwelt auf ein bestimmtes Verhalten entsteht: “The young delinquent becomes bad, because he is defined as bad” (Tannenbaum, 1973, zit. n. Dollinger & Raithel, 2006, p. 78). Wenn eine Person aus einem undefinierten Grund von einer Norm abweicht ist dies zunächst die primäre Devianz, deren Ursache keine weitere Rolle spielt. Wird diese Abweichung bemerkt, werden ihr Verhaltensmuster unterstellt und Devianz-Stereotype angewendet (Dollinger & Raithel, 2006, p. 79). „Die Identität des „Täters“ wird dadurch nachhaltig geprägt“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Devianz: Dieses Kapitel definiert Normen sowie abweichendes Verhalten und stellt mit der Anomietheorie und der Etikettierungstheorie zwei zentrale soziologische Erklärungsansätze vor.
2. ADHS: Hier werden medizinische und psychosoziale Grundlagen von ADHS, deren Diagnosekriterien, Ursachen sowie die gängigen medikamentösen Behandlungsansätze ausführlich erläutert.
3. Devianz im KJHG - eine kritische Diskussion des Umgangs mit Dissozialität am Beispiel von ADHS: In diesem Kapitel wird das KJHG im Hinblick auf soziale Kontrollmechanismen analysiert und kritisch hinterfragt, wie Diagnoseprozesse und Stigmatisierung von Kindern mit ADHS durch die Jugendhilfe beeinflusst werden.
Schlüsselwörter
Devianz, Normalität, Normen, Anomietheorie, Etikettierungstheorie, Labeling Approach, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, KJHG, Kinder- und Jugendhilfe, Stigmatisierung, Soziale Kontrolle, Medikamentöse Behandlung, Psychosoziologie, Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von abweichendem Verhalten und der Diagnose ADHS im Kontext der gesetzlichen Kinder- und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind soziologische Theorien zu Devianz, die medizinische Perspektive auf ADHS sowie die kritische Reflexion pädagogischer und sozialrechtlicher Interventionsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu analysieren, wie das KJHG auf als abweichend klassifiziertes Verhalten reagiert und ob durch die Diagnose ADHS eine Stigmatisierung gefördert wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Fachquellen sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen zu Devianz, eine detaillierte medizinische Beschreibung von ADHS und eine kritische Diskussion zum Umgang der Jugendhilfe mit diesem Störungsbild.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Devianz, Etikettierungstheorie, ADHS, Stigmatisierung, Soziale Kontrolle und KJHG.
Welche Rolle spielt die Etikettierungstheorie im Kontext von ADHS?
Die Theorie verdeutlicht, dass die Diagnose ADHS selbst zu einer Identitätszuschreibung führen kann, die das Verhalten des Kindes negativ beeinflusst und so weitere Devianzen nach sich ziehen kann.
Wie bewertet der Autor die medikamentöse Behandlung von ADHS?
Der Autor hinterfragt die einseitige Fixierung auf Medikamente und fordert eine ganzheitliche Beziehungskultur sowie alternative Unterstützungsformen für Kinder und Familien.
- Quote paper
- Jonas Falk (Author), 2013, Devianz und das Jugendamt. Differenzierungspraktiken von normalem und abweichendem Verhalten bei ADHS, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/317558