Die Zeit ist ein manchmal unerklärliches Phänomen. Jeder nimmt sie anders war. In dieser Arbeit betrachtet der Autor die Zeit aus einem biblisch-theolgischen Blickwinkel. Er zeigt auf, wie Zeit im Alten Testament verstanden, verwendet und ausgedrückt wird. Dabei beschäftigt er sich sowohl mit dem alttestamentlichen Verständnis des Begriffes Zeit, als auch mit der Frage, inwiefern sich die Zeitvorstellung im Alten Testament vom heutigen Zeitverständnis unterscheidet.
Dazu werden drei Begriffe, die das Alte Testament verwendet, um Zeit auszudrücken, vorgestellt und näher untersucht. Die Begriffe Tag, Zeit und Ewigkeit werden im Alten Testament in ihrer jeweiligen hebräischen Übersetzung benutzt, um unterschiedliche Zeiten, Zeitpunkte und Zeitabschnitte darzustellen. Das Aufzeigen von Unterschieden, aber auch von Gemeinsamkeiten zwischen diesen Begriffen ist ein Ziel dieser Arbeit.
Im weiteren Verlauf werden dann zwei verschiedene Zeitverständnisse näher beleuchtet: das mythisch-zyklische und das geschichtlich-lineare. Hier stehen Fragen im Vordergrund, die einerseits auf das Aufzeigen der Charakteristika abzielen, andererseits aber auch den Blick auf eine mögliche Verknüpfung dieser beiden Zeitverständnisse lenken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zeitbegriffe im Alten Testament
2.1 Der Tag: יוֹם) jôm)
2.2 Die Zeit: עתֵ’) ēt)
2.3 Ewigkeit: עךלם’) ôlām)
3 Verschiedene Zeitverständnisse
3.1 Das mythisch-zyklische Zeitverständnis
3.2 Das geschichtlich-lineare Zeitverständnis
3.3 Ein zyklisch-lineares Zeitverständnis?!
4 Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das alttestamentliche Zeitverständnis zu analysieren und von heutigen Vorstellungen abzugrenzen. Dabei wird untersucht, wie spezifische hebräische Zeitbegriffe verwendet werden und inwiefern sich ein integratives Zeitverständnis aus zyklischen und linearen Komponenten im Alten Testament nachweisen lässt.
- Analyse der hebräischen Begriffe für Tag (jôm), Zeit (ēt) und Ewigkeit (ôlām).
- Gegenüberstellung des mythisch-zyklischen und geschichtlich-linearen Zeitverständnisses.
- Untersuchung der Verknüpfung von Naturzyklen und geschichtlichem Handeln Gottes.
- Reflektion über die Bedeutung von Zeit und deren Strukturierung durch Ereignisse.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Tag: יוֹם (jôm)
Die Bibel kennt zwei verschiedene Definitionen von dem, was Tag ist. Zum einen meint die Umschreibung Tag, also יוֹם, die helle Phase. Der Begriff umschreibt damit die Spanne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, bildet also das Gegenteil zur Nacht. Zum anderen wird יוֹם aber auch verwendet, um den Kalendertag als Ganzes zu beschreiben, also 24 Stunden. Dabei deutet die Verwendung von Tag einerseits auf die Darstellung einer Lebensdauer, andererseits auf vergangene Zeiten. Verweise auf die Zukunft können mit dem Begriff Tag ebenfalls ausgedrückt werden, wie „Am Ende der Tage wird es geschehen“ (Jes 2,2). So deutet die hier aufgeführte Verwendung des Wortes Tag auf das zukünftige Kommen Gottes hin und zeigt dessen herausragende Stellung. Somit klingt in dem Begriff יוֹם hier eine Art Zukunftsvision auf die Endzeit an.
Ebenfalls kann יוֹם auch adverbiell verwendet werden und bedeutet tagsüber oder heute. Weiterhin taucht Tag auch in Verbindung mit einem Genitiv auf, verweist damit aber nicht auf 24 Stunden, sondern beschreibt ein bestimmtes Ereignis.
Aus dieser kleinen Darstellung ist deutlich geworden, dass das hebräische Wort יוֹם ein im Alten Testament häufig verwendetes Wort ist, das in einem gewissen Rahmen eine Zeiteinteilung darstellt. Dabei weist es jedoch ein großes Bedeutungsspektrum auf, das von der Beschreibung der hellen Phase bis zum Verweis auf ein konkretes Ereignis reicht. Im Gegensatz zum im Folgenden behandelten עת antwortet יוֹם eher auf Fragen wie „wie lange?“ und „wann?“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand des alttestamentlichen Zeitverständnisses und skizziert die methodische Vorgehensweise durch die Analyse spezifischer Begriffe sowie Zeitkonzepte.
2 Zeitbegriffe im Alten Testament: Dieses Kapitel untersucht die drei hebräischen Schlüsselbegriffe für Zeit (Tag, Zeit, Ewigkeit) und beleuchtet deren unterschiedliche Nuancen und Bedeutungsspektren.
3 Verschiedene Zeitverständnisse: Das Kapitel vergleicht das mythisch-zyklische mit dem geschichtlich-linearen Zeitverständnis und diskutiert deren mögliche Integration im biblischen Denken.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse fassen die Analyse zusammen und verdeutlichen, dass Zeit im Alten Testament primär durch Ereignisse und göttliches Handeln strukturiert wird.
Schlüsselwörter
Altes Testament, Zeitbegriffe, Zeitverständnis, jôm, ēt, ôlām, zyklisch, linear, Ewigkeitsverständnis, Schöpfungsordnung, Geschichte, Naturzyklen, Gottes Handeln, Hebräisch, Exegese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Verständnis des Begriffs Zeit im Alten Testament und die damit verbundenen Vorstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die linguistische Untersuchung biblischer Zeitbegriffe sowie die Abgrenzung und Verknüpfung von zyklischen und linearen Zeitkonzepten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Bild davon zu entwerfen, wie Zeit im Alten Testament verstanden, verwendet und sprachlich ausgedrückt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse hebräischer Begrifflichkeiten in ihrem Kontext und den Vergleich theologischer sowie philosophischer Ansätze zur Zeitdeutung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Begriffe Tag, Zeit und Ewigkeit sowie eine detaillierte Gegenüberstellung verschiedener antiker Zeitverständnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Altes Testament, Zeitverständnis, Zyklizität, Linearität, Hebräisch und biblische Exegese.
Wie unterscheidet sich der biblische Ewigkeitsbegriff von heutigen Vorstellungen?
Im biblischen Sinn beschreibt Ewigkeit keine abstrakte zeitliche Unendlichkeit, sondern eine Form von „Gotteszeit“ oder den vollkommenen Besitz des Lebens, die für Menschen in irdischer Endlichkeit nicht erreichbar ist.
Was bedeutet die „Semiotisierung des Kosmos“ im Kontext der Zeitverständnisse?
Der Autor ordnet das zyklische Zeitverständnis als eine „Semiotisierung des Kosmos“ ein, während das lineare Zeitverständnis als eine „Semiotisierung der Geschichte“ verstanden wird.
Inwiefern beeinflusst das „Mazzotfest“ das Verständnis von Zeit?
Das Mazzotfest dient als Beispiel für eine Verknüpfung von Naturzyklen mit geschichtlichen Ereignissen, da es sowohl einen Agrarzyklus abbildet als auch an den Exodus erinnert.
- Arbeit zitieren
- Michael van Zadel (Autor:in), 2015, Tag, Zeit und Ewigkeit. Zeitbegriffe und Zeitvorstellungen im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/303655