Die Arbeit zeichnet nach, wie sich mit Charles Darwins Philosophie auch das Verhältnis des Menschen zu anderen Lebewesen grundlegend wandelt. Die Natur als Objekt wissenschaftlicher Forschung ist nicht länger vom Subjekt der Erkenntnis getrennt, sondern ihm verwandt und ähnlich. Die intuitive Verbindung mit anderen Arten über die "language of emotions" wird eben dort evident, wo ihre Unterdrückung misslingt und sie die wissenschaftliche Objektivität behindert.
Die Möglichkeit einer nonverbalen Kommunikation mit anderen Arten wird schließlich anhand von Sartres Konzept des Blicks, sowie praktischer Beispiele aus Douglas Adams' und Mark Carwardines Reisebericht "Last Chance to See" diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Menschentier und sein Blick in die Natur
2. Das erkannte Subjekt und der Andere
3. Die Sprache des Blicks
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Mensch und Tier anhand der evolutionstheoretischen Erkenntnisse Charles Darwins in Verbindung mit Jean-Paul Sartres Modell des Blicks. Ziel ist es, zu ergründen, ob ein auf nonverbaler Kommunikation basierendes Modell der Intersubjektivität eine Einbeziehung tierischer Subjekte ermöglicht und wie sich diese praktische Erfahrung auf das Selbstverständnis des menschlichen Beobachters auswirkt.
- Evolutionstheorie und die Auflösung der starren Grenze zwischen Mensch und Tier
- Die ästhetische Kommunikation und nonverbale Signale als artenübergreifender Dialog
- Sartres Modell der Intersubjektivität und das Konzept des "Für-Andere-Seins"
- Kritische Reflexion der Objektivierung von Tieren und anderen Menschen
- Fallbeispiele aus Douglas Adams’ und Marc Carwardines Reisebericht "Last Chance to See"
Auszug aus dem Buch
3. Die Sprache des Blicks
Beispiele für qualitativ sehr unterschiedliche tierische Blicke bietet der von Douglas Adams und dem Zoologen Marc Carwardine geschriebene Reisebericht „Last Chance to See“. Auf der Suche nach Exemplaren aussterbender Tierarten erscheint immer wieder der Augenkontakt als Moment der Begegnung – mit tief greifenden Auswirkungen auf den menschlichen Beobachter, sein Selbstverständnis, nicht zuletzt auch die Rolle der Sprache und ihr Verhältnis zur Welt. Die Evolution ist als Erklärungsmodell allgegenwärtig, was zweifellos auf Marc Carwardines Einfluss zurückzuführen ist. Doch auch Adams, der seine Rolle als die des staunenden Nicht-Zoologen bezeichnet, ist als langjähriger Freund und Leser Richard Dawkins’ mit Darwins Theorie vertraut, und hat die Tatsache seines tierischen Ursprungs verinnerlicht. Bereits auf den ersten Seiten seines erfolgreichen Debütromans „Hitchhikers Guide through the Galaxy“ hatte er den Protagonisten als „ape descendant“ vorgestellt.
Der erste Blickwechsel ihrer Reise findet mit einer denkbar unexotischen und keineswegs aussterbenden Art statt. Es handelt sich um vier Hühner, die an Bord eines kleinen Schiffes als Proviant mitgeführt werden:
For Westerners who are only used to getting their chickens in polythene from the supermarket it is an uncomfortable experience to share a long ride on a small boat with four live chickens who are eyeing you with a deep and dreadful suspicion which you are in no position to allay. Despite the fact that an Indonesian island chicken has probably had a much more natural and pleasant life than one raised on a battery farm in England, people who wouldn’t think twice about buying something oven-ready become much more upset about a chicken that they’ve been on a boat with, so there is probably buried in the Western psyche a deep taboo about eating anything you’ve been introduced to socially.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Menschentier und sein Blick in die Natur: Dieses Kapitel erörtert den Wandel des Naturbildes durch Darwins Evolutionstheorie und zeigt auf, wie die Verwandtschaft von Mensch und Tier die klassische Trennung von Subjekt und Objekt sowie Leser und Text aufhebt.
2. Das erkannte Subjekt und der Andere: Hier wird Sartres Modell des Blicks analysiert, um zu verstehen, wie das Erscheinen eines Anderen den Seinsmodus des Subjekts transformiert und eine antagonistische Dynamik der Objektivierung erzeugt.
3. Die Sprache des Blicks: Anhand des Reiseberichts von Adams und Carwardine wird die praktische Erfahrung des tierischen Blicks untersucht und als Medium nonverbaler Kommunikation sowie als Chance zur Überwindung einseitiger Objektivierung bewertet.
Schlüsselwörter
Evolutionstheorie, Charles Darwin, Jean-Paul Sartre, Intersubjektivität, Blick, Subjekt, Objekt, Kommunikation, Sprache, Tierethik, Anthropozentrismus, Ästhetische Kommunikation, Wahrnehmung, Für-Andere-Sein, Last Chance to See.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Verhältnis zu Tieren und anderen Menschen durch die Brille der Philosophie und Evolutionstheorie, wobei der "Blick" als zentrales intersubjektives Medium im Mittelpunkt steht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die evolutionäre Verbindung zwischen Mensch und Tier, die philosophische Analyse der Intersubjektivität nach Sartre und die praktische Rolle nonverbaler Ausdrucksformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob ein Modell der Intersubjektivität, das auf dem "Blick" basiert, eine inklusive Sichtweise auf tierische Subjekte ermöglicht und wie dies das menschliche Selbstverständnis beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verknüpft theoretische Konzepte (Darwin, Sartre, Adorno) mit der Analyse literarischer Reiseberichte, um abstrakte philosophische Thesen an praktischen Beispielen zu erörtern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Blicks und der Evolutionstheorie, verknüpft diese mit dem Konzept des Für-Andere-Seins und prüft die Erkenntnisse anhand konkreter Beobachtungen bei Begegnungen mit Tieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intersubjektivität, evolutionäre Verbindung, nonverbale Kommunikation, Objektivierung und der Blick als erkenntnistheoretisches Moment.
Wie unterscheidet sich der tierische Blick vom menschlichen bei Sartre?
Während Sartre den Blick auf menschliche Subjekte fokussiert, die in eine antagonistische Beziehung treten, zeigt die Arbeit, dass der tierische Blick den "tierischen Anteil" im Menschen anspricht und so eine ganz neue Qualität der Intersubjektivität (Verwandtschaftssein) eröffnet.
Welche Rolle spielen die Beispiele von Douglas Adams?
Die Beispiele illustrieren, wie die direkte Konfrontation mit dem Blick eines Tieres – sei es ein Huhn oder ein Gorilla – das bewusste, sprachliche Verstehen des Menschen unterwandert und unmittelbare emotionale sowie existenzielle Erkenntnisse provoziert.
- Quote paper
- Michael Steimel (Author), 2006, Der Blick in die Natur und seine Erwiderung. Ein Versuch zur artenübergreifenden Intersubjektivität nach Darwin, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/304157