Die jüngste Finanzkrise lässt einige Nachwirkungen verspüren. Viele Großbanken trauen dem InvestmentBanking nicht mehr und scheuen das gestiegene Risiko. Eine Umorientierung zum vernachlässigten Privatkundengeschäft findet statt. Doch hier ist der Wettbewerb durch den Markteintritt vieler Neulinge wie den sogenannten NonBanks und vor allem den Direktbanken erheblich verschärft worden. Die etablierten Genossenschaftsbanken stellt dies vor enorme Herausforderungen.
Nicht nur der Bankenmarkt, sondern auch die Erwartungshaltung der Kunden bezüglich ihrer Bankverbindung hat eine Veränderung widerfahren. Hauptverantwortlich hierfür sind der technische Wandel und der daraus entstehende erhöhte Wettbewerb der Banken sowie die jüngste Finanzkrise.
Der heutige Bankkunde ist erheblich preissensibler und bequemer geworden. Er verlangt die Möglichkeit nach einer zeit- und ortsunabhängigen Verrichtung seiner Bankgeschäfte. Darüber hinaus sind die Ansprüche bezüglich der Beratungsqualität erheblich gestiegen. Auch das Sicherheitsbedürfnis bei der Inanspruchnahme von Bankdienstleistungen im Internet angesichts vermehrter Hackerangriffe in der Vergangenheit hat zugenommen. Nicht zuletzt wünschen sie sich ein wieder erstarktes Vertrauensverhältnis zu ihrer Bank. Aber auch allgemeine Transparenz spielt eine wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Bedeutung von Kundenzufriedenheit
2.1 Das C/D-Paradigma
2.2 Kundenbindung und ökonomischer Erfolg als Konsequenz von Kundenzufriedenheit
3. Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen auf die Erwartungshaltung der Bankkundschaft
4. Wesen und Strategie der Direktbanken
5. Möglichkeiten zur Erreichung von Kundenzufriedenheit in Genossenschaftsbanken
5.1 Produktpolitik
5.2 Distributionspolitik
5.3 Personalpolitik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Genossenschaftsbanken ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Direktbanken durch die gezielte Steigerung der Kundenzufriedenheit sichern können, indem sie die Vorteile der persönlichen Beratung mit modernen digitalen Erwartungen in Einklang bringen.
- Entwicklung und Messung von Kundenzufriedenheit im Bankensektor
- Analyse der veränderten Kundenerwartungen durch Digitalisierung und Finanzkrise
- Strategien und Alleinstellungsmerkmale von Direktbanken
- Optimierung der Produkt-, Distributions- und Personalpolitik in Genossenschaftsbanken
- Herausforderungen der Beratungsqualität im digitalen Zeitalter
Auszug aus dem Buch
2. Entstehung und Bedeutung von Kundenzufriedenheit
Zufriedenheit ist ein Begriff, der im Allgemeinen positiv belegt ist und im Alltag selbstverständlich und unproblematisch verwendet wird. Menschen assoziieren mit ihm in der Regel ein angenehmes Gefühl, welches als Befriedigung, Glück, Freude, Genugtuung oder allgemeinem Wohlbefinden beschrieben werden kann.
Zur Erläuterung der Entstehung von Kundenzufriedenheit existieren in der Literatur mehrere Ansätze. Der am weitesten verbreitete und anerkannteste Ansatz ist der des Konfirmation/Diskonfirmation-Paradigmas, welcher auch häufig nur in gekürzter Form als C/D-Paradigma vorzufinden ist. Kundenzufriedenheit entsteht demnach im Rahmen eines emotionalen, psychischen Vorgangs, bei dem der Kunde die wahrgenommene Leistung (Ist-Leistung) mit seinen individuellen Erwartungen (Soll-Leistung) in einen Vergleich bringt. Übersteigt die wahrgenommene Leistung die Erwartungen (Ist > Soll), führt dies nach dem C/D-Paradigma zu Zufriedenheit. Werden die Erwartungen nicht erfüllt (Ist < Soll), reagiert der Kunde mit Unzufriedenheit.
Uneinig in der Literatur ist man sich darüber, ob die reine Erfüllung, aber nicht Übertreffung der Erwartung (Ist = Soll), zu Kundenzufriedenheit führt. Hiervon soll im Folgenden ausgegangen werden. Einigkeit herrscht allerdings über die Tatsache, dass eine deutliche Übererfüllung der Erwartung zu einer höheren Kundenzufriedenheit bzw. ggf. sogar zu Begeisterung führt als eine nur leichte Erwartungsübertreffung. Somit ist der Grad der Kundenzufriedenheit vom Grad der Erwartungserfüllung abhängig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit für Genossenschaftsbanken, sich in einem verschärften Wettbewerb durch das Angebot von Kundenzufriedenheit neu zu positionieren.
2. Entstehung und Bedeutung von Kundenzufriedenheit: Dieses Kapitel erläutert das C/D-Paradigma und die zentrale Bedeutung von Kundenbindung sowie deren positiven Einfluss auf den ökonomischen Erfolg.
3. Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen auf die Erwartungshaltung der Bankkundschaft: Hier werden technische Innovationen, die Finanzkrise und der Wandel zu einem kritischeren und preissensibleren Bankkunden analysiert.
4. Wesen und Strategie der Direktbanken: Der Fokus liegt auf der typischen Direktbank-Strategie, die über Internetvertrieb, Transparenz und hohe Mobilität den modernen Kunden anspricht.
5. Möglichkeiten zur Erreichung von Kundenzufriedenheit in Genossenschaftsbanken: Das Kapitel diskutiert konkrete Maßnahmen in den Bereichen Produkt-, Distributions- und Personalpolitik, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung ab, wonach Genossenschaftsbanken durch die Kombination aus persönlicher Beratung und digitaler Anpassung langfristig bestehen können.
Schlüsselwörter
Kundenzufriedenheit, Genossenschaftsbanken, Direktbanken, Bankenwettbewerb, C/D-Paradigma, Kundenbindung, Beratungsqualität, Digitalisierung, Personalpolitik, Online-Banking, Videoberatung, Finanzkrise, Transparenz, Multi-Channel-Vertrieb, VR-Protect.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit diskutiert, wie traditionelle Genossenschaftsbanken ihre Kundenzufriedenheit sichern können, während sie gleichzeitig unter hohem Wettbewerbsdruck durch Direktbanken stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entstehung von Kundenzufriedenheit, veränderte Erwartungen im Banksektor, die Strategien von Direktbanken und die Anpassungsmöglichkeiten für Filialbanken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Genossenschaftsbanken ihre Stärken, insbesondere die persönliche Beratung, in einer zunehmend digitalen und preissensiblen Welt effektiv einsetzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erläuterung der Kundenzufriedenheit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf das sogenannte Konfirmation/Diskonfirmation-Paradigma (C/D-Paradigma), welches den Vergleich zwischen Soll-Erwartung und Ist-Leistung beschreibt.
Welche Bereiche werden im Hauptteil zur Strategieentwicklung behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Produktpolitik (z.B. IT-Sicherheit), Distributionspolitik (z.B. neue Vertriebswege wie Videoberatung) und Personalpolitik (Motivation und Fachkompetenz).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Kundenzufriedenheit, Kundenbindung, Multi-Channel-Vertrieb, persönliche Beratung und die Wettbewerbssituation zwischen Filial- und Direktbanken.
Welche Rolle spielt die "Videoberatung" in den Überlegungen des Autors?
Der Autor sieht die Videoberatung als eine Möglichkeit, die zeitliche und örtliche Flexibilität der Direktbanken mit der Qualität der persönlichen Beratung der Genossenschaftsbanken zu kombinieren.
Warum wird "VR-Protect" als Produktinnovation in der Arbeit angeführt?
VR-Protect soll Sicherheitsbedenken beim Online-Banking ausräumen und somit Kunden gewinnen, die aufgrund von Angst vor Hackerangriffen bisher auf reine Internet-Dienstleistungen verzichtet haben.
- Quote paper
- Tim Stolle (Author), 2015, Kundenzufriedenheit in Genossenschaftsbanken. Analyse der Beeinflussungsstrategien von Direktbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/302709