In dieser stichpunktartigen Ausarbeitung wird der Kontrast Mittelalter/Moderne anhand der erneuten Blüte der Glasmalerei im 19. Jahrhundert erklärt. Mittelalterliche Glasmalerei gehörte zur künstlerischen Ausstattung in Sakralbauten. Die Aspekte der Moderne wie Ökonomisierung, Verstädterung und Beschleunigung der gesellschaftlichen Strukturen führte zur Veränderung der Wahrnehmung von Religion und christlichen Werten.
Die Romantisierung vergangener Epochen entsprang einer Sehnsucht nach der vermeintlichen guten alten Zeit. Dem vielseitigen britischen Künstler William Morris gelang in seinen Werken die Mittelalter-Rezeption als Spiegelbild der Schattenseiten des Industriezeitalters. Für Morris galt die harmonische Einheit von Kunst und Leben des Mittelalters als vorbildlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Moderne als Fortschritt und Beschleunigung des Lebensalltag
2.1 Aspekte der Moderne
2.2 Das lange 19. Jahrhundert die Zeit zwischen der französischen Revolution von 1789 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914
2.3 Traditionen der Vormoderne – Kontinuität bis in die Moderne
3. Mittelalterliche Ideale und Vorbilder – Die mittelalterliche Stadt
3.1 Die mittelalterliche Stadt in der Epoche der Gotik – Beispiel Kathedralen
3.2 Glasmalerei und sakraler Raum – Beweggründe, Funktion und Motive der Bildfenster
3.3 Typen von Glasfenster
4. Wiederaufleben und Romantisierung des Mediävismus
4.1 Neugotik als Stil und geistiger Impuls von England ausgehend
4.2 Die Zweite Blüte der Glasmalerei im 19. Jahrhundert
4.3 Der Künstler William Morris und seine Bedeutung im 19. Jahrhundert
4.3.1 Gegensätze: Morris´ Mittelalter-Rezeption – Aspekte des Industriezeitalters
4.3.2 Farbige Glasfenster in Kirchen Englands
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Publikation
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rückbesinnung auf das Mittelalter im 19. Jahrhundert als Ausdrucksform der Moderne und analysiert, wie diese Rezeption genutzt wurde, um auf die Herausforderungen des industriellen Zeitalters zu reagieren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Ursachen, Erklärungen und Konsequenzen dieses Phänomens, dargestellt am Beispiel der mittelalterlichen Glasmalerei und dem Wirken von William Morris.
- Die Moderne als Fortschritt und ihre Kehrseite in Form von Entfremdung und Beschleunigung.
- Mittelalterliche Ideale als ästhetisches und ethisches Korrektiv der Industrialisierung.
- Die historische Bedeutung und Funktion der mittelalterlichen Glasmalerei.
- William Morris als Schlüsselfigur zwischen mittelalterlicher Ästhetik und sozialer Kritik.
- Das Wiederaufleben des Mediävismus und die Rolle der Neugotik im 19. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
3.2 Glasmalerei und sakraler Raum – Beweggründe, Funktion und Motive der Bildfenster
Das Licht spielte eine große Rolle. Die Kathedralen bekamen große Fenster. Licht, welches in die Kirche strahlte, bedeutete ein Abbild Gottes. Licht verbindet die himmlische und die irdische Welt. Nach christlichen Glauben ist Licht identisch mit Jesus. Im NT (Neuen Testament) steht im Prolog des Johannes: „aus dem Licht löst sich das Wort, kommt auf die Erde, wird Fleisch.
Tendenz zur Mystik – einer neuen Richtung der Frömmigkeit auf der Suche nach dem Sinn der Welt und der Wahrheit. Diese geistige Bewegung veränderte auch die Formensprache als Ausdruck der Geschichte des gelebten Gottes- und Menschenbild. In der Mystik des Christentums: Polarisieren von Licht und Finsternis – Christus ist der Glanz, die Ausstrahlung, der in die Finsternis der Welt hineinwagt. In der Anschauung des Mittelalters manifestierte sich Gott selbst im Licht, umgekehrt ist das Licht das Mittel, durch welches Gott erkannt wird.
Licht, statt bemalte Wände wie in der Romanik. Licht ist schöpferisches Prinzip. Die Lichtstrahlen ergeben eine mystische Atmosphäre des Raumes. Lux continua = ununterbrochenes Licht. Wie schon erwähnt, gab es Konkurrenz unter den Bischöfen, beispielsweise ließ der Erzbischof von Reims im Kirchenfenster ein Abbild vom eigenen Bildnis anfertigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Gründe für die intensive Rückbesinnung auf das Mittelalter im Zeitalter der Moderne.
2. Die Moderne als Fortschritt und Beschleunigung des Lebensalltag: Dieses Kapitel kontextualisiert die soziopolitische Situation des 19. Jahrhunderts, geprägt durch Industrialisierung und gesellschaftlichen Wandel.
3. Mittelalterliche Ideale und Vorbilder – Die mittelalterliche Stadt: Hier werden die architektonischen und theologischen Grundlagen der mittelalterlichen Stadt und die zentrale Bedeutung der Glasmalerei als religiöses Medium analysiert.
4. Wiederaufleben und Romantisierung des Mediävismus: Das Kapitel widmet sich der kunsthistorischen und gesellschaftlichen Renaissance mittelalterlicher Formen, insbesondere durch die Neugotik und das Wirken von William Morris.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Rezeption des Mittelalters als legitimierender Gegenentwurf zur Moderne und als Träger spiritueller Werte diente.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Moderne, 19. Jahrhundert, Glasmalerei, William Morris, Neugotik, Industrialisierung, Romantik, Kathedrale, sakraler Raum, Mediävismus, Kunsthandwerk, Symbolik, Tradition, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kunsthistorische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Mittelalter im 19. Jahrhundert als Antwort auf die moderne Industriegesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der gesellschaftliche Wandel durch Industrialisierung, die Architektur der Gotik, die Bedeutung von Glasmalerei sowie die künstlerischen Positionen von William Morris.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, warum im Zeitalter der Moderne eine Rückbesinnung auf das Mittelalter stattfand und welche Funktionen diese Projektion für die damalige Zeit erfüllte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kultur- und kunsthistorische Analyse, die primär quellenbasiert auf historischem und kunstgeschichtlichem Kontext aufbaut.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die historische Rolle der Kathedrale und Glasmalerei, beleuchtet die Strömungen der Neugotik und arbeitet das Wirken von William Morris als Sozialkritiker und Künstler heraus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mittelalterrezeption, Moderne, industrielle Revolution, Neugotik und Glasmalerei definiert.
Welche Rolle spielte Licht in der mittelalterlichen Glasmalerei laut der Autorin?
Licht wird als göttliches Prinzip und Verbindungsglied zwischen Himmel und Erde interpretiert, das den sakralen Raum mystisch auflädt und die Unmittelbarkeit Gottes manifestiert.
Wie positionierte sich William Morris gegenüber der industriellen Moderne?
Morris lehnte die Entfremdung der Arbeit durch die Industrie ab und sah in der Kunst und dem Handwerk des Mittelalters ein Modell, um menschliche Werte und eine „harmonische Stadt“ wiederzuerlangen.
Warum wird die Glasmalerei im 19. Jahrhundert als „zweite Blüte“ bezeichnet?
Aufgrund des historistischen Interesses wurden restaurative Ansätze verfolgt und neue Glasfenster im neugotischen Stil geschaffen, die sowohl religiöse Traditionen fortsetzten als auch politisch-kulturelle Identität stiften sollten.
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- Claudia Stosik (Author), 2011, Rückbesinnung auf das Mittelalter im 19. Jahrhundert. Der Künstler William Morris und die Glasmalerei, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/308542