Ist die Schule auf den Hund gekommen?
Anscheinend ja. Langsam aber sicher erhält das Thema Schulhund mehr Aufmerksamkeit in bundesdeutschen Schuleinrichtungen. In der vorliegenden Arbeit geht der Autor der Wirkung von Schulhunden auf die Motivation der Schüler nach. Dies erfolgt in zwei Teilen: in einem theoretischen und einem empirischen Teil. Im theoretischen Teil der Ausarbeitungen wird zunächst das Feld der Motivation in Augenschein genommen. Dabei wird auf die Entstehung von Motivation, die Konstrukte der Lern- und Leistungsmotivation sowie die extrinsische und intrinsische Motivation eingegangen.
Im Anschluss daran findet eine genaue Auseinandersetzung mit der Disziplin der tiergestützten Arbeit statt, verbunden mit einer Kategorisierung der Disziplin und Formulierungen von Definitionen. Bevor abschließend die Kombination Schule und Hund genauer unter die Lupe genommen wird, werden Forschungsergebnisse zu den Wirkungen von Tieren auf Menschen detailliert vorgestellt.
Der empirische Teil der Abhandlung beinhaltet die Vorstellung des Einsatzes von Hunden an Grundschulen im Landkreis Ravensburg sowie die Formulierung einer Forschungshypothese, welche mittels einer Befragung von Schülern mit und ohne Schulhundkontakt eruiert wird. In Form eines Resümees werden die Ergebnisse der Forschung zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motivation
2.1 Motiv
2.2 Zur Entstehung von Motivation
2.3 Lern- und Leistungsmotivation
2.4 Extrinsische und Intrinsische Lernmotivation
2.5 Motivationsförderung
3. Geschichte und Entwicklung der tiergestützten Arbeit
3.1 Farmtherapie
3.2 Tiergestützte Therapie
3.3 Empirische Erforschung der tiergestützten Arbeit
3.4 Organisationen und Stiftungen zur Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung
4. Problematik des theoretischen Konstrukts der tiergestützten Arbeit
5. Tiergestützte Arbeit – ein Kategorisierungs- und Definitionsversuch
6. Wirkungen tiergestützter Interventionen
6.1 Alltagsbeziehung Mensch-Tier
6.1.1 Die Biophilie-Hypothese
6.1.2 Die Spiegelneuronen-Hypothese
6.1.3 Die Bindungstheorie
6.1.4 Das Konzept der Du-Evidenz
6.1.5 Das Kindchenschema
6.1.6 Oxytozin
6.2 Mensch-Tier-Beziehung im Kontext tiergestützter Interventionen
6.2.1 Die Eisbrecher-Theorie
6.2.2 Angstreduktion, Entspannung Stimmungsaufhellung
6.2.3 Kommunikationsförderung
6.2.4 Motivationssteigerung
6.2.5 Anstieg der Selbstwirksamkeit
6.2.6 Verbesserung zwischenmenschlicher Interaktionen
6.2.7 Ermöglichen von Reflexion
6.3 Wirkungsphasen von Tieren im Rahmen von Interventionen
6.4 Kategorisierung der Wirkungen tiergestützter Interventionen
7. Mensch-Hund-Beziehung
7.1 Kurze Geschichte des Hundes und seiner Domestizierung
7.2 Die Rolle des Hundes in der Gesellschaft
8. Schule und Hund
8.1 Definition ,Schulhund'
8.2 Bedingungen an den Schulhund
8.3 Das Lehrer-Schulhund-Team
8.4 weitere Rahmenbedingungen hinsichtlich des Schulhundeeinsatzes
8.5 Aktueller Einsatz von Schulhunden im deutschsprachigen Raum
8.6 Aktueller Forschungsstand
9. Ergebnisse der Vorstudie
10. Forschungshypothese
11. Methodisches Vorgehen
11.1 Auswahl eines geeigneten Erhebungsinstrumentes
11.1.1 SELLMO
11.1.2 LMT
11.1.3 FLM 4-6
11.2 Zur Wahl der befragten Grundschüler im Landkreis Ravensburg
11.2.1 Die Interventionsgruppe
11.2.2 Die Kontrollgruppe
11.2.3 Die Stichprobengröße
11.2.4 Durchführung der Erhebungen
11.2.5 Datenqualität
12. Ergebnisauswertung
12.1 Ergebnisse des FLM 4-6
12.1.1 Leistungsstreben
12.1.2 Ausdauer und Fleiß
12.1.3 Angst vor Erfolg
12.1.4 Hemmende Prüfungsangst
12.2 Ergebnisse des IMI
12.3 Korrelationsanalyse – FLM 4-6 und IMI
13. Résumé und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Einsatzes von Schulhunden auf die Lern- und Leistungsmotivation von Grundschülern im Landkreis Ravensburg. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, festzustellen, ob Schüler, die regelmäßig mit einem Schulhund arbeiten, eine höhere Lern- und Leistungsmotivation aufweisen als eine Kontrollgruppe ohne Schulhundkontakt.
- Theoretische Grundlagen zur Motivation und Lernmotivation
- Entwicklung und Kategorisierung der tiergestützten Arbeit
- Wirkungsmechanismen der Mensch-Tier-Beziehung
- Empirische Evaluation mittels FLM 4-6 und IMI-Fragebögen
Auszug aus dem Buch
6.2.1 Die Eisbrecher-Theorie
Spätestens seit LEVINSONs zufälliger Entdeckung ist bekannt, dass Tiere als Eisbrecher beziehungsweise Brückenbauer fungieren können. Insbesondere Kinder sind gegenüber Tieren sehr kontaktfreudig und reagieren emotional auf diese. Etliche Studien (u.a. WELLS/PERRINE 2001; REICHERT 1998; ROSSBACH et al. 1992) lassen den Schluss zu, dass Tiere helfen pädagogischen respektive therapeutischen Situationen entspannter und offener entgegen zu treten, zu Gesprächen anregen (vgl. WOHLFARTH/MUTSCHLER/BITZER 2013, 13f).
Weitere Studien mit Hunden (u.a. SCHNEIDER/HARLEY 2006; REICHERT 1998; ZILCHA-MANO et al. 2011) verdeutlichen, dass z.B. Lehrpersonen, die ihren Hund in der Schule einsetzen, als sympathischer von den Schülern wahrgenommen werden und dass Hunde zu einem empathischen Miteinander anregen sowie dass sich die Bereitschaft zur Selbstmitteilung in Anwesenheit eines Hundes steigert (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Schulhunde ein und erläutert das Ziel der Arbeit, die Wirkung auf die Motivation von Grundschülern zu erforschen.
2. Motivation: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe der Motivationspsychologie, wie Motiv und Motivation, und erläutert die Konstrukte der Lern- und Leistungsmotivation.
3. Geschichte und Entwicklung der tiergestützten Arbeit: Der historische Abriss skizziert die Anfänge der tiergestützten Arbeit, von der Farmtherapie bis zu modernen Ansätzen, und beleuchtet die Rolle relevanter Forschungsorganisationen.
4. Problematik des theoretischen Konstrukts der tiergestützten Arbeit: Hier wird die konzeptionelle Heterogenität und der Mangel an einheitlichen Standards in der tiergestützten Disziplin kritisch diskutiert.
5. Tiergestützte Arbeit – ein Kategorisierungs- und Definitionsversuch: Dieses Kapitel stellt verschiedene Klassifizierungsmodelle, insbesondere das von BEETZ, vor, um eine wissenschaftliche Basis für die Arbeit zu schaffen.
6. Wirkungen tiergestützter Interventionen: Hier werden theoretische Erklärungsmodelle zur Wirkung von Tieren vorgestellt und spezifische Effekte, wie Angstreduktion und Motivationssteigerung, analysiert.
7. Mensch-Hund-Beziehung: Dieses Kapitel beleuchtet die Geschichte der Domestizierung des Hundes und dessen heutige Rolle als Familien- und Begleithund in der Gesellschaft.
8. Schule und Hund: Hier wird der spezielle Kontext der Schule betrachtet, Definitionen für den Schulhund festgelegt und Rahmenbedingungen sowie Anforderungen an das Lehrer-Schulhund-Team definiert.
9. Ergebnisse der Vorstudie: Die Vorstudie gibt einen Überblick über den aktuellen Einsatz von Schulhunden an Grundschulen im Landkreis Ravensburg.
10. Forschungshypothese: Das Kapitel formuliert die zentrale Hypothese der Arbeit, dass Schüler mit Schulhundkontakt motivierter sind als Schüler ohne diesen Kontakt.
11. Methodisches Vorgehen: Hier werden die Auswahl der Testinstrumente (FLM 4-6, IMI) und die Durchführung der Befragung im empirischen Teil detailliert beschrieben.
12. Ergebnisauswertung: Dieses Kapitel präsentiert die Datenanalyse, die statistische Auswertung der Testergebnisse und interpretiert die Befunde hinsichtlich der Forschungshypothese.
13. Résumé und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Verifikation bzw. Falsifikation der Hypothese und gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Schulhund, Lernmotivation, Leistungsmotivation, tiergestützte Pädagogik, Grundschule, FLM 4-6, IMI, Mensch-Tier-Beziehung, Selbstwirksamkeit, Angst vor Erfolg, Prüfungsangst, Intervention, Erwartungs-x-Wert-Modell, Bindungstheorie, Biophilie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie der Einsatz von Schulhunden im Unterricht die Lern- und Leistungsmotivation von Grundschülern beeinflussen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die pädagogische Motivationspsychologie, die Theorie und Praxis tiergestützter Interventionen sowie die Mensch-Hund-Beziehung im schulischen Setting.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob Schüler, die regelmäßig von einem Schulhund begleitet werden, eine höhere Lern- und Leistungsmotivation zeigen als eine Kontrollgruppe.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet ein standardisiertes, quantitatives Verfahren (FLM 4-6) zur Erfassung der Leistungsmotivation und das Intrinsic Motivation Inventory (IMI) zur Messung der intrinsischen Motivation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Grundlagen der Motivation, Geschichte der tiergestützten Arbeit, Wirkungsmodelle) und einen empirischen Teil (Vorstudie, Untersuchung an Schulen, Ergebnisauswertung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Schulhund, Lern- und Leistungsmotivation, tiergestützte Pädagogik, Selbstwirksamkeit, Bindungstheorie und empirische Evaluation.
Welche Besonderheit weist der Schulhund „Ronja“ auf?
Ronja ist keinem speziellen Lehrer fest zugeordnet, sondern gehört dem Hausmeister, was ihr eine freiere Rolle auf dem Schulgelände in Neuravensburg ermöglicht.
Wie unterscheidet sich die Interventionsgruppe von der Kontrollgruppe in der Ergebnisinterpretation?
Die Interventionsgruppe zeigt ein signifikant höheres Leistungsstreben, weist jedoch in Teilbereichen wie „Angst vor Erfolg“ höhere Werte auf, was der Autor mit dem stärkeren sozialen Zusammenhalt und der Gruppendynamik erklärt.
Was zeigt die Korrelationsanalyse zwischen FLM 4-6 und IMI?
Die Korrelationsanalyse zeigt keinen signifikanten direkten Zusammenhang zwischen den Skalen der Leistungsmotivation und den Ergebnissen des IMI, was für die Unabhängigkeit der gemessenen motivationalen Konstrukte spricht.
Welche Empfehlung gibt der Autor für die Zukunft des Schulhundeeinsatzes?
Der Autor empfiehlt eine Standardisierung der Ausbildung für Hund und Lehrkraft sowie die Orientierung an etablierten österreichischen Vorbildern, um die Qualität und Wirksamkeit tiergestützter Pädagogik zu sichern.
- Quote paper
- Benjamin Burg (Author), 2015, Therapiehunde in der Schule. Die Unterschiede in der Lern- und Leistungsmotivation der Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/303494