In dieser Studienarbeit geht es um Impfungen von Säuglingen und Kleinkindern. Dabei lautet die Kernfrage: Wird dem Einzelnen und/oder den Mitgliedern der Gesellschaft durch Impfungen im Säuglings- oder Kleinkindalter eher Schaden zugefügt oder wird ein allgemeingültiger Nutzen (im Sinne einer ethischen Betrachtungsweise) gestiftet?
Grundlage für die kritische Auseinandersetzung mit der Impfthematik bietet bereits die ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts selbst. Deren Mitglieder unterliegen durch Tätigkeiten im pharmanahen Umfeld zum Teil selbst Interessenskonflikten. Darüber hinaus ist die Aufklärungsarbeit bzw. Risikokommunikation im Hinblick auf die individuelle Impfentscheidung, die meist sehr stark mithilfe von sogenannten Furchtappelltheorien gegenüber den „Impflingen“ bzw. gegenüber deren Sorgeberechtigten betrieben wird, nach Ansicht der Autorin sehr auffällig. Hinzu kommt, dass eine liberale Gesetzgebung zur Impfthematik in Deutschland, die Pharmaunternehmen - in Bezug auf ihre ethische Verantwortung - vor die Wahl möglicher eigener Ethik-Codices zur Reglementierung stellt.
Um die Fragestellung zu erörtern, wird in Kapitel eins auf die Grundlagen der Ethik in Zusammenhang mit Moral und Philosophie sowie unter Betrachtung von ethischen Konzepten (wie deskriptive und normative Ethik, Utilitarismus und Vertragstheorie, evolutionäre Ethik und Emotivismus) und angewandter Ethik (wie Medizin- und Wirtschaftsethik) eingegangen. Anschliessend verschafft Kapitel zwei einen Überblick über die Impfthematik mit einem kurzen Abriss zur rechtlichen Situation in Deutschland und Informationen zu ausgewählten medizinischen Aspekten zur „Impfung“ (Impfstoffarten, Impfzeitpunkt) sowie möglichen gesundheitlichen Auswirkungen (Impffolgen). Kapitel drei stellt die Gruppen der Hauptprotagonisten vor: die Pharmakonzerne, das Robert-Koch-Institut, das Paul-Ehrlich-Institut, die Haus- und Kinderärzten sowie die Impflinge und deren Sorgeberechtigten und geht dabei auf die Entstehung und Erklärung möglicher ethischer Dilemmata für die jeweiligen Gruppen ein.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1 ETHIK, MORAL UND PHILOSOPHIE
1.2 ETHISCHE KONZEPTE
1.2.1 Deskriptive und normative Ethik
1.2.2 Utilitarismus & Vertragstheorie
1.2.3 Evolutionäre Ethik
1.2.4 Emotivismus
1.3 ANGEWANDTE ETHIK
1.3.1 Medizinethik
1.3.2 Wirtschaftsethik
2. IMPFTHEMATIK
2.1 IMPFSTOFFARTEN
2.2 RECHTLICHE SITUATION IN DEUTSCHLAND
2.3 IMPFZEITPUNKT UND IMPFFOLGEN
3. ETHISCHE DILEMMATA DER EINZELNEN KONFLIKTPARTEIEN
3.1 PHARMAKONZERNE
3.1.1 Robert Koch-Institut und STIKO
3.1.2 Paul-Ehrlich-Institut
3.2 HAUS- UND KINDERÄRZTE
3.3 IMPFLINGE UND SORGEBERECHTIGTE
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG UND LÖSUNGSVORSCHLÄGE
4.1 AUS WIRTSCHAFTSETHISCHER SICHT FÜR DIE PHARMAKONZERNE
4.2 AUS MEDIZINETHISCHER SICHT FÜR DIE ÄRZTE UND AUS SICHT DER INDIVIDUAL- UND SOZIALETHIK FÜR DIE IMPFLINGE UND SORGEBERECHTIGTEN
5. EIGENES FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das ethische Spannungsfeld rund um Impfungen im Säuglings- und Kleinkindalter. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Impfungen primär einen Nutzen für das Individuum und die Gesellschaft stiften oder ob sie, unter Berücksichtigung ethischer Kriterien, eher mit einer Schadenszufügung verbunden sind.
- Grundlagen der Ethik und moralphilosophische Konzepte
- Medizinische Aspekte und rechtliche Rahmenbedingungen von Impfungen
- Interessenkonflikte zwischen Pharmakonzernen, medizinischem Personal und Sorgeberechtigten
- Kritische Analyse von Impfempfehlungen und Risikokommunikation
- Ethische Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen
Auszug aus dem Buch
3. Ethische Dilemmata der einzelnen Konfliktparteien
Um zu einer Lösung zu finden, muss zunächst versucht werden aus einer metaethischen Sichtweise beide Diskussionsebenen voneinander zu unterscheiden, denn „… keine metatheoretische Beschäftigung mit Ethik als der auf Moral reflektierenden Disziplin – kommt ohne ein zumindest implizites Unterscheidungskriterium aus, …“ (vgl. Dürwell et al. 2011, S. 11).
3.1 Pharmakonzerne
Wirtschaftsethische Anwendungen können meist auf das situativ auftretende Spannungsfeld (Trade-Off) zwischen Eigeninteresse (z. B. Gewinnmaximierung, Ausbau der Marktmacht, Erhöhung des politischen Einflusses – Anm. d. Verf.) und Moral fokussiert werden. Ein Mehr an Moral geht zu Lasten des Eigeninteresses und könnte sogar zu einer Entziehung des gesellschaftlichen „licence to operate“ führen, da die Stakeholder (wenn sie können, da kein Monopol vorliegt – Anm. d. Verf.) auf ein unmoralisches Verhalten mit Loyalitätsentzug reagieren. Ein Mehr an Moral führt ggf. zu einem Wettbewerbsnachteil und dem Risiko der Existenz (vgl. zu diesem Abschnitt Pies & Sardison 2006, S. 268 f.).
Laut der Pharmastudie 2020 von Price Waterhouse Coopers (PWC) steht die Pharmaindustrie aktuell unter einem extrem hohen Wettbewerbs- und Gewinnerwartungsdruck, der sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken wird. Gleichzeitig steht den hohen Forschungs- und Entwicklungs- (F&E)-, als auch Vertriebs- und Marketingkosten eine relativ niedrige Produktivität gegenüber (vgl. zu diesem Abschnitt PWC 2007, S. 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Autorin legt die persönliche Motivation und die wissenschaftliche Problemstellung dar, die zur Untersuchung der ethischen Aspekte der Impfthematik führt.
2. IMPFTHEMATIK: Dieses Kapitel erläutert medizinische Grundlagen, verschiedene Impfstoffarten sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Problematik von Impfzeitpunkten.
3. ETHISCHE DILEMMATA DER EINZELNEN KONFLIKTPARTEIEN: Es werden die spezifischen Interessenkonflikte und moralischen Herausforderungen für Pharmakonzerne, Ärzte sowie Impflinge und deren Sorgeberechtigte analysiert.
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG UND LÖSUNGSVORSCHLÄGE: Basierend auf den vorangegangenen Analysen werden ökonomische und medizinethische Ansätze zur Konfliktlösung diskutiert.
5. EIGENES FAZIT: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Impfentscheidung im Säuglings- und Kleinkindalter kritisch aus einer ethischen Perspektive.
Schlüsselwörter
Ethik, Impfthematik, Medizinethik, Wirtschaftsethik, Impfentscheidung, STIKO, Pharmakonzerne, Herdenimmunität, Kindswohl, Deontologie, Utilitarismus, Risikokommunikation, Impfschaden, Patientenautonomie, Impfpflicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Impfthematik im Säuglings- und Kleinkindalter aus einer ethischen Perspektive und hinterfragt das Nutzen-Schaden-Verhältnis.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören moralphilosophische Grundlagen, die Pharmakoökonomie, die ärztliche Ethik sowie die Rechte und Pflichten der Sorgeberechtigten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob Impfungen in diesem frühen Lebensalter eher gesellschaftlichen Nutzen stiften oder individuelle Schäden riskieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es werden verschiedene ethische Konzepte wie der Utilitarismus, die Vertragstheorie, die Diskursethik und der Emotivismus zur Analyse und Bewertung herangezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Positionen von Stakeholdern, wie Pharmakonzernen, Ärzten und Eltern, und identifiziert spezifische ethische Dilemmata.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Wichtige Schlagworte sind Patientenautonomie, Interessenskonflikte der STIKO, Herdenimmunität und die moralische Verantwortung der Pharmaindustrie.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der STIKO-Mitglieder?
Die Autorin weist kritisch darauf hin, dass viele Mitglieder Interessenskonflikte aufweisen, da ihre Tätigkeiten teilweise mit der Pharmaindustrie verknüpft sind.
Welchen Stellenwert nimmt das Thema „Herdenimmunität“ ein?
Es wird als ein zentraler sozialethischer Aspekt behandelt, bei dem das individuelle Risiko gegen das kollektive Interesse der Gesellschaft abgewogen wird.
Was ist das zentrale Ergebnis hinsichtlich der Impfentscheidung bei Kleinkindern?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass unter Anwendung eines Präferenzutilitarismus die Impfung in diesem Alter – aufgrund des Leidens der Kinder – als Schaden für die Gesellschaft gewertet werden kann.
Gibt es eine konkrete Handlungsempfehlung?
Die Arbeit plädiert für einen vertragstheoretischen Ansatz, der individuelle und kollektive Interessen unter Wahrung der Autonomie des Einzelnen abwägt.
- Arbeit zitieren
- Natalie Hebel (Autor:in), 2014, Impfungen im Säuglings- und Kleinkindalter. Impfstoffarten und ethisches Dilemma, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305817