Der Bericht seiner Reisen nach Russland und Persien von Adam Olearius prägte das Russlandbild von Generationen von Deutschen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, unter der Fragestellung „Wurden die umfangreichen Stereotypen im Reisebericht einfach von anderen Autoren übernommen oder beruhen sie auf Olearius‘ eigenen Erlebnissen während seiner Zeit in Russland?“ den Reisebericht zu untersuchen.
Dabei soll methodisch wie folgt vorgegangen werden: Im ersten Teil soll zuerst auf die Person des Adam Olearius eingegangen werden, um bestimmte Punkte seines Reiseberichts nachvollziehen zu können. Der Bericht selber soll dann näher in seinem Aufbau, seinem Ursprung und seiner Wirkung untersucht werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Analyse des sechsten Kapitels „Von der Russen Natur/ Eigenschafft der Gemüther und Sitten“. Hier soll mit Blick auf die Fragestellung die Darstellung der Russen analysiert werden. In einem Fazit soll die Fragestellung wieder aufgegriffen und die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst werden.
Die Person des Adam Olearius ist sicherlich ein Novum in der Deutschen Geschichte. Selber aus einfachen Verhältnissen stammend, schaffte er als Gelehrter den Sprung bis an den Gottorfer Hof. Im Namen Friedrich III. durfte er an den beiden Expeditionen nach Russland und Persien teilnehmen. Dabei gelangen ihm nicht nur umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch ein großer schriftstellerischer Erfolg mit seiner Reisebeschreibung der beiden Expeditionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografische Skizze des Adam Olearius
3. Präsentation des Reiseberichtes von Adam Olearius
4. Analyse des sechsten Kapitels des Reiseberichtes
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Russlandbild in Adam Olearius' Reisebericht, insbesondere durch eine tiefgehende Analyse des sechsten Kapitels, um zu klären, ob die dort geschilderten Stereotypen auf eigenen Erfahrungen des Autors basieren oder von anderen Quellen übernommen wurden.
- Biografie und Wirken von Adam Olearius im 17. Jahrhundert
- Aufbau und Kontext des Reiseberichtes "Beschreibung der Muscowitischen und Persischen Reyse"
- Kritische Analyse des Kapitels "Von der Russen Natur/ Eigenschafft der Gemüther und Sitten"
- Untersuchung von Stereotypen und Vorurteilen gegenüber der russischen Bevölkerung
- Quellenkritik im Kontext barocker Reiseberichte
Auszug aus dem Buch
Von der Russen Natur/ Eigenschafft der Gemüther und Sitten
Sein sechstes Kapitel Von der Russen Natur/ Eigenschafft der Gemüther und Sitten beginnt Olearius mit der Feststellung Russen seynd Barbaren. Diese begründet er damit, dass die Russen keine freien Künste und hohe Wissenschaft lieben, sie bleiben ungelehrt und grob. Gleichzeitig verurteilen sie laut Olearius die Ausländer für ihr Wissenschaftsverständnis und halten Astronomie und Astrologie für Zauberei. Olearius selbst wurde als Zauberer gehalten, der künftige Dinge vorhersagen kann, allerdings sollte er durch seine auf den Reisen erworbenen Erfahrungen und den von ihm gezeichneten Karten im Lande behalten werden. Auch das Anatomieren menschlicher Körper ist den Russen laut Olearius ein Gräuel. Dazu führt er zwei Anekdoten an, unter anderem die des Chirurgen Quirinus, der in große Gefahr geriet, da die Russen annahmen, dass er das Skelett in seinem Büro zum Leben erweckt habe.
Im nächsten Abschnitt geht Olearius auf den Verstand der Russen ein. Er schreibt, dass sie scharfsinnig und verschmitzt seien, was sie allerdings nur zu ihrem eigenen Vorteil und Nutzen anwenden und um ihren Begierden genüge zu tun. So wissen sie die Lüge zu gebrauchen und argwöhnisch zu sein. Betrügen schätzen die Russen dabei sehr. Auch machen sie laut Olearius viele falsche Angaben, wenn sie einen Groll und Hass gegen eine andere Person haben und versuchen so, diese anzuschwärzen. Es ist Hinterlist und Falschheut bey ihnen so groß/ daß sie nicht alleine unter Frembden und Nachbarn/ sondern auch zwischen Brüdern und Eheleutenzu befürchten/ wie darvon die Exempel bekand seynd.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Person Adam Olearius vor, erläutert den wissenschaftlichen Kontext seines Reiseberichts und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Herkunft der darin enthaltenen Russland-Stereotypen.
2. Biografische Skizze des Adam Olearius: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg von Adam Olearius nach, von seiner Herkunft über seine Ausbildung bis hin zu seiner Tätigkeit als Universalgelehrter und Diplomat am Gottorfer Hof.
3. Präsentation des Reiseberichtes von Adam Olearius: Hier werden Entstehung, Aufbau und historische Bedeutung des Werkes „Beschreibung der Muscowitischen und Persischen Reyse“ sowie die Einflüsse barocker Denkmuster auf seine Darstellung des Fremden analysiert.
4. Analyse des sechsten Kapitels des Reiseberichtes: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Kapitel „Von der Russen Natur/ Eigenschafft der Gemüther und Sitten“ und hinterfragt kritisch die darin dargelegten Beschreibungen und Quellen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und ordnet Olearius’ Darstellung in den Kontext seiner begrenzten persönlichen Erfahrungen während der diplomatischen Reise ein.
Schlüsselwörter
Adam Olearius, Reisebericht, Russlandbild, 17. Jahrhundert, Gottorfer Hof, Stereotype, Quellenkritik, Kulturgeschichte, Barock, Fremdwahrnehmung, Diplomatie, Persien, Wissenschaftsverständnis, Russland, Reisebeschreibung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Russlandbild im berühmten Reisebericht von Adam Olearius aus dem 17. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Biografie des Autors, die Entstehung seines Reiseberichts sowie eine detaillierte Quellenkritik der beschriebenen russischen Lebensweise und Sitten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob die im Werk präsentierten Stereotypen über die Russen auf eigenen Beobachtungen des Autors beruhen oder von anderen zeitgenössischen Autoren übernommen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, bei der das sechste Kapitel des Reiseberichts mit dem Wissensstand und den verfügbaren Quellen des 17. Jahrhunderts sowie der Biografie des Autors in Bezug gesetzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Skizze, eine Untersuchung des Aufbaus und der Wirkung des Reiseberichts sowie eine detaillierte Analyse der Darstellung von Russlands Natur, Verstand und Sitten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Adam Olearius, Reisebericht, Russlandbild, Stereotype, Quellenkritik und Fremdwahrnehmung.
Warum hält Olearius die Russen für "Barbaren"?
Olearius begründet dies primär mit der aus seiner Sicht fehlenden Wertschätzung der Russen für freie Künste und Wissenschaften, die er als Gelehrter hoch bewertete.
Welchen Einfluss hatte der soziale Status des Autors auf seine Wahrnehmung?
Als Sekretär der Delegation nahm Olearius hauptsächlich an repräsentativen Veranstaltungen teil und hatte wenig Kontakt zum tatsächlichen Alltag der einfachen russischen Bevölkerung, was seine objektive Wahrnehmung einschränkte.
- Quote paper
- Christian Mangold (Author), 2015, Stereotype Darstellung der Russen. Untersuchung des Russlandbildes in Adam Olearius‘ Reisebericht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/315466