In einer Zeit moderner Medien werden die Varietäten des Deutschen besonders deutlich. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter ermöglichen es jedem Nutzer, Gedanken, Erlebnisse oder andere spontane Ideen zu veröffentlichen oder die von anderen Nutzern zu kommentieren. In der vorliegenden Arbeit sollen am Beispiel des sozialen Netzwerks ‚Twitter’ sowie an Instant Messaging Services wie ‚SMS’ oder ‚WhatsApp’ mediale Varietäten des Deutschen untersucht werden, um herauszuarbeiten, inwieweit sprachliche Variationen in diesen Medienplattformen einen Beitrag zu einem ökonomischen Sprachwandel leisten.
Einleitend wird daher zunächst sprachhistorisch vorgegangen und aufgezeigt, wie sich sprachlicher Wandel vollzieht und welche grundlegenden Muster er umfasst. Anschließend wird vertiefend auf den Aspekt der Sprachökonomie eingegangen. Hierbei wird versucht, Motive und Grundtendenzen darzustellen, die unsere Sprache früher wie heute durch sprachsystematische Faktoren einfacher machen. In diesem Zusammenhang wird ebenso auf Varietäten des Deutschen eingegangen, von denen die medialen Formen im anschließenden Teil im Zentrum stehen. Am Beispiel von ‚Instant Messaging‘ und ‚Twitter‘ sollen sprachliche Phänomene veranschaulicht und analysiert werden, um abschließend auf den Begriff des Sprachwandels zurückzukehren. Wie äußert sich Sprachökonomie im medialen Kontext und warum sind die Veränderungen im Sprachgebrauch funktionale Formen sprachlichen Wandels? Im nachfolgenden Teil wird nun vertiefend auf den Aspekt des Sprachwandels eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachwandel im historischen Kontext
2.1 Faktoren des Sprachwandels
2.2 Standardvarietäten
3. Sprachökonomie
4. Mediale Varietäten des Deutschen
4.1 Instant Messaging
4.2 Twitter
5. Analyse medialer Textformen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den ökonomischen Sprachwandel im Deutschen, insbesondere unter dem Einfluss digitaler Kommunikationsmedien wie Instant Messaging Services und sozialen Netzwerken wie Twitter, um sprachliche Reduktionsphänomene und Varietäten zu analysieren.
- Historische Grundlagen des Sprachwandels
- Mechanismen und Motive der Sprachökonomie
- Analyse der Sprachverwendung in Instant Messaging Diensten
- Untersuchung sprachlicher Muster in Tweets
- Diskussion über den Zusammenhang von technologischem Fortschritt und Sprachwandel
Auszug aus dem Buch
4.1 Instant Messaging
Bei Kurznachrichten, die über SMS oder bspw. ‚WhatsApp‘ verschickt werden, sind syntaktische und lexikalische Reduktionen besonders auffällig. So entstehen deutlich kürzere, meist parataktische Satzkonstruktionen. Die Länge einer Kurznachricht mit nur „durchschnittlich 11,06 Wörtern“ begründet daher „neben medial bedingter Ökonomisierung sicherlich auch weitere Faktoren, u.a. Zeitdruck und umständliches Eintippen der Nachricht“. Trotz der heute durch Smartphones bedingten einfacheren Eingabemöglichkeiten sind normabweichende schriftliche Charakteristiken nach wie vor präsent und zeichnen sich u.a. durch konsequente Groß- oder Kleinschreibung, Auslassung von Satzzeichen, Ellipsen oder Abkürzungen aus. Diese Verkürzungen von Sätzen (z.B. Buchstaben-Akronyme wie ‚HDL’ für ‚Hab dich lieb‘) dienen aber nicht ausschließlich der sprachlichen Ökonomie, sondern „unterstreich[en] entweder die Wichtigkeit einer Aussage, Aufforderung etc. oder markier[en] emotionale Zustände.“
In dialogisierten Szenarien wird also die digitale Schriftsprache oft auch durch individuelle Affekte beeinflusst. Innovative Formen der Schreibung sollen jedoch an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden, da der Aspekt der sprachlichen Variation im Mittelpunkt stehen soll.
Durch die oben beispielhaft genannten Charakteristiken kommt es zu einer sprachlichen Verdichtung: „Vereinfachte syntaktische Strukturen, bei denen Funktionswörter und Flexionsformen fehlen, oder gleich mehrere Satzglieder weggelassen werden“, rücken die Kerninformation der Nachricht ins Zentrum. In lexikalischen Reduktionen wie ‚vllt‘ (vielleicht) oder ‚wahrsl‘/‚whsl‘ (wahrscheinlich) spiegelt sich Sprachökonomie noch deutlicher wider; willkürlich gewählte Zeichen werden weggelassen und dennoch werden die verkürzten Wörter sowie der inhaltliche Gesamtzusammenhang vom Leser verstanden, „da man von einem gemeinsamen Wissens-Kontext ausgeht, auf dessen Grundlage die Nachricht ‚entschlüsselt‘ wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Sprachwandels ein, definiert Sprache als dynamisches System und grenzt die Arbeit von der Kritik am vermeintlichen "Sprachverfall" ab.
2. Sprachwandel im historischen Kontext: Dieses Kapitel erläutert Faktoren des Sprachwandels wie Innovation, Ökonomie und Variation und definiert den Begriff der Varietät im Kontext der Standardsprache.
3. Sprachökonomie: Das Kapitel beschreibt Sprachökonomie als Bestreben, mit geringem Aufwand (z. B. durch Elision oder Ellipsen) den größtmöglichen Effekt in der Kommunikation zu erzielen.
4. Mediale Varietäten des Deutschen: Hier werden digitale Kommunikationskanäle wie Instant Messaging und Twitter hinsichtlich ihrer sprachökonomischen Merkmale, wie syntaktische Reduktionen und konzeptionelle Mündlichkeit, untersucht.
5. Analyse medialer Textformen: Anhand konkreter Beispiele von WhatsApp-Nachrichten und Tweets werden die theoretischen Erkenntnisse zur Sprachökonomie und Ellipsenbildung praktisch veranschaulicht.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass mediale Kommunikation durch Sprachökonomie geprägt ist und der Wandel der Sprache ein kontinuierlicher, durch technologische Fortschritte beeinflusster Prozess bleibt.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Sprachökonomie, digitale Kommunikation, Instant Messaging, Twitter, Varietäten, Sprachgeschichte, Medialität, Ellipse, Reduktion, Konzeptionelle Mündlichkeit, Sprachgebrauch, Syntax, Kommunikation, Innovation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von modernen Kommunikationsmedien auf den Sprachwandel des Deutschen, wobei ein besonderer Fokus auf ökonomischen Prozessen im Sprachgebrauch liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der historische Sprachwandel, die Prinzipien der Sprachökonomie, die Definition medialer Varietäten und deren Anwendung in digitalen Textformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den ökonomischen Sprachwandel des Deutschen zu untersuchen und aufzuzeigen, wie digitale Medienplattformen als Mediatoren für ökonomische Sprachveränderungen fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine linguistische Analyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen des Sprachwandels (synchrone und diachrone Perspektive) mit der empirischen Betrachtung konkreter medialer Textbeispiele kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Sprachwandels und der Sprachökonomie sowie die anschließende Analyse von Instant Messaging und Twitter-Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachökonomie, Sprachwandel, Medialität, digitale Kommunikation, Ellipse und Varietäten.
Welche Rolle spielt die "konzeptionelle Mündlichkeit" in der digitalen Kommunikation?
Der Begriff beschreibt, dass digitale Schriftsprache zwar geschrieben wird, aber stark an Merkmalen der mündlichen Kommunikation (informell, spontan, zeitnah) orientiert ist.
Warum nutzen Nutzer in sozialen Netzwerken vermehrt Abkürzungen und Ellipsen?
Dies dient vor allem der Sprachökonomie, um unter Zeitdruck oder bei technischen Begrenzungen (wie Zeichenlimits) Informationen effizient zu übermitteln, während der Wissenskontext zwischen den Kommunikationspartnern das Verständnis sichert.
- Quote paper
- Kevin Salzmann (Author), 2015, Mediale Varietäten des Deutschen als Ausdruck ökonomischen Sprachwandels am Beispiel sozialer Netzwerke und Instant Messaging Services, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/311416