In der vorliegenden Seminararbeit wird die Frage thematisiert, ob das Hartz IV-Konzept einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leistet. In der fachwissenschaftlichen Analyse dieser Arbeit werden dabei zunächst das Konzept, die Ziele und Überarbeitungen des Hartz IV-Paketes vorgestellt. Anschließend wird der Begriff „Soziale Gerechtigkeit“ aus philosophischer sowie theologischer Perspektive reflektiert.
Die Ausführungen stützen sich zum einen auf die Gerechtigkeitstheorie des US-amerikanischen Philosophen John Rawls und zum anderen auf die Denk-schrift „Gerechte Teilhabe“ des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die zum Thema Armut in Deutschland verfasst wurde. Am Ende der fachwissenschaftlichen Analyse wird bezugnehmend auf die Ausgangsfrage eine Beurteilung unter Berücksichtigung der zuvor thematisierten philosophischen und theologischen Ansätze stattfinden.
Im zweiten, fachdidaktischen Teil der Seminararbeit erfolgt vor dem Hintergrund der fach-wissenschaftlichen Analyse die Übertragung der Thematik auf die Situation des Schulalltags, bei der die curriculare Verankerung, der gesellschaftliche Stellenwert sowie die Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung der Ausgangsfragestellung für die Schülerinnen und Schüler thematisiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Fachwissenschaftliche Analyse
2. Hartz IV
2.1 Aufgaben und Ziele des Hartz IV-Konzeptes
2.2 Leistungsformen
2.3 Grundsatz des Förderns und Forderns
2.4 Überarbeitungen des Hartz IV-Konzeptes
2.5 Kritik am Hartz IV-Konzept
3. Soziale Gerechtigkeit aus theoretischer Perspektive
3.1 Soziale Gerechtigkeit aus philosophischer Sicht: John Rawls
3.1.1 Gerechtigkeit als Fairness
3.1.2 Hartz IV im Kontext der Gerechtigkeitstheorie von Rawls
3.2 Soziale Gerechtigkeit aus theologischer Perspektive: EKD
3.2.1 Gerechtigkeit als Teilhabegerechtigkeit
3.2.2 Hartz IV im Kontext der evangelischen Denkschrift
4. Fazit
Fachdidaktische Analyse
5. Soziale Gerechtigkeit und Hartz IV als Thema in der Schule
5.1 Curriculare Verankerung
5.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht, ob das Hartz IV-Konzept einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leistet. Dabei wird eine fachwissenschaftliche Analyse, die philosophische und theologische Gerechtigkeitsmodelle einbezieht, mit einer fachdidaktischen Reflexion verknüpft, um das Thema für den Schulunterricht aufzubereiten.
- Grundlagen, Ziele und Kritik des Hartz IV-Konzeptes
- Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls
- Die evangelische Sichtweise auf Teilhabegerechtigkeit (EKD)
- Transfer der Problematik in den schulischen Bildungsauftrag
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Gerechtigkeit als Fairness
Nach Rawls besitzt jeder Mensch „eine aus der Gerechtigkeit entspringende Unverletzlichkeit, die auch im Namen des Wohles der ganzen Gesellschaft nicht aufgehoben werden kann.“32 Für Rawls gelten „in einer gerechten Gesellschaft gleiche Bürgerrechte für alle als ausgemacht […] [und] sind kein Gegenstand politischer Verhandlungen oder sozialer Interessenabwägungen.“33 Soziale Gerechtigkeit lässt sich seiner Ansicht nach an den Verteilungskriterien einer gesellschaftlichen Grundstruktur beurteilen. Die Gerechtigkeit eines Gesellschaftsmodells hängt im Wesentlichen davon ab, „wie die wichtigsten gesellschaftlichen Institutionen Grundrechte und -pflichten und die Früchte der gesellschaftlichen Zusammenarbeit verteilen.“34 Ungerechtigkeit ist nur tolerierbar, „wenn sie zur Vermeidung einer noch größeren Ungerechtigkeit notwendig ist.“35
Die Tatsache, dass „es den Menschen nicht gleichgültig ist, wie die durch ihre Zusammenarbeit erzeugten Güter verteilt werden“36, führt nach Rawls zu einem Interessenkonflikt. Zur Lösung dieses Konflikts sind daher Gerechtigkeitsgrundsätze in einer Gesellschaft nötig, die festlegen, „welche Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Menschen für ihre Rechte und Pflichten von Belang sind, und welche Güterverteilung richtig ist.“37 Die Übereinkunft der Menschen über die Grundsätze der Gerechtigkeit in einer Gesellschaft muss nach Rawls in einer „theoretisch[…] [gedachten] Situation der Freiheit und Gleichheit“38 erfolgen. In diesem Urzustand, in dem keiner weder seine spätere soziale Stellung (Status, Vermögen) in der Gesellschaft noch seine natürlichen Gaben (z.B. Intelligenz, Gesundheit) kennt, können „die Grundsätze der Gerechtigkeit in einer fairen Ausgangssituation [gemeinsam] festgelegt werden.“39 Die „Theorie der Gerechtigkeit als Fairneß“40 von Rawls basiert somit auf einem „Schleier des Nichtwissens“41, der eine Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Personen aufgrund verschiedener natürlicher oder gesellschaftlicher Gegebenheiten ausschließt, weil im Zustand der Gleichheit keiner seine zukünftige Situation voraussehen und berücksichtigen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der sozialen Gerechtigkeit in Krisenzeiten und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Hartz IV-Konzeptes.
2. Hartz IV: Detaillierte Darstellung des Hartz IV-Gesetzespaketes, seiner Ziele, Leistungsformen, des Sanktionssystems sowie der bisherigen Reformen und Kritikpunkte.
3. Soziale Gerechtigkeit aus theoretischer Perspektive: Analyse des Hartz IV-Konzeptes anhand der philosophischen Gerechtigkeitstheorie von John Rawls und der theologischen Perspektive der EKD-Denkschrift.
4. Fazit: Zusammenfassende Beurteilung, dass Hartz IV nur bedingt zur sozialen Gerechtigkeit beiträgt und weiterhin Optimierungsbedarf besteht.
5. Soziale Gerechtigkeit und Hartz IV als Thema in der Schule: Didaktische Einordnung der Thematik in den Schulkontext unter Berücksichtigung des Bildungsauftrages und der Lebenswelt von Schülern.
Schlüsselwörter
Hartz IV, Soziale Gerechtigkeit, John Rawls, EKD, Gerechte Teilhabe, Existenzminimum, Sozialgesetzbuch II, Arbeitslosigkeit, Ethik, Teilhabegerechtigkeit, Bildungspaket, Solidarität, Chancengleichheit, Armut, Schulerfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sozialethische Frage, ob das deutsche Hartz IV-Konzept als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit gewertet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Ausgestaltung der Grundsicherung in Deutschland, die philosophische Gerechtigkeitstheorie von John Rawls und die theologische Sozialethik der EKD.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Reflexion, inwieweit das Hartz IV-System den Kriterien für ein gerechtes, gesellschaftliches Zusammenleben entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Analyse, die theoretische Modelle mit aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen vergleicht und diese durch eine fachdidaktische Analyse ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Hartz IV-Konzeptes, eine theoretische Gerechtigkeitsprüfung durch Rawls und die EKD sowie eine Analyse der schulischen Relevanz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Hartz IV, Soziale Gerechtigkeit, Fairness, Teilhabegerechtigkeit, Existenzminimum und Chancengleichheit.
Wie bewertet Rawls das Konzept von Hartz IV?
Rawls' Theorie bietet ein Raster, nach dem Hartz IV nur bedingt als gerecht eingestuft wird, da die persönlichen Freiheiten der Betroffenen durch Sanktionen und Pflichten unter Umständen eingeschränkt werden.
Welche Rolle spielt die Bildung in der EKD-Argumentation?
Die EKD betont, dass Bildung die Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ist und kritisiert, dass der Schulerfolg in Deutschland weiterhin zu stark von der sozialen Herkunft abhängig ist.
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- Anonym (Author), 2013, Hartz IV. Ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/307493