Die vorliegende Hausarbeit soll sich nun mit der Heimkehr der Pilger von ihrer Wallfahrt ins Heilige Land beschäftigen. Zunächst werde ich auf die drei unterschiedlichen Reiserouten der Rückfahrt eingehen, danach sollen die Spezifika der Heimreise behandelt werden. Der Fokus der Hausarbeit soll jedoch auf den emotionalen Aspekten einer Heimkehr liegen.
Abschließend werde ich versuchen, bei den Pilgern Bilanz zu ziehen. Diese umfasst bei so manchem Pilger eher die Städte und Länder, in denen er gewesen ist und beim anderen wiederum die Geschenke, welche er erhalten hat.
Einleitend vorangestellt seien in aller Kürze einige Worte zur Quellenlage über die Heimkehr der Pilger. Diese kann leider als sehr spärlich bewertet werden. Es existieren zwar zahlreiche persönliche Erinnerungen von Pilgern über ihre Wallfahrt nach Jerusalem, jedoch wird die Heimkehr eher vernachlässigt. Außerdem schränkt der emotionale Aspekt einer Heimkehr die Auswahl der Quellen enorm ein.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Reiserouten
II.) a. Gewöhnliche Route
II.) b. Heimreise über den Landweg
II.) c. Die Weiterreise zum Sinai und nach Alexandria
III.) Spezifika der Heimreise
III.) a. Naturgewalten
III.) b. Ungewollte Aufenthalte
III.) c. Statuswandel des Pilgers
IV.) Die Heimkehr
IV.) a. Emotionale Aspekte der Heimkehr
IV.) b. Begrüßung und Wiederaufnahme in die Gesellschaft
IV.) c. Innerliches Abschließen mit dem Pilgerstand
V.) Bilanz
V.) a. Geschenke, bereiste Städte
V.) b. Empfang durch die Bevölkerung
VI.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die oft vernachlässigte Heimreise spätmittelalterlicher Palästina-Pilger, wobei der Fokus auf den emotionalen Prozessen, der Wiedereingliederung in die Heimat und der veränderten Wahrnehmung der Reisenden liegt. Ziel ist es, die Individualität des Reiseerlebnisses hinter den standardisierten Berichten offenzulegen.
- Analyse verschiedener Rückreiserouten (Land- und Seeweg)
- Untersuchung der spezifischen Strapazen und Gefahren der Heimreise
- Betrachtung des emotionalen Wandels und der "Vergegenwärtigung" der Heimat
- Darstellung ritueller Aspekte der Reintegration nach der Wallfahrt
- Vergleich zwischen den Erfahrungen adeliger und nicht-adeliger Pilger
Auszug aus dem Buch
III.) b. Ungewollte Aufenthalte
Schloss man sich nun einem Kaufmannsschiff ab Alexandria an, so musste man mit mehr ungewollten Aufenthalten rechnen, da die Kaufleute ihre Interessen verfolgen wollten und Handel trieben. Arnold von Harff berichtet von einem dreiwöchigen Aufenthalt in Konstantinopel, da die venezianischen Kaufleute noch nicht zur Weiterreise bereit waren.
Item as wir nv hie zo Constantinopel stille moisten ljigen iij wechen lanck vmb der venecianer koufflude zo beiden die noch nyt reyde en waeren, foiren vnser drij suydtwest wartz vff deme mer van Constantinopel vur eyn kurtzwijle.
Aber auch auf der gewöhnlichen Route zurück kam es immer wieder zu ungewollten Verzögerungen, wenn zum Beispiel eine Weiterfahrt aufgrund von schlechtem Wetter unmöglich war. Der italienische Geistliche Pietro Casola beklagt sich in seinem Pilgerbericht über den Zwischenstopp auf der Heimreise Richtung Kos, nahe der Insel Ios: „Lunedì a XXVIIII de septembre, el dì de santo Michele, se stete in el dicto porto, con grande tedio, pur espectando tempo comodo de partirse.“ Man sieht, dass die Pilger mit dem ungeplanten Aufenthalt unzufrieden sind und schnell nach Hause wollen. Auch der Schweizer Peter Füessli beklagt sich über zu lange Aufenthalte in Jaffa, Jerusalem und Rama.
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Diese Einleitung führt in die religiösen Motive und die Bedeutung der Wallfahrten ins Heilige Land ein, die besonders gegen Ende des Mittelalters als "mobile Epoche" massiv zunahmen.
II.) Reiserouten: In diesem Kapitel werden die verschiedenen Wege der Rückreise erläutert, wobei die gewöhnliche Route über das Meer den Standard darstellt, während der Landweg als Ausnahme und deutlich beschwerlicher beschrieben wird.
III.) Spezifika der Heimreise: Hier werden die Belastungen durch Naturgewalten, ungeplante Wartezeiten und der Statuswandel der Pilger nach dem Ritterschlag analysiert.
IV.) Die Heimkehr: Der Fokus liegt auf der emotionalen Annäherung an die Heimat, der Begrüßung durch das soziale Umfeld und den rituellen Akten des Abschlusses mit dem Pilgerstand.
V.) Bilanz: Dieses Kapitel thematisiert die Bilanzierung der Pilgerreise durch materielle Gaben und persönliche Danksagungen für die überstandenen Gefahren.
VI.) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Heimreise zwar in den Berichten oft stiefmütterlich behandelt wurde, aber für den Einzelnen einen zentralen, emotionalen Übergangsprozess darstellte.
Schlüsselwörter
Pilgerfahrt, Mittelalter, Palästina, Jerusalem, Heimkehr, Reiseberichte, Felix Fabri, Arnold von Harff, Wallfahrt, Reliquien, Ritterschlag, Reiserouten, Sozialstatus, Mittelmeerroute, Pilgerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Erfahrungen, Emotionen und Herausforderungen von Pilgern auf ihrem Rückweg von einer Wallfahrt ins Heilige Land im späten Mittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören die Reiserouten, die alltäglichen Probleme wie Naturgewalten, die soziale Wiedereingliederung und der Umgang mit dem erworbenen Status als "Grabesritter".
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die in zeitgenössischen Berichten oft nur am Rande erwähnte Heimkehr detailliert zu untersuchen und deren Bedeutung als individuelles, emotionales Erlebnis hervorzuheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse von spätmittelalterlichen Pilgerberichten und Reisejournalen, ergänzt durch historische Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Reiserouten, die Analyse spezifischer Rückreise-Probleme, die emotionale Komponente der Heimkehr und die Bilanzierung der Pilgerreise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Pilgerreise, spätmittelalterliche Mobilität, Statusgewinn, Heimkehrrituale und die individuelle Erlebniswelt der Pilger.
Warum wird Felix Fabri als Quelle so prominent hervorgehoben?
Felix Fabri gilt als Ausnahme unter den Berichterstattern, da er sehr wortgewandt und detailliert über seine inneren Gefühle und die emotionalen Aspekte des Pilgerdaseins schreibt.
Welche symbolische Bedeutung hat das Ablegen des Pilgerbarths?
Das Abrasieren des Barts nach der Rückkehr markiert rituell den Übergang vom Pilgerstand zurück in den normalen Alltag und die Reintegration in das soziale Umfeld.
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- Kerstin Köck (Author), 2010, Die Wallfahrt nach Jerusalem im späten Mittelalter. Die Heimkehr der Pilger, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305899