Sprachliche Bestrebungen haben bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts vor allem in Hinsicht auf zwei wesentliche Tendenzen stattgefunden. Zum einen stand die Vermeidung sowie Tilgung von Fremdwörtern und zum anderen die Pflege sowie Etablierung der deutschen Sprache im Fokus. Dabei wurde vor allem in Deutschland, aufgrund des großen Einflusses des Lateinischen und Französischen, „dieser Kampf gegen den fremdsprachlichen Einfluss besonders heftig geführt“ (Polenz 1967:80).
Heute sind diese Bemühungen unter den Stichworten ‚Sprachreinigung’, ‚Purismus’, ‚Fremdwortjagd’ o.ä. bekannt. Kirkness subsumiert diese unter der Begrifflichkeit des Fremdwortpurismus und schreibt sie vorwiegend dem 19. und 20. Jahrhundert zu. Dagegen fasst er die puristischen Bestrebungen des 17. und 18. Jhs. unter dem Begriff des Sprachpurismus zusammen. Offensichtlich ging es im 17. und 18. Jh. nicht um eine „pauschale Fremdwortjagd“, welche allerdings für das 19. und 20. Jh. freilich zutrifft. Doch was verbirgt sich nun hinter Sprachpurismus und wie genau haben die puristischen Bestrebungen des 17. und 18. Jhs. ausgesehen, dass diese unter dem weiteren Begriff des Sprachpurismus vereint werden und somit von den folgenden Jahrhunderten abgrenzt.
Ziel dieser Arbeit ist es die Frage zu klären, warum das 17. und 18. Jh. unter dem weiteren Begriff des Sprachpurismus gefasst wird und wie der Weg hin zum Fremdwortpurismus des 19. und 20. Jhs. gekennzeichnet war? Zunächst werden die von Kirkness geprägten Begrifflichkeiten Sprach- und Fremdwortpurismus definiert und voneinander abgegrenzt. Dies soll bereits grob andeuten, warum der Sprachpurismus für das 17. und 18 Jh. charakteristisch war und im Weiteren als theoretische Grundlage dazu dienen, um die Bestrebungen der Puristen einordnen zu können. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Situation im deutschen Sprachgebiet, die im 17. und 18. Jh. Anlass zu puristischen Bemühungen gegeben hat. Das vierte Kapitel beantwortet im Detail die Frage, warum das 17. und 18. Jh. unter dem weiteren Begriff des Sprachpurismus gefasst werden und wie der Weg hin zum Fremdwortpurismus des 19. und 20. Jhs. charakterisiert war. Das vorletzte Kapitel gibt einen Ausblick, wie sich der Übergang zum Fremdwortpurismus des 19. und 20. Jahrhunderts gestaltet hat. Abschließend fasst eine Schlussbetrachtung die wichtigsten Aspekte der Arbeit zusammen und dient zugleich der Rückführung zum Thema.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprach- vs. Fremdwortpurismus – Eine Begriffsabgrenzung
3. Situation im deutschen Sprachgebiet im 17. und 18. Jahrhundert
4. Puristische Bestrebungen des 17. und 18. Jahrhunderts
4.1 Die Sprachgesellschaften
4.2 Gottfried Wilhelm Leibniz
4.3 Der Gedanke von einer deutschen Sprachakademie
4.4 Joachim Heinrich Campe
5. Der Übergang zum Fremdwortpurismus
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Purismus im 17. und 18. Jahrhundert und analysiert, warum dieser unter dem Begriff des Sprachpurismus gefasst wird, sowie wie der Übergang zum Fremdwortpurismus des 19. und 20. Jahrhunderts verlief.
- Begriffsabgrenzung zwischen Sprach- und Fremdwortpurismus
- Die Rolle der Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert
- Gottfried Wilhelm Leibniz als zentrale Persönlichkeit der Sprachkritik
- Die Institutionalisierungsversuche einer deutschen Sprachakademie
- Joachim Heinrich Campe und das Programm der Sprachreinigung
- Die Politisierung des Purismus durch den Nationalismus
Auszug aus dem Buch
4.2 Gottfried Wilhelm Leibniz
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) „schlug [in Anlehnung an die Sprachgesellschaften – H.B.] weitergehende Therapien vor, die das Deutsche in den Rang einer ausdrucksfähigen und differenzierten Verkehrssprache heben sollten“57. Dabei schrieb er selbst „fast nur französisch oder lateinisch“58 und war „kein Purist, kein prinzipieller Gegner von Fremdwörtern überhaupt“59. Er betrachtete es sogar als „unmöglich“60, die deutsche Sprache zu reinigen61. Dies wird in Paragraph 19 seiner Unvorgreiflichen Gedanken ersichtlich, wenn er schreibt, dass die Sprachgesellschaften „alles Krumme schlecht zu machen gemeinet, welches wie bey ausgewachsenen Gliedern ohnmöglich“62. Dazu schreibt er des Weiteren, dass er nicht der Ansicht ist, „daß man in der Sprach zum Puritaner werde, und mit einer abergläubischen Furcht ein fremdes aber bequemes Wort als eine Tod-Sünde vermeide“63. Solchen übertriebenen Reinigungswahn bezeichnet er als „Perfectie-Krankheit“64 und assoziiert diesen mit „Scheinreinigkeit“65. Wie jedoch das Deutsche emporzubringen und zu verbessern sei, schildert Leibniz in zwei Schriften, in welchen er sich für das Deutsche einsetzt und welche den programmatischen Anfangspunkt der Sprachkritiksgeschichte bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Sprachpurismus ein und differenziert die Epochen anhand der Fachliteratur.
2. Sprach- vs. Fremdwortpurismus – Eine Begriffsabgrenzung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und grenzt den Sprachpurismus vom Fremdwortpurismus historisch und inhaltlich ab.
3. Situation im deutschen Sprachgebiet im 17. und 18. Jahrhundert: Es werden die kulturellen und historischen Rahmenbedingungen (Dreißigjähriger Krieg, Einfluss des Französischen) beleuchtet, die puristische Bestrebungen begünstigten.
4. Puristische Bestrebungen des 17. und 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel untersucht beispielhafte Akteure und Institutionen, die zur Normierung und Aufwertung der deutschen Sprache beitrugen.
4.1 Die Sprachgesellschaften: Die Arbeit analysiert die Ziele der Sprachgesellschaften, die über die reine Fremdworttilgung hinausgingen und auf eine Etablierung der Nationalsprache abzielten.
4.2 Gottfried Wilhelm Leibniz: Es wird die differenzierte Sprachkritik von Leibniz dargestellt, die Bildung und gemäßigte Reflexion in den Mittelpunkt stellte.
4.3 Der Gedanke von einer deutschen Sprachakademie: Dieses Kapitel widmet sich den Institutionalisierungsversuchen und deren Scheitern im Hinblick auf einheitliche Sprachnormen.
4.4 Joachim Heinrich Campe: Die Rolle Campes als Vertreter einer aufklärerisch-pädagogischen Sprachkritik und sein Einfluss auf die Sprachbereicherung werden erläutert.
5. Der Übergang zum Fremdwortpurismus: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung vom Kulturpatriotismus zum politischen Nationalismus, der den Fremdwortpurismus prägte.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und resümiert die Entwicklung vom Sprachpurismus zum Fremdwortpurismus.
Schlüsselwörter
Sprachpurismus, Fremdwortpurismus, Sprachgeschichte, Sprachkritik, Sprachgesellschaften, Gottfried Wilhelm Leibniz, Joachim Heinrich Campe, Nationalsprache, Kulturpatriotismus, Sprachpflege, Fremdwortjagd, Sprachreinigung, 17. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, Sprachnationalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die begriffliche Abgrenzung puristischer Bestrebungen im Deutschen während des 17. und 18. Jahrhunderts und deren Transformation hin zum Fremdwortpurismus des 19. und 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Sprachkritik, die Rolle von Sprachgesellschaften und Akteuren wie Leibniz und Campe, sowie die Politisierung der Sprache durch nationalistische Ideologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, warum das 17. und 18. Jahrhundert unter den Begriff des Sprachpurismus fällt und wie sich die Bewegung über die Zeit hin zum Fremdwortpurismus verengt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei aktuelle sprachhistorische Standardwerke von Forschern wie Kirkness, Polenz und Schiewe herangezogen wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen, die institutionelle Arbeit der Sprachgesellschaften, das Wirken von Leibniz, die Bemühungen um eine Sprachakademie und das pädagogisch geprägte Programm von Campe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachpurismus, Fremdwortpurismus, Sprachnationalismus und Kulturpatriotismus charakterisiert.
Inwiefern unterschied sich der Purismus des 17. Jahrhunderts vom späteren Fremdwortpurismus?
Der frühe Sprachpurismus war durch einen moralisch und pädagogisch motivierten Kulturpatriotismus geprägt, während der spätere Fremdwortpurismus nationalistisch politisiert war und die pauschale Ablehnung des Fremden in den Fokus rückte.
Welche Rolle spielte Gottfried Wilhelm Leibniz für die Sprachkritik?
Leibniz lehnte einen radikalen Reinigungswahn ab und plädierte stattdessen für eine gemäßigte Reflexion, Bildung und die Etablierung des Deutschen als moderne Wissenschafts- und Gesellschaftssprache.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich des Campeschen Wörterbuchs?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Campe die deutsche Sprache zwar kaum reinigte, sie aber durch seine Verdeutschungsvorschläge und die systematische Erarbeitung maßgeblich bereicherte.
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- M.Ed. Henriette Bartusch (Author), 2014, Sprachpurismus im 17. und 18. Jahrhundert. Vom Sprach- zum Fremdwortpurismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/315251