Diese Arbeit geht der Frage nach, wie in mittelständischen Unternehmen die Rolle der Controller ausgestaltet ist. Mittelständische Unternehmen bilden eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft. In Abhängigkeit von der gewählten Mittelstandsdefinition und dem Erhebungsjahr geht die Literatur davon aus, dass circa 99 % der deutschen Unternehmen mittelständisch sind.
Obgleich es sehr erfolgreiche mittelständische Unternehmen mit einem nur gering ausgeprägten Controlling gibt, ergab eine Untersuchung der Euler Hermes Kreditversicherung, dass 79 % der Insolvenzverwalter fehlendes Controlling als häufigste Insolvenzursache ansehen. Trotz der Bedeutung des Controllings ist die Rolle der Controller in solchen Unternehmen wenig untersucht. Studien zu Controller-Rollen sind zwar vorhanden, aber sie differenzieren noch nicht nach Unternehmensgrößen. Erkenntnisse für Großunternehmen können allerdings nicht problemlos auf den Mittelstand übertragen werden. Viel mehr liegt es nahe, dass der Mittelstand eigene Charakteristika aufweist, welche sich auch auf die Ausgestaltung der Controller-Rollen auswirken.
Der Aufbau der Arbeit soll im Folgenden kurz erläutert werden. In Kapitel 2. sollen zunächst die theoretischen Grundlagen gelegt werden. Hierfür wird in Kapitel 2.1. der Mittelstandsbegriff definiert. Ferner soll auf die Besonderheiten mittelständischer Unternehmen eingegangen werden, um deutlich zu machen, warum Ergebnisse für nicht-mittelständische Unternehmen nicht ohne Weiteres übertragbar sind. Schließlich soll in Kapitel 2.2. erläutert werden, was unter Controller- Rollen zu verstehen ist. Hierfür werden die Controller-Rollen nach Weber (2008) bzw. Weber/Schäffer (2014) die konzeptionelle Grundlage bilden. In Kapitel 3.1. soll im Anschluss ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand gegeben werden, welcher in 3.2. den Controller-Rollen zugeordnet werden soll. In Kapitel 4 soll eine kritische Würdigung erfolgen. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, wie gut die Controller-Rollen nach Weber geeignet sind, um die Rollenbilder in mittelständischen Unternehmen abzubilden. Auch sollen Unterschiede zu der Rollenverteilung in nichtmittelständischen Unternehmen aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMSTELLUNG
2. BEGRIFFSBESTIMMUNG
2.1. MITTELSTAND (DEFINITION UND BESONDERE CHARAKTERISTIKA)
2.2. CONTROLLER-ROLLEN NACH WEBER (2008) & WEBER/SCHÄFER (2014)
3. STATE OF THE ART
3.1. FORSCHUNGSÜBERBLICK ÜBER AUFGABEN VON CONTROLLERN IM MITTELSTAND
3.2. ZUORDNUNG DER FORSCHUNGSERGEBNISSE ZU DEN CONTROLLER ROLLEN
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die spezifische Rollenausgestaltung von Controllern in mittelständischen Unternehmen. Ziel ist es, auf Basis existierender Controlling-Forschung und der Rollentheorie nach Weber bzw. Weber/Schäffer zu analysieren, welche Rollenbilder in KMU vorherrschen und warum diese sich von den Rollen in Großunternehmen unterscheiden.
- Charakterisierung des Mittelstands und Abgrenzung zu Großunternehmen
- Theoretische Fundierung von Controller-Rollen
- Empirische Bestandsaufnahme der Controlling-Praxis im Mittelstand
- Kritische Analyse der Rollenverteilung und Funktionshäufungen in KMU
Auszug aus dem Buch
2.2. Controller-Rollen nach Weber (2008) & Weber/Schäfer (2014)
Schon für die Begriffe Controlling beziehungsweise Controller herrschen in der Literatur keine einheitlichen Definitionen. Aus diesem Grunde sind auch die Rollen des Controllers nicht eindeutig festgelegt, da der „Bezugspunkt der Rollenbilder (...) das Aufgabenspektrum der Controller ist“ und dieses in der Praxis sehr breit gefächert ist. In der Literatur finden sich daher Sets von häufig vertretenen Rollenbildern. In dieser Arbeit sollen die Rollen nach Weber (2008) bzw. nach Weber/Schäfer (2014) den konzeptionellen Rahmen bilden. Alternative Rollenbilder finden sich unter anderem bei Zünd oder Sathe.
Der Erbsenzähler weist Gemeinsamkeiten mit Buchhaltern auf. Seine primäre Funktion ist die des Zahlenlieferanten. Seine Tätigkeiten umfassen die Informationsversorgung des Managements, insbesondere die monetäre Bewertungen in der Planung, die Budgetierung und die Berichterstattung über Abweichungen. Der Bremser übernimmt eine „Korrektur- bzw. Filterrolle gegenüber dem Management“ im Planungsprozess.
Die Rolle des Kontrolleurs/Wadenbeißers ist eng an die Kontrollaufgabe des Controllers geknüpft. Der Spürhund/Detektiv versucht einerseits ein Fehlverhalten des Managements aufzudecken und andererseits nach Abweichungsgründen oder Rationalisierungspotentialen zu suchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEMSTELLUNG: Einführung in die Bedeutung des Controllings für den Mittelstand und Erläuterung der Forschungsfrage sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2. BEGRIFFSBESTIMMUNG: Definition des Mittelstandsbegriffs sowie theoretische Einordnung der Controller-Rollen nach Weber und Weber/Schäfer.
3. STATE OF THE ART: Detaillierter Überblick über die Forschungsliteratur zur Anwendung von Controlling-Instrumenten und Rollenbildern im Mittelstand.
3.1. FORSCHUNGSÜBERBLICK ÜBER AUFGABEN VON CONTROLLERN IM MITTELSTAND: Zusammenstellung und Analyse empirischer Studien zur Einsatzintensität verschiedener Controlling-Instrumente in KMU.
3.2. ZUORDNUNG DER FORSCHUNGSERGEBNISSE ZU DEN CONTROLLER ROLLEN: Synthese der Forschungsergebnisse und Ableitung der im Mittelstand vorherrschenden Controller-Rollen.
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse sowie Ausblick auf den Forschungsbedarf zur Differenzierung innerhalb mittelständischer Subgruppen.
Schlüsselwörter
Controlling, Mittelstand, KMU, Controller-Rollen, Erbsenzähler, Bremser, Unternehmensführung, Controlling-Instrumente, Rollenbilder, Finanzcontrolling, Kostencontrolling, Funktionshäufung, Strategische Planung, Empirische Untersuchung, KMU-Controlling
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Rolle von Controllern in mittelständischen Unternehmen gestaltet und welche Rollenbilder im Vergleich zu Großunternehmen primär besetzt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Definition des Mittelstandes, die theoretische Fundierung von Controller-Rollen nach Weber sowie die Auswertung empirischer Studien zur Controlling-Praxis in KMU.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischen Rollenbildern und der gelebten Controlling-Praxis in mittelständischen Unternehmen zu identifizieren und zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Sekundäranalyse bereits existierender empirischer Studien, um die Rollenverteilung von Controllern im Mittelstand zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, einen Forschungsüberblick über Controlling-Aufgaben sowie die abschließende Zuordnung dieser Ergebnisse zu spezifischen Controller-Rollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Controlling, Mittelstand (KMU), Controller-Rollen, Erbsenzähler, Bremser sowie empirische Forschung.
Warum lassen sich Erkenntnisse aus Großunternehmen nicht einfach übertragen?
Aufgrund von Besonderheiten wie Funktionshäufungen, geringerer Spezialisierung und knapperer Ressourcen in KMU ist die Übertragbarkeit von Großunternehmensstudien auf den Mittelstand problematisch.
Welche Rolle nehmen Controller im Mittelstand meistens ein?
Die Analyse legt nahe, dass Controller im Mittelstand tendenziell eher die Rolle des "Erbsenzählers" (Zahlenlieferant) oder des "Bremsers" einnehmen, anstatt als interner Berater zu fungieren.
- Quote paper
- Christine Weigel (Author), 2015, Bremser oder ökonomisches Gewissen? Die Rolle von Controllern im Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/313655