Anhand eines kurzen linguistischen Einblicks in Joseph Goebbels Sportpalastrede von 1943, mit Beleuchtung der Verwendung von Metaphern, soll in dieser Arbeit die „Redekunst“ des Propagandaministers in den Fokus gehoben werden. Für die Nachwelt wird Joseph Goebbels meist für den Demagogen par excellence gehalten, der sich verschiedenster rhetorischer Mittel bediente.
Dabei gehen einige Meinungen sogar so weit zu behaupten, dass die großen Teile des deutschen Volkes vor und während der Zeit des Nationalsozialismus - teilweise sogar gegen ihren Willen - aufgehetzt wurden. Dies würde jedoch implizieren, dass zum einen eine Aufhetzung dieses Ausmaßes überhaupt realisierbar wäre, zum Anderen, die Schuld dieser „Massensuggestion“ folglich nur einer kleinen Minderheit anzulasten sei. Resultierend daraus ergibt sich die These von der Schuldlosigkeit derjenigen, welchen diesen „Verführungskünsten“ schutzlos ausgeliefert waren. (vgl. Kegel 2006: 2).
Vertreter dieser Auffassung sind der Meinung, dass die Wirkung einer Rede entscheidend von den Fähigkeiten des Redners abhängt und die Kunst der Wortwahl primär die Reaktionen der Zuhörer beeinflussen kann. (Kegel 2006: 2). Eben diese „Fähigkeiten“ im Hinblick auf die Metaphorik sollen im Folgenden genauer untersucht werden, indem zunächst die Metaphern aus den unterschiedlichen Spenderbereichen beleuchtet werden, denen ein kurzes Fazit folgt, welches die Ergebnisse strukturieren und zusammenfassen soll.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Nationalsozialismus
1.1. Die nationalsozialistische Ideologie
1.2. Die Bestandteile der nationalsozialistischen Ideologie
1.3. Propaganda und Massenlenkung
2. Historischer Hintergrund der Sportpalastrede von 1943
2.1. Die militärische Wende
3. Inhaltliche Zusammenfassung der Sportpalastrede
4. Zur Verwendung von Metaphern
4.1. Kognitive Metapherntheorie
4.1.1. Analyse von Beispielmetaphern
4.1.2. Metapher aus dem Spenderbereich Natur
4.1.3. Metapher aus dem Spenderbereich Krankheit/Medizin
4.1.4. Metapher aus dem Spenderbereich Militär/Kampf
4.1.5. Metapher aus dem Spenderbereich Sport
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorischen Mittel, insbesondere die Metaphorik, in Joseph Goebbels’ Sportpalastrede von 1943. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goebbels durch den gezielten Einsatz von Metaphern aus verschiedenen Spenderbereichen komplexe Sachverhalte simplifizierte, Ängste instrumentalisierte und die Massen für den „totalen Krieg“ mobilisierte.
- Analyse der nationalsozialistischen Ideologie und Propaganda
- Historischer Kontext der Sportpalastrede und die militärische Wende
- Anwendung der kognitiven Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson auf die Redeinhalte
- Untersuchung spezifischer Spenderbereiche (Natur, Krankheit, Militär, Sport)
- Reflexion über die Wirkung und Legitimierung durch Metaphorik
Auszug aus dem Buch
4.1.3. Metapher aus dem Spenderbereich Krankheit/Medizin
-Das Judentum und der von diesen initiierte Bolschewismus sind Krankheiten, die durch Keime oder Parasiten übertragen werden-
Goebbels setzt die Juden unter anderem explizit mit der Pest gleich: „Wir lassen uns nicht durch das Geschrei des internationalen Judentums in aller Welt in der mutigen und aufrechten Fortführung des gigantischen Kampfes gegen diese Weltpest beirren.“ (Heiber 1972: 183).
Goebbels greift hier auf eine fünfhundert Jahre alte Anschuldigung zurück: Mitte des 14. Jahrhunderts erreichte die Pest Mitteleuropa und um 1450 einen ersten Höhepunkt. Ausgehend von Südfrankreich breitete sich die Behauptung aus, Juden hätten die Brunnen vergiftet, um die Christen zu ermorden. Demzufolge wurden sie gefoltert, vor allem aber verbrannt (vgl. Kegel 2006: 347–348).
Mit dem Determinativkompositum „Weltpest“ weitet Goebbels die Gefahr der „Pest“, die vom Juden ausgehe, auf die ganze Welt aus und lässt sie bedrohlicher wirken. Wichtig ist an dieser Stelle noch im Zusammenhang mit dem Referenten Juden, dass man früher der Auffassung war, die Pest würde durch böse Leute, die mit dem Teufel im Bunde stehen übertragen (vgl. ebd.: 348}. Diese Krankheits-Metapher ist wertend, da sie an Erfahrungen der Kommunikationsteilnehmer anknüpft und aus diesem Grund leicht zu verstehen und sehr wirkungsvoll ist. Das tertium comparationis ist hier: Ansteckung mittels eines Erregers, dem eine Krankheit folgt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit stellt die rhetorische Strategie von Joseph Goebbels vor und formuliert die These, dass seine Wortwahl entscheidend zur Wirkung seiner Reden und zur Mobilisierung der Massen beitrug.
1. Der Nationalsozialismus: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Grundlagen des NS-Staates, insbesondere dessen dualistisches Weltbild sowie die Steuerung durch Massenmedien und Propaganda.
2. Historischer Hintergrund der Sportpalastrede von 1943: Es wird der Kontext der militärischen Wende erläutert, die Goebbels dazu veranlasste, mit der Sportpalastrede die Mobilisierung zum „totalen Krieg“ einzufordern.
3. Inhaltliche Zusammenfassung der Sportpalastrede: Dieses Kapitel gibt die zentralen Argumentationsstränge der Rede wieder, darunter die Deutung des Kriegsverlaufs als existenzielle Bedrohung.
4. Zur Verwendung von Metaphern: Hier erfolgt die linguistische Analyse der Rede auf Basis der kognitiven Metapherntheorie, wobei verschiedene Spenderbereiche wie Natur, Krankheit und Sport untersucht werden.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Goebbels durch Metaphern politische Ängste bündelte und den Krieg als unausweichliche Notwendigkeit legitimierte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Joseph Goebbels, Sportpalastrede, totale Kriegsführung, Metapherntheorie, Kognitive Metapherntheorie, Propaganda, Rhetorik, Ideologie, Krankheit, Naturmetaphern, Antisemitismus, Massenmobilisierung, Sprachanalyse, politischer Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die rhetorischen Strategien von Joseph Goebbels in seiner berühmten Sportpalastrede von 1943, mit besonderem Fokus auf die Verwendung von Metaphern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die nationalsozialistische Ideologie, die Rolle der Propaganda zur Massenlenkung und die linguistische Wirkungsweise von Sprachbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzudecken, wie Goebbels durch metaphorische Sprache komplexe politische und militärische Sachverhalte emotionalisierte und die Bevölkerung zur Akzeptanz des „totalen Krieges“ bewegte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die kognitive Metapherntheorie, primär basierend auf den Arbeiten von Lakoff und Johnson, um die Übertragung von Ausgangsschemata auf Zielschemata in Goebbels' Rhetorik zu analysieren.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Sportpalastrede und eine detaillierte Analyse der Metaphern aus den Bereichen Natur, Krankheit, Militär und Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Nationalsozialismus, Propaganda, Metapherntheorie, totale Kriegsführung und rhetorische Manipulation.
Warum verwendet Goebbels vermehrt Krankheitsmetaphern?
Diese Metaphern dienen dazu, den Feind als bedrohliche, unkontrollierbare Kraft darzustellen, gegen die Maßnahmen wie ein chirurgischer Eingriff notwendig erscheinen, wodurch die Ausrottung ideologisch legitimiert wird.
Welche Funktion haben die Sportmetaphern in der Rede?
Sie dienen der Verharmlosung des Krieges als sportlichen Wettkampf, um die Hemmschwelle für die Unterstützung des totalen Krieges zu senken, obwohl dies in einem logischen Widerspruch zur Ernsthaftigkeit eines Krieges steht.
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- Lisa Steinhoff (Author), 2015, Die „Sportpalastrede“ von 1943. Linguistische Analyse der von Goebbels verwendeten Metaphorik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/314604