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Stigmatisierung durch Namen? Die Veränderung jüdischer Namenssysteme durch das preußische Emanzipationsedikt von 1812

Title: Stigmatisierung durch Namen? Die Veränderung jüdischer Namenssysteme durch das preußische Emanzipationsedikt von 1812

Term Paper , 2013 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Lisa Größer (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization

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Summary Excerpt Details

Der Name ist ein Sinnbild für die Identität eines Individuums. Für Sprachwissenschaftler wie Dietz Bering hat die enorme Bedeutung von Namen etwas mit dem Charakter des „ Eigennamen“ zu tun, der im Gegensatz zum „Gattungsnamen“ nicht Namen einer ganzen Klasse meint. Vielmehr hebt er den Einzelnen aus dieser Klasse heraus. Der „Eigenname“ bezeichnet ein Individuum, das sich von der Menge aller anderen vorhandenen Individuen unterscheidet. Zudem ist der Name ein Symbol für die Selbstidentität.

Der Name aber vermag auch eine Gruppenidentität zu schaffen. Das hängt vor allem mit dem Namensschatz einer Kultur zusammen. Das Gruppenidentitätsgefühl lässt dadurch aber auch Raum für die Ausgeschlossenen entstehen, die unter Umständen der Missachtung, Verachtung und Aggression ausgesetzt sein können. Diese scheinbare gesellschaftliche Grenze, durch den Namen gestiftet, lässt sich auch aktuell beobachten. Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) belegt 2012 , dass Bewerber und Bewerberinnen mit türkisch klingenden Namen bei gleicher Qualifikation zu 14 Prozent weniger Einladungen auf Vorstellungstermine bekommen. Je kleiner das suchende Unternehmen war, desto seltener wurden Angehörige des eben erwähnten Personenkreises überhaupt eingeladen.

Dieses spitzt sich zu, wenn man die Praxis der Namensänderungen betrachtet. Mit der Änderung des vermeintlich für jedermann sichtbaren Familiennamen hoffen viele auf soziale Akzeptanz und Förderung der Berufschancen. Es scheint als ob die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die in Artikel 2 des Grundgesetzes verankert ist, in engem Zusammenhang mit dem Namen eines Individuums steht.

In diesem Kontext werde ich untersuchen, ob die Annahme eines festen Familiennamens in Bezug auf das Emanzipationsedikt von 1812 als Ankerpunkt für die in Preußen lebenden Juden gilt oder ob es eben doch nur eine Illusion auf die Gleichberechtigung war. Zunächst einmal werde ich den historischen Kontext in Bezug auf die Annahme fester Familiennamen am Anfang des 19. Jahrhunderts beschreiben. In diesem systematischen Teil wird die Durchführung der Annahme der Familiennamen, sowie die Zeit der Romantik im Zusammenhang mit der Frage erläutert. Im weiteren Verlauf wird sodann die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beleuchtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

2.1. Die Durchführung der Annahme von Familiennamen

2.2 Die Romantik

3. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – Industrialisierung

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, inwieweit die Verpflichtung zur Annahme fester Familiennamen im Kontext des preußischen Emanzipationsedikts von 1812 tatsächlich als Ankerpunkt für eine gleichberechtigte staatsbürgerliche Existenz der jüdischen Bevölkerung dienen konnte oder ob sie sich als Illusion entpuppte.

  • Historische Analyse der jüdischen Namensentwicklung im 19. Jahrhundert
  • Die Rolle des Emanzipationsedikts von 1812 und die staatliche Reformpolitik
  • Der Einfluss der Romantik und aufkommender Antisemitismus auf die Namensgebung
  • Die Bedeutung von Namen als "Frühwarnsystem" und Markierungsinstrument
  • Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Assimilation und Ausgrenzung

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Durchführung der Annahme von Familiennamen

Den Familienoberhäuptern stünde so nach den Anweisungen des Staatskanzlers Hardenbergs, vom 25.06.1812 die freie Wahl der Familiennamen zu. Er behielt sich lediglich offen, dass „die Regierung aus Gründen, die ihrem Ermessen anheimgestellt bleiben, die Genehmigung zur Führung des gewählten Namens verweigern.“ Die Annahme fester Familiennamen war schon im September desselben Jahres abgeschlossen. Das lässt vermuten, dass es nicht viele Einsprüche gegeben haben kann. Die freie Wahl eines Familiennamens ohne Reglementierung ist ein äußert liberaler Weg. Diese Liberalität lässt zu, dass der jüdischen Bevölkerung die Möglichkeit geboten wird, an ihrer jüdischen Tradition, den Vatersnamen als festen Familiennamen zu wählen, festzuhalten. An „reglementierenden Vorbildern“ wie beispielsweise Bayonne hat es Preußen nicht gefehlt, dennoch suchten die Reformer keine Anlehnung. Diese freie Namenswahl scheint als Argument für die These, der Name sei ein Ankerpunkt für die qualitative staatsbürgerliche Existenz, zu sein. Wenn bedacht wird, dass der Name der stets in der Öffentlichkeit präsent und ganz eng mit der Identität einer Person verflochten ist, für die Juden frei wählbar war.

In der Berliner Gemeinde, die größte und moderniste Gemeinde in Preußen, hatten bereits 456 Familien einen festen Familiennamen. Von den restlichen 1175 Familien wählten lediglich 325, das sind 27,7 %, einen neuen assimilatorischen Namen. Die anderen 70,3 %, das sind 850 Familien, bildeten ihren festen Familiennamen aus ihren Vaternamen (z.B. Mendelssohn). In diesem Zusammenhang kann man vermuten, dass die Juden zu dieser Zeit keine Benachteiligung durch ihren Namen befürchteten. Oder war es weil sie sich nicht ganz als Jude verlieren wollten? Zudem kommt, dass es nicht unbedingt verboten war später seinen Namen erneut zu wechseln. Auffallend ist hierbei nicht nur das Abwählen der alttestamentarischen Namen, sondern auch der entsprechenden Ersatznamen wie „Hirsch“, „Markus“ für „Naphtali“, „Mordechai“. Des Weiteren erinnert eine Anlehnung sowohl lautlich als

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die fundamentale Bedeutung des Namens für die Identität sowie dessen Funktion als gesellschaftliches Markierungsinstrument und stellt die Forschungsfrage nach der Wirkung des Emanzipationsedikts von 1812.

2. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert die preußische Reformpolitik und das Emanzipationsedikt von 1812, welches die jüdische Bevölkerung zur Annahme fester Familiennamen verpflichtete.

2.1. Die Durchführung der Annahme von Familiennamen: Hier wird der Prozess der Namensannahme beschrieben, der durch eine anfängliche Liberalität bei der Namenswahl geprägt war, jedoch bereits Anzeichen der späteren Stigmatisierung zeigte.

2.2 Die Romantik: Der Abschnitt verdeutlicht den Stimmungsumschwung in Preußen, in dem die Romantik und der aufkommende Antisemitismus zu restriktiven Verordnungen gegen die jüdische Namensführung führten.

3. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – Industrialisierung: Die Untersuchung zeigt auf, wie der ökonomische Druck der Industrialisierung und die Verschärfung des Rassismus die gesellschaftliche Ausgrenzung durch Namen weiter vorantrieben.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Hoffnung auf eine durch Namensannahme erreichte vollkommene Gleichstellung eine Illusion blieb, da der Name weiterhin als Instrument zur Ausgrenzung und ethnischen Grenzziehung fungierte.

Schlüsselwörter

Jüdische Familiennamen, Emanzipationsedikt 1812, Preußen, Namensänderung, Assimilation, Antisemitismus, Identität, Stigmatisierung, Namenpolemik, Industrialisierung, Gesellschaftliche Ausgrenzung, Namensrecht, Reformpolitik, Staatsbürgerschaft, Diskriminierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und rechtliche Reglementierung der Namensgebung jüdischer Bürger in Preußen im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss emanzipatorischer Reformen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Emanzipationsedikt von 1812, die Rolle der Romantik bei der Abkehr von liberalen Ansätzen, der aufkommende Antisemitismus während der Industrialisierung und die symbolische Kraft des Namens als Stigma.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu klären, ob die staatlich erzwungene Annahme fester Familiennamen tatsächlich zu einer qualitativen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung führte oder ob sie lediglich ein Instrument zur Überwachung und Ausgrenzung blieb.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung primär- und sekundärhistorischer Quellen, Edikten, ministerialen Reformplänen sowie Fachliteratur (insb. Dietz Bering) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet chronologisch die Phasen von der frühen Emanzipationshoffnung um 1812 über die reaktionäre Politik der Romantik bis hin zur Verschärfung der antijüdischen Namenspolemik während der Industrialisierung ab 1871.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Emanzipationsedikt", "Namenspolemik", "Stigmatisierung", "Assimilation" und "Judenfeindschaft" geprägt.

Wie reagierte die preußische Verwaltung auf die "unversteckbare" Identität jüdischer Bürger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts?

Die Verwaltung und diverse Institutionen (wie Banken) drängten auf eine eindeutige Identifizierbarkeit durch den Namen, was zu restriktiven Verordnungen führte, um das "Verschleiern" jüdischer Identität durch Namenswechsel zu unterbinden.

Warum wird im Buch das Beispiel von "Cohn" oder "Itzig" als besonders markant für die Namenpolemik angeführt?

Diese Namen fungierten als "ideale" Ziele für antisemitische Aggressionen, da sie in der Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft die stärksten negativen Konnotationen trugen und ihre Träger somit einem permanenten sozialen Druck aussetzten.

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Details

Title
Stigmatisierung durch Namen? Die Veränderung jüdischer Namenssysteme durch das preußische Emanzipationsedikt von 1812
College
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Course
Das Emanzipationsedikt von 1812
Grade
2,0
Author
Lisa Größer (Author)
Publication Year
2013
Pages
18
Catalog Number
V308849
ISBN (eBook)
9783668071056
ISBN (Book)
9783668071063
Language
German
Tags
stigmatisierung namen veränderung namenssysteme emanzipationsedikt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Größer (Author), 2013, Stigmatisierung durch Namen? Die Veränderung jüdischer Namenssysteme durch das preußische Emanzipationsedikt von 1812, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/308849
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