Das literarische Motiv, um das es im Folgenden geht, begeistert auf den Salzburger Festspielen jährlich noch immer die Zuschauer. Dabei beruht Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ auf einem Stück, viel älter als die Spiele selbst, dessen Ursprünge bis in die burgundische Epoche zurückreichen.
Seitdem hat es zwar zahlreiche Neubearbeitungen erfahren, dennoch konzentriert sich das Geschehen damals wie heute auf eine Situation von religiöser Relevanz: Im Angesicht des Todes wird der Mensch vor eine Entscheidung gestellt, die lediglich zwei Möglichkeiten bereithält: „Verweigerung und ewige Verdammnis oder Buße und ewige Seligkeit?“.
Fakt ist, dass sich die verschiedenen Bearbeitungen des Jedermann-Stoffes hinsichtlich bestimmter Aspekte unterscheiden; schließlich lassen sich darin die jeweiligen konfessionellen Positionen ihrer Verfasser erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Elckerlijc
2.1. Grundlegendes und Kontext
2.2. Struktur und Figuren
2.3. Sakramentsfrömmigkeit im Elckerlijc
3. Hecastus des Hans Sachs
3.1. Grundlegendes und Kontext
3.2. Struktur und Figuren
3.3. sola fide – Position im Hecastus
4. Fazit
4.1. Vergleich hinsichtlich konfessioneller Aspekte
4.2. Schlusswort
5. Literatur
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht das spätmittelalterliche niederländische Stück "Elckerlijc" mit Hans Sachs' Bearbeitung "Hecastus" hinsichtlich ihrer konfessionellen Aspekte. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die beiden Werke die Voraussetzungen zur Erlangung des ewigen Heils darstellen und inwieweit sich darin die theologischen Differenzen zwischen der vorreformatorischen Tradition und der protestantischen Lehre widerspiegeln.
- Vergleich der Heilsgewinnungskonzepte (gute Werke vs. Glaube)
- Analyse der Rolle der Sakramente und des Priesteramtes
- Untersuchung der Struktur und Personifikationen in beiden Stücken
- Einordnung der Texte in ihre jeweiligen zeitlichen und geistigen Kontexte
- Beurteilung der konfessionellen Positionierung der Autoren
Auszug aus dem Buch
2.1. Grundlegendes und Kontext
Der erste Jedermann stammt aus dem spätmittelalterlichen Brabant. Elckerlijc ist ein „mit nüchternem Ernst und pointiertem Witz gestaltetes Spiel“ vom Sterben eines Menschen. Die Hauptfigur begegnet plötzlich dem Tod, welcher sie als Bote des Allmächtigen, auffordert, ihr diesseitsverfallenes Leben vor Gott zu verantworten. Sie erkennt, dass ihr Leben über das Schicksal ihrer Seele im Jenseits entscheiden wird. Dennoch wird sie am Ende in den Himmel aufgenommen.
Das kürzeste Bühnenstück der spätmittelalterlichen Niederlande entsprang der Feder eines Rederijkers. Das Wort „Rederijker“ stammt vom griechischen rhetorikos und bedeutet so viel, wie „Jemand, der die Rhetorik betreibt“. Es handelt sich hierbei um einen Zusammenschluss von Dichtern bzw. Freunden der Beredsamkeit, die nach dem Vorbild nordfranzösischer Puys (lat. Podium) ihre Kunst aus Werken der Frömmigkeit mit Dichtung und Theater vernetzten. Regelmäßig fanden unter den Zünften Wettkämpfe statt, bei denen es um Preisfragen ging, die den Glauben bzw. das Wissen um christliches Leben und Sterben betrafen (z.B. „Was ist der größte Trost in der Stunde des Todes?“). Jene Inhalte unterstreichen die Frömmigkeit der Rederijker und verdeutlichen, dass sie „ihre Kunst nicht nur als öffentliche Spielerei, sondern als repräsentative Plattform weltanschaulicher Fragestellungen“ verstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Motiv des „Jedermann“ ein und skizziert die Fragestellung, wie verschiedene Bearbeitungen unterschiedliche konfessionelle Glaubenshaltungen zur Heilsgewinnung vermitteln.
2. Elckerlijc: In diesem Kapitel werden der spätmittelalterliche Kontext, die Struktur sowie die zentrale Bedeutung der Sakramentsfrömmigkeit im „Elckerlijc“ als Ausdruck einer vorreformatorischen Heilslehre analysiert.
3. Hecastus des Hans Sachs: Dieses Kapitel beleuchtet den „Hecastus“ von Hans Sachs, dessen Reformationsthematik und die darin vertretene Position, dass Glaube allein für die Erlösung ausschlaggebend sei.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und zeigt auf, wie der Wandel von der Werkgerechtigkeit hin zur Rechtfertigung aus dem Glauben die beiden Werke prägt.
5. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet alle in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.
Schlüsselwörter
Elckerlijc, Hecastus, Hans Sachs, Jedermann-Motiv, Sakramentsfrömmigkeit, Reformation, Heilsgewinnung, Glaube, gute Werke, Moralität, Buße, Rechtfertigungslehre, Luthertum, Priesteramt, Personifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das literarische Motiv des „Jedermann“ in zwei unterschiedlichen Epochen – dem spätmittelalterlichen „Elckerlijc“ und dem protestantischen „Hecastus“ von Hans Sachs – dazu genutzt wurde, konfessionelle Vorstellungen über den Weg zum ewigen Heil darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Bedeutung der sieben Sakramente, die Rolle guter Werke, die Funktion von Bußübungen sowie das Verständnis von Rechtfertigung und Glauben im Kontext der Reformation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Heilsgewinnung herauszuarbeiten und zu zeigen, wie sich der geistige Wandel von einer katholischen Sakramentsfrömmigkeit hin zu einer lutherisch geprägten Glaubenslehre in den Stücken niederschlägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der die beiden Dramen vor dem Hintergrund ihres jeweiligen historisch-theologischen Kontextes untersucht und in Bezug auf ihre spezifische konfessionelle Aussagekraft verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Struktur, die Figurenkonzeptionen (Personifikationen) und die theologischen Aussagen beider Stücke, wobei besonderer Wert auf die Untersuchung der jeweiligen Heilsverständnisse (Sakramente vs. „sola fide“) gelegt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Elckerlijc“, „Hecastus“, „Reformation“, „Heilsgewinnung“, „Rechtfertigungslehre“ und „Sakramentsfrömmigkeit“ bestimmt.
Wie unterscheidet sich die Rolle der „Tugend“ in beiden Stücken?
Während die Tugend im „Elckerlijc“ als zentrale Retterin auftritt, wird sie im „Hecastus“ als dem Glauben untergeordnete Helferin dargestellt, was den Wandel der theologischen Gewichtung verdeutlicht.
Warum spielt das Priesteramt im „Elckerlijc“ eine bedeutendere Rolle?
Im „Elckerlijc“ ist das Priesteramt als notwendige Instanz für die Vermittlung der Sakramente und damit für die Heilsgewinnung essenziell, wohingegen es im „Hecastus“ zugunsten der unmittelbaren Beziehung zwischen Gläubigem und Gott durch den Glauben an Bedeutung verliert.
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- Julia Frey (Author), 2015, Konfessionelle Aspekte im niederländischen "Elckerlijc" und dem "Hecastus" von Hans Sachs. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/309903