Diese Arbeit untersucht das oszillierende Verhältnis zwischen Kunst und Leben in Hugo von Hofmannsthals "Der Abenteurer und die Sängerin". Dabei steht die Figur Vittoria im Mittelpunkt der Betrachtungen. An ihr scheint sich zu zeigen, dass eine ästhetizistische Daseinsform überwunden werden kann und Kunst und Leben keine voneinander entfremdeten, unvereinbaren Bereiche sein müssen.
Um nachzuzeichnen, wie Kunst und Leben in Der Abenteurer und die Sängerin zueinander stehen, werden zunächst die beiden zentralen Figuren, Casanova alias Weidenstamm und Vittoria, in Augenschein genommen und teilweise mit anderen Figuren abgeglichen werden. Anschließend lassen sich diese beiden, ihr Bezug zur Kunst sowie ihre unterschiedlichen Lebenskonzepte besser verorten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die zentralen Figuren
2.1 Der Abenteurer
2.2 Die Sängerin
3 Abenteuer, Kunst und Leben
4 Schlussbemerkung
5 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das oszillierende Verhältnis zwischen Kunst und Leben in Hugo von Hofmannsthals Bühnenstück "Der Abenteurer und die Sängerin". Ziel ist es zu analysieren, ob und wie die Protagonistin Vittoria eine ästhetizistische Daseinsform überwinden kann, um eine Versöhnung zwischen Kunst und Leben zu erreichen.
- Die psychologische Analyse der Hauptfiguren Casanova und Vittoria
- Das Spannungsfeld zwischen Lebenslüge, Identität und dem künstlerischen Ausdruck
- Die Auseinandersetzung mit den Themenkomplexen "Fin de siècle" und "Dekadenz"
- Die Emanzipation der Künstlerin von einer vergangenen, traumatischen Bindung
- Die Funktion der Kunst als transzendente Energie versus ästhetizistische Flucht
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Abenteurer
Baron Weidenstamm entspricht weitgehend dem Typus des Abenteurers – eine Einordnung, die der Text bereits in Titel und Personenregister vorwegnimmt. Er ist damit auch ein Spieler, ein Hochstapler, ein Liebhaber aus Überzeugung und Lust, der „mit demselben glänzenden Elan, mit dem er die Genüsse der Welt an sich reißt, auch dem furchtbarsten Unglück, der finstersten Gefahr fröhlich sich entgegenwirft“ (SALTEN 1910). Allerdings ist er ein etwas in die Jahre gekommener Abenteurer („Vor zehn Jahren, glaubʼ ich, hättʼ ich dergleichen nicht gespürt“, 141), der um den Nachschub an „Salbe für die Hände“ (137) bangt und anstatt sich fröhlich der Gefahr einer erneuten Einkerkerung in Venedig entgegenzuwerfen, steckt er zur Sicherheit ein Giftfläschchen ein, als nachts bedrohlich an die Tür geschlagen wird („noch einmal dies? Ich merkʼ, das Leben will dasselbe Stück nicht wiederholen“, 140). Weidenstamm hat nicht nur Angst vor den Bleikammern, bemerkenswert ist hier vor allem seine prinzipielle Unfähigkeit zur Wiederholung. Diese wird auch darin deutlich, dass er – trotz seiner Versuche, sie wiederzugewinnen („Sei wieder mein, Vittoria“, 132) – schon kurz nach der ersten Begegnung weiß, dass er kein Interesse mehr an Vittoria hat, denn „man soll kein Ding zweimal erleben wollen“ (141).
Der wichtigste Charakterzug Casanovas liegt wohl in seiner Ungebundenheit: Er „besitzt nichts und genießt alles“ (WANDRUSZKA 2005: 17), übernimmt für nichts Verantwortung, empfindet keinen Neid (z. B. auf Cesarino), er ist freigiebig, ohne Gegenleistungen zu erwarten (z. B. mit dem unbekannten alten Mann, dem er Geld zukommen lässt; vgl. 117) und frei von Vorurteilen. In allem entdeckt er das Schöne: „Und daß so viele Arten sind, das macht die Welt so bunt. Wen möchtest du entbehren! Ich den tollen Neger nicht […] und nicht den goldnen Dogen“ (105).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Wiener Moderne um 1900 ein und skizziert den Grundkonflikt zwischen Kunst und Leben in Hofmannsthals Werk.
2 Die zentralen Figuren: In diesem Kapitel werden die Charaktere Casanova und Vittoria detailliert analysiert, um ihre unterschiedlichen Weltanschauungen und Lebenskonzepte zu kontrastieren.
2.1 Der Abenteurer: Hier wird Casanova als "Gegenwartswesen" beschrieben, dessen Unfähigkeit zur Bindung und Erinnerung als zentraler Wesenszug herausgearbeitet wird.
2.2 Die Sängerin: Dieser Abschnitt beleuchtet Vittorias Entwicklung von der femme fragile zur unabhängigen Frau, die ihr Doppelleben und die ästhetizistische Bindung an die Vergangenheit überwindet.
3 Abenteuer, Kunst und Leben: Dieses Kapitel diskutiert die Rolle der Kunst als transzendente Energie und untersucht, ob Vittorias Gesang eine echte Lebensbewältigung ermöglicht.
4 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung der Transformation Vittorias und die Rolle Casanovas als zwiespältiger Inspirator.
5 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Primärliteratur.
Schlüsselwörter
Hugo von Hofmannsthal, Der Abenteurer und die Sängerin, Wiener Moderne, Kunst und Leben, Casanova, Vittoria, Ästhetizismus, Fin de siècle, Dekadenz, Identität, Geschlechterrollen, femme fragile, Bühnenstück, Literaturwissenschaft, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Kunst und Leben im Werk von Hugo von Hofmannsthal, speziell im Bühnenstück "Der Abenteurer und die Sängerin" im Kontext der Wiener Moderne.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Abenteurertums, die Problematik der ästhetizistischen Lebensführung, die Dekadenz um 1900 sowie die emanzipatorische Entwicklung der weiblichen Hauptfigur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es wird erforscht, ob eine ästhetizistische Daseinsform überwunden werden kann und ob Kunst und Leben am Beispiel der Figur Vittoria zu einer neuen Einheit transformiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext in den Kontext zeitgenössischer philosophischer und literarischer Theorien (z.B. von Georg Simmel) stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Charakterstudie der Hauptfiguren Casanova und Vittoria sowie eine theoretische Reflexion über die Rolle von Kunst und Leidenschaft im Drama.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Wiener Moderne, Hofmannsthal, Kunst versus Leben, Abenteurer, Sängerin, Transformation und Ästhetizismus.
Wie unterscheidet sich Casanova in seiner Funktion von Vittoria?
Casanova fungiert als unstetes "Gegenwartswesen" und Katalysator, während Vittoria durch ihren Gesang versucht, aus ihrer traumhaften Bindung an die Vergangenheit in die reale Gegenwart zu finden.
Welche Bedeutung kommt dem Ende des Dramas zu?
Das Ende wird als ein emanzipatorischer Akt gedeutet, bei dem Vittoria ihre Abhängigkeit vom "Casanova-Ideal" überwindet und eine neue Eintracht mit ihrem Ehemann und Sohn anstrebt.
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- Alexander Bauerkämper (Author), 2013, Kunst und Leben in Hugo von Hofmannsthals "Der Abenteurer und die Sängerin", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/306689