Wer sich mit den Leistungen der Schüler und den damit verbundenen Zensuren gründlich und effektiv auseinandersetzen möchte, muss sich ebenso umfassend mit der Sinnhaftigkeit und den Funktionen der Notengebung beschäftigen. Die Zensur ist aus dem Schulsystem gar nicht mehr wegzudenken. Menschen haben das Verlangen, bewertet zu werden.
Die Schüler können durch Zensuren ihre Leistungen mit anderen Klassenkameraden vergleichen, sich dadurch besser motivieren und einen Anreiz bekommen leistungsstärker als andere zu werden. Lehrer erfahren durch ihre Zensurengebung eine berufliche Bestätigung, wie gut sie den Unterrichtsstoff vermitteln können. Auch die Eltern haben ein großes Interesse an den Zensuren ihrer Kinder, denn nicht der Elternabend ist das Hauptkommunikationsmittel zwischen den Eltern und der Schule, sondern die Notengebung.
Noten und vor allem Beurteilungen begleiten Menschen ihr Leben lang, dadurch lernen sie sich selbst und ihre Leistung besser kennen, einzuschätzen und zu bewerten. Außerdem dienen Bewertungen für den einen als unabdingbar sinnvolles Instrument der Kontrolle und für den anderen sind Zensuren nichts anderes als ein Druckmittel, welches leistungsschwache Schüler bestraft.
Doch inwieweit entsprechen Zensuren der tatsächlichen Leistung und wer garantiert, dass Noten nicht nur subjektiv vergeben werden? Mit diesen Problemen beschäftigten sich in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Pädagogen. In vielen wissenschaftlich-literarischen Texten wird die Unwahrheit über die erbrachten Schulleistungen, die die Zensurengebung mit sich bringt, aufgezeigt.
In der folgenden Arbeit wird die Zensur mit ihrer Entwicklung und ihren Funktionen sowie eine Gegenüberstellung von Zensuren und Wissen im Mittelpunkt stehen. Dies dient zur Klärung der Kernfrage: „Warum haben Zensuren so wenig mit tatsächlich Gelernten zu tun?“ Um dieses Problem zu vermeiden, wird längst nach leistungsfähigen Alternativen zu Noten gesucht, aber dies stellt sich als überaus schwierig heraus. Zusätzlich wird die Sichtweise bezüglich der Sinnhaftigkeit der Notengebung, die geprägt von Diskussionen über gerechte Noten ins Unendliche geht, von dem Pädagogen Hermann Giesecke reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zensuren
2.1 Zensuren und ihre Entwicklung
2.2 Wie entstehen Zensuren
2.3 gute und schlechte Zensuren
3 Funktionen der Noten
3.1 Allokations- oder Selektionsfunktion
3.2 Kontrollfunktion
3.3 Rückmeldung
3.4 Motivierung und Disziplinierung
4 Beobachtung und Bewertung menschlichen Verhaltens
4.1 Sympathie und Antipathie
4.2 Beständigkeit und Kontinuität von Noten
5 Noten vs. Wissen
5.1 Didaktische Lernorte
5.2 Zensuren? Zensuren! - Die Problematik der Notengebung
5.3 Das tatsächliche Gelernte
6 Bezug zu Hermann Giesecke
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Sinnhaftigkeit von Noten und geht der zentralen Forschungsfrage nach, warum Zensuren oftmals nur eine geringe Aussagekraft über das tatsächlich erworbene Wissen und Können von Schülern besitzen.
- Historische Entwicklung und Entstehung von Zensuren
- Funktionen und gesellschaftliche Bedeutung der Notengebung
- Problematik der Subjektivität bei der Leistungsbeurteilung
- Gegenüberstellung von Noten und tatsächlichem Lernfortschritt
- Reflexion der Thematik durch den Pädagogen Hermann Giesecke
Auszug aus dem Buch
3.1 Allokations- oder Selektionsfunktion
Die Volksschule erlangte als erste Institution die Erlaubnis Noten zu vergeben, um die Schüler in Abhängigkeit ihrer Leistungen entweder den Übergang auf das Gymnasium oder in die Realschule zu gewährleisten. Somit werden Schüler auserlesen, aufgrund ihrer positiven schulischen Entwicklung, eine höhere Bildungslaufbahn einzuschlagen. Dies kann zu Diskrepanzen zwischen guten und schlechten Schülern führen. Im Zusammenhang mit dem Numerus clausus wird den schlechten Schülern der Zugang zu einer Hochschule oder bestimmten Berufen sowie Studiengängen verwehrt. Dies führt dazu, dass wiederum begabtere Schüler eine übergeordnete oder aussichtsreichere berufliche und gesellschaftliche Position erlangen können (vgl. Holmeier, 2013, S. 97 und Konrad, 2005, S. 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Noten im Schulsystem und führt in die Problematik ihrer Subjektivität sowie die Forschungsfrage ein.
2 Zensuren: Dieses Kapitel behandelt die Definition, historische Wurzeln und die Entstehung von Noten als Form der Leistungsbeurteilung.
3 Funktionen der Noten: Hier werden die verschiedenen gesellschaftlichen und pädagogischen Funktionen, wie Selektion, Kontrolle und Rückmeldung, analysiert.
4 Beobachtung und Bewertung menschlichen Verhaltens: Das Kapitel diskutiert die Schwierigkeit objektiver Wahrnehmung und den Einfluss von Sympathie sowie Stabilität auf die Bewertung.
5 Noten vs. Wissen: Dieser Teil hinterfragt die Korrelation zwischen Noten und tatsächlichem Kompetenzerwerb sowie die Problematik der Notengebung.
6 Bezug zu Hermann Giesecke: Die Ansichten des Pädagogen Hermann Giesecke zur notwendigen Reform der Bewertung in einem veränderten gesellschaftlichen Kontext werden dargestellt.
7 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Fragwürdigkeit und subjektive Natur der Notengebung zusammen.
Schlüsselwörter
Zensuren, Notengebung, Leistungsbeurteilung, Schule, Subjektivität, Selektion, Pädagogik, Hermann Giesecke, Kompetenzerwerb, Lernprozess, Schulleistung, Bildungswege, Notenskala, Feedback, Bildungssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das System der Schulnoten und deren Einfluss auf die Leistungsbeurteilung von Schülern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit beleuchtet Funktionen der Noten, psychologische Aspekte bei der Bewertung, die Subjektivität der Lehrerurteile und den Zusammenhang zwischen Noten und tatsächlichem Wissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, warum Zensuren häufig nur eine geringe Aussagekraft über das tatsächlich Gelernte haben.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf pädagogischer Fachliteratur und einschlägigen Studien basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Funktionen der Noten, der Einfluss der Personenwahrnehmung auf die Benotung sowie die Diskrepanz zwischen Noten und Wissen erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Subjektivität der Bewertung, Selektionsfunktion, Lernprozesse und die pädagogische Reflexion durch Hermann Giesecke.
Inwiefern beeinflussen Lehrer ihre Schüler unbewusst?
Die Arbeit zeigt auf, dass Sympathie, Antipathie und der sogenannte Hofeffekt (Halo-Effekt) die Objektivität von Beurteilungen stark beeinträchtigen können.
Warum hält der Autor die Selektionsfunktion für problematisch?
Weil sie den Übergang in höhere Bildungslaufbahnen auf Basis oft subjektiver Noten regelt, was zu Bildungsbenachteiligungen und einer einseitigen Vergleichbarkeit führt.
Welche Rolle spielt der "Lernort der Erkenntnis" für das Verständnis von Noten?
Der Lernort Schule erfordert durch seine absichtsvolle Vermittlung von Inhalten eine Überprüfung, die jedoch oft das eigentliche, individuell erworbene Wissen übersieht.
Wie steht Hermann Giesecke zur aktuellen Bewertungspraxis?
Giesecke weist darauf hin, dass sich die gesellschaftlichen Bedingungen stark gewandelt haben, während die starre Bewertungspraxis in der Schule unverändert geblieben ist.
- Quote paper
- Julia Zander (Author), 2013, Warum haben Zensuren so wenig mit dem tatsächlich Gelernten zu tun? Theorien und Probleme pädagogischen Handelns, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/305399