In der Geschichte werden immer wieder herausragende Persönlichkeiten von dem Volk geehrt und gehuldigt. Es wurden für große Herrscher Statuen, Tempel, o.ä. gestaltet und aufgestellt. Auch wurden die Götter häufig in Menschengestalt dargestellt. Diese unscharfe Trennung zwischen Gott und Mensch vor allem in der griechischen Antike führte dazu, dass umgekehrt auch Menschen vergöttert wurden. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Herrscherkult um Demetrios Poliorketes, zeigt Formen von und Gründe für Herrscherkult auf.
Auch heute noch können wir Resultate von Kulten erkennen.
Betrachten wir zum Beispiel unseren Kalender genauer, indem wir die Namen der Monate mit unserem geschichtlichen Wissen abgleichen. Es fällt auf, dass Monate wie August oder Juli eine gewissen Ähnlichkeit mit überragenden Persönlichkeiten unserer Vergangenheit haben. In der Tat ist der Monat Juli eine Ehrung für Gaius Julius Cäsar (100-44 v.Chr.) und der Monat August für dessen Nachfolger Gaius Octavius, der besser als Kaiser Augustus (64 v.Chr.-14 n.Chr.) bekannt ist. Das soeben dargestellte Phänomen wird allerdings als Dynastiekult und nicht als Herrscherkult bezeichnet. Der Unterschied liegt darin, dass der Herrscherkult hauptsächlich von den Städten ausging, wohingegen der Dynastiekult von dem Herrscher selber initiiert wurde. Der Dynastiekult findet seinen Ursprung ab ca. 280 v.Chr. Den Herrscherkult finden wir vorherrschend in der Zeit davor, u.a. bei Alexander dem Großen. Aus diesem Grund bezieht sich diese Arbeit ausschließlich auf die Zeit vor 280 v.Chr., insbesondere auf den Herrscherkult für die Antigoniden Demetrios Poliorketes und seinen Vater Antigonos Monophtalmos.
Die vorliegende Arbeit wird sich im ersten Teil mit dem Herrscherkult allgemein befassen. Die thematischen Schwerpunkte liegen hier insbesondere bei der Entstehung und Entwicklung des Herrscherkultes sowie den konkreten Formen des Kultes. Im zweiten Teil wird anhand des Beispiels Demetrios Poliorketes (und z.T. Antigognos) und Athen konkreter auf den Herrscherkult eingegangen. Hier wird anfangs der Grund für seine Ehrungen und den Kult um ihn erläutert und anschließend die Ehrungen und den Kult im Konkreten beleuchtet. Abschließend werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung des Herrscherkultes
3. Formen des Herrscherkultes
4. Beispiel: Demetrios Poliorketes
4.1 Grund für den Herrscherkult
4.2 Konkreter Herrscherkult
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Phänomen des antiken Herrscherkultes, bei dem lebende Individuen göttliche Ehren erhielten. Das primäre Ziel ist es, die Entstehungsbedingungen und Ausprägungen dieses Kults zu analysieren und anhand des konkreten Falls von Demetrios Poliorketes in Athen die Motive und die Art der durchgeführten Verehrungsriten aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung des Herrscherkultes in der griechischen Antike
- Abgrenzung zwischen Dynastiekult und städtischem Herrscherkult
- Analyse der machtpolitischen Hintergründe für die Vergöttlichung von Herrschern
- Detaillierte Fallstudie: Die Ehrungen für Demetrios Poliorketes in Athen
- Einfluss der antiken religiösen Tradition auf die Kultpraxis
Auszug aus dem Buch
4.2 Konkreter Herrscherkult
"After Demetrios had razed the whole of Mounichia, he restored freedom to the Demos (of the Athenians) and established friendship and alliance with them. On the proposal of Stratocles, the Athenians voted to erect gold statues of Antigonos and Demetrios on a chariot near Harmodios and Aristogeiton; to award them both crowns worth 200 talents; to erect an altar and call it “of the Saviors” (Σωτέρων); to add to the (existing) ten tribes two, Demetrias and Antigonis; to perform for Demetrios and Antigonos each year contests, a procession, and a sacrifice; and to weave (Antigonos and Demetrios) into the robe (πέπλον) of Athena. The Demos (of Athens), having been destroyed in the Lamian War by Antipater, after fifteen years unexpectedly recovered their ancestral constitution.…And Antigonos, after ambassadors arrived from Athens and delivered the decree about the honors and described (the need for) grain and wood for shipbuilding, gave them 150,000 medimnoi of grain and sufficient wood for 100 ships. He also drove out the garrison from (the island of) Imbros and returned that city to the Athenians."
Diese Ehrungen für Demetrios und Antigonos übertrafen alle Ehrungen, die ein lebender Mensch zuvor erhalten hatte. Sie sind jedoch alle durch die athenische religiöse Tradition erklärbar.
Ich beginne mit den Goldstatuen in der Nähe von Harmodios und Aristogeiton. Im späten vierten Jahrhundert sind solche Ehrenstatuen zur Mode geworden. Angeblich gab es 360 Statuen von Demetrios von Phaleron, die allerdings nach dem Stratokles Dekret zerstört wurden. Die Goldstatuen des Demetrios und dessen Vater erinnerten an die Goldelfenbeinstatue der Athena Parthenos von Phidias. Bemerkenswert ist vor allem der Standort der Statuen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Herrscherkults ein und grenzt diesen methodisch vom Dynastiekult ab, wobei der Fokus auf die Zeit vor 280 v. Chr. gelegt wird.
2. Die Entstehung des Herrscherkultes: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Veränderung der Machtverhältnisse und die Schwächung der Poleis zu einer religiösen Skepsis und der Suche nach menschlichen Retterfiguren führten.
3. Formen des Herrscherkultes: Hier werden die kultischen Praktiken wie Opfer, Festveranstaltungen, Statuenerrichtungen und die Verleihung von Beinamen wie Soter oder Theos detailliert beschrieben.
4. Beispiel: Demetrios Poliorketes: Dieser Abschnitt analysiert das Wirken des Demetrios Poliorketes in Athen, beginnend mit den politischen Motiven für seine Verehrung bis hin zu den konkreten religiösen Ehrungen.
4.1 Grund für den Herrscherkult: Untersuchung der historischen Ereignisse, insbesondere der Befreiung Athens von der Besatzung durch Demetrios von Phaleron, die den unmittelbaren Anlass für die Ehrungen bildeten.
4.2 Konkreter Herrscherkult: Auflistung und Einordnung der spezifischen athenischen Beschlüsse, darunter die Errichtung von Goldstatuen, die Gründung neuer Phylen und die Aufnahme in den Peplos der Athena.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der Herrscherkult primär als historisches Phänomen auf Basis konkreter politischer Taten zu verstehen ist, das tiefe Einschnitte in die religiöse Tradition markierte.
Schlüsselwörter
Herrscherkult, Demetrios Poliorketes, Athen, Antike, Dynastiekult, Soteres, Poleis, Alexander der Große, Lysander, Gottmenschentum, Hellenismus, Religion, Opferkult, Ehrungen, Demokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Ausprägung des Herrscherkultes in der griechischen Antike, bei dem lebende Persönlichkeiten durch städtische Kulte wie Götter verehrt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Machtverschiebungen der griechischen Städte, die Rolle einzelner Machthaber als Befreier oder Retter sowie die spezifischen kultischen Handlungen, mit denen diese Personen geehrt wurden.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung fragt nach den Gründen, warum und unter welchen Bedingungen griechische Städte dazu übergingen, lebende Herrscher göttlich zu verehren, und wie sich dies an dem Beispiel von Demetrios Poliorketes in Athen manifestierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur (u.a. von Christian Habicht und Frank W. Walbank) und antiken Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine theoretische Einordnung des Kultes sowie eine detaillierte Fallstudie über die Verehrung von Demetrios Poliorketes und Antigonos in Athen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Herrscherkult, Gottmenschentum, Poleis, Demetrios Poliorketes, Soter und athenische religiöse Tradition.
Warum spielt die Befreiung Athens durch Demetrios eine so entscheidende Rolle?
Die Befreiung von dem Tyrannen Demetrios von Phaleron und die Wiederherstellung der Demokratie durch Demetrios Poliorketes dienten als konkreter Anlass für die Athener, außergewöhnliche göttliche Ehren zu beschließen.
Wie unterschieden sich die Ehrungen für Demetrios von herkömmlichen Ehren?
Die Ehrungen, wie beispielsweise Statuen in der Nähe der Tyrannenmörder, die Gründung neuer Phylen oder die Aufnahme in den Peplos der Athena, übertrafen in ihrem Ausmaß und ihrer religiösen Bedeutung alles, was zuvor einem Lebenden gewährt worden war.
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- Lasse Zipfel (Author), 2014, Der Herrscherkult am Beispiel Demetrios Poliorketes. Formen und Gründe, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/308116