Gedanken an kulturfremde Gesellschaften lösen in jedem Individuum unwillkürlich bestimmte Vorstellungen hervor. Diese Ansichten können der Wahrheit entsprechen, stimmen aber nicht ausnahmslos mit der Realität überein. Im herkömmlichen Sprachgebrauch werden diese Vorstellungen als Klischees bezeichnet, wohingegen in der Wissenschaft der Begriff Stereotypen verwendet wird.
Diesbezüglich assoziiere ich beispielsweise die italienische Kultur und Gesellschaft automatisch mit Pizza, Pasta und der Mafia. Des Weiteren habe ich das Bild einer Gesellschaft im Kopf die sehr laut ist und auffällig gestikuliert. Demzufolge stellte es sich als interessant heraus zu erfahren, wie Italiener selbst über ihre Gesellschaft denken.
In der vorliegenden Arbeit soll dementsprechend untersucht werden und der folgenden Forschungsfrage nachgegangen werden: Inwieweit bestehen gesellschaftliche, kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen Nord- und Süditalienern und wie lassen sich diese Unterschiede, in Bezug auf die Problematik der Stereotypen, als Zeichen analysieren?
Zur Beantwortung der Frage wurden zwei Leitfaden-Interviews durchgeführt, wobei die erste Interviewpartnerin eine Repräsentantin der norditalienischen und die zweite Interviewpartnerin eine Repräsentantin der römischen Gesellschaft darstellt. Obwohl Rom geographisch gesehen in Mittelitalien liegt sprachen die Interviewerinnen selbst oftmals von Süditalien, weshalb in der Analyse Nord- und Süditalien im Vergleich stehen.
Der Aufbau dieser Arbeit gestaltet sich wie folgt: Vorerst wird die Methode des Leitfaden-Interviews vorgestellt (Kap. 2). Für ein besseres Verständnis werden danach die Begriffe Semiotik und Stereotypen erläutert (Kap. 3). Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der semiotischen Analyse ausgewählter sprachlicher und nicht-sprachlicher Zeichen. Dabei werden die Schilderungen von Seiten der Befragten über die jeweils eigene und die kulturfremde Gesellschaft gegenübergestellt und verglichen. Schließlich werden relevante Resultate der Analyse zusammenfassend betrachtet (Kap. 4). Den Abschluss dieser Arbeit bildet das Fazit, in welchem die Ergebnisse der Analyse interpretativ dargestellt werden sowie ein Ausblick für anschließende Forschungsvorhaben erläutert wird (Kap. 5).
Der Rahmen dieser Arbeit ist begrenzt, weshalb sich die Auswahl der zu analysierenden Aussagen und Gesten aus den Interviews auf wenige beschränkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methode: Leitfaden-Interview
3. Einführende Begriffserklärungen
3.1 Semiotik: Was ist das?
3.2 Definition: Stereotyp
4. Semiotische Analyse der Resultate
4.1 Norditalien
4.1.1 Persönliche Einschätzung spezifischer Merkmale der eigenen Gesellschaft und Kultur
4.1.2 Linguistische Besonderheiten
4.2 Süditalien - Rom -
4.2.1 Persönliche Einschätzung spezifischer Merkmale der eigenen Gesellschaft und Kultur
4.2.2 Linguistische Besonderheiten
4.3 Autostereotypen und Heterostereotypen im Vergleich
4.3.1 Rom über Norditalien
4.3.2 Norditalien über Rom
5. Zusammenfassung der Resultate in Bezug auf die Problematik: Stereotypen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer semiotischen Analyse, inwieweit gesellschaftliche, kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen Nord- und Süditalienern bestehen und wie diese Unterschiede im Kontext von Stereotypen als Zeichen interpretiert werden können.
- Semiotische Untersuchung sprachlicher und non-verbaler Zeichen
- Analyse von Auto- und Heterostereotypen
- Vergleich der Gesellschaften von Norditalien und Rom
- Untersuchung von Identitätskonstruktionen und kulturellen Eigenheiten
- Methodische Grundlage durch Leitfaden-Interviews
Auszug aus dem Buch
4.1 Norditalien
Die erste Interviewte ist 29 Jahre alt und kommt aus einer Grenzregion in Norditalien, die sich Friuli Venezia Giulia nennt. Sie lebt seit 4 Jahren in Deutschland und hat Politikwissenschaften in Padova studiert. In der folgenden Analyse wird die erste Interviewte fortlaufend mit B1 gekennzeichnet.
Der erste zu betrachtende Ausdruck, der in Form eines sprachlichen Zeichens den Representamen darstellt, lautet wie folgt: „[...] ich finde ein bisschen, ich würde sagen, so eine ein bisschen konservative Gesellschaft, sehr orientiert an Arbeit, Arbeit, Arbeit [...]“ Dieser Ausdruck stellt gleichzeitig den unmittelbaren Interpretanten dar, weil mit der Aussage ausgedrückt wird, was B1 mit diesem sprachlichen Zeichen inhaltlich mitteilen möchte und zwar, dass das zu Bezeichnende: die Gesellschaft Norditaliens, sehr auf Arbeit konzentriert ist. Der erste Ausdruck des Zeichens löst bei mir als Interviewerin und demnach Empfängerin der Aussage eine bestimmte Vorstellung hervor, welche als dynamischer Interpretant zu bezeichnen ist und darauf hinweist, wie ich die Aussage von B1 tatsächlich verstanden habe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche die kulturellen, gesellschaftlichen und sprachlichen Unterschiede zwischen Nord- und Süditalienern auf Basis der Semiotik untersucht.
2. Methode: Leitfaden-Interview: Die Autorin erläutert die Wahl des teilstandardisierten Leitfaden-Interviews als qualitative Erhebungsmethode zur Gewinnung individueller Sichtweisen.
3. Einführende Begriffserklärungen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Semiotik nach Peirce sowie die wissenschaftliche Definition des Begriffs Stereotyp dargelegt.
4. Semiotische Analyse der Resultate: Das Kernkapitel analysiert ausgewählte Aussagen und Gesten der Interviewpartnerinnen in Bezug auf ihre jeweilige Herkunft und die damit verbundenen Stereotypen.
5. Zusammenfassung der Resultate in Bezug auf die Problematik: Stereotypen: Die Ergebnisse der Analyse werden hier zusammenfassend betrachtet, um die identifizierten Unterschiede zwischen den Regionen als Stereotypen einzuordnen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchung zusammen und reflektiert die Ergebnisse sowie die methodischen Einschränkungen der Arbeit.
Schlüsselwörter
Semiotik, Stereotypen, Norditalien, Rom, Leitfaden-Interview, Autostereotypen, Heterostereotypen, Kultur, Gesellschaft, Sprachliche Unterschiede, Nicht-sprachliche Zeichen, Identität, Interkulturelle Kommunikation, Zeichenanalyse, Kulturvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht gesellschaftliche, kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen Nord- und Süditalienern unter Verwendung einer semiotischen Analyse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse von Stereotypen, kulturellen Identitäten und die semiotische Decodierung von Sprache und Gestik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es herauszufinden, inwieweit Unterschiede zwischen Nord- und Süditalienern bestehen und wie diese als Zeichen im Rahmen der Stereotypen-Problematik analysiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die empirische Datengrundlage bilden zwei qualitative Leitfaden-Interviews, die mittels semiotischer Methoden nach der Theorie von Charles Sanders Peirce ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil findet die semiotische Analyse der Interviews statt, unterteilt in die Betrachtung von Norditalien, der Region Rom sowie den direkten Vergleich von Auto- und Heterostereotypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Semiotik, Stereotypen, Kulturvergleich, Norditalien und Rom definieren.
Wie gehen die Interviewpartnerinnen mit dem Begriff "Arbeit" um?
Die norditalienische Interviewpartnerin betont eine starke Orientierung an Arbeit und eine konservative Haltung, während die römische Partnerin den Fokus stärker auf Lebensfreude und Spaß legt.
Welche Rolle spielen Gesten in der Analyse?
Gesten werden als nicht-sprachliche Zeichen analysiert, die das Gesagte (wie etwa die Identifikation mit der eigenen Region) unterstreichen und Bedeutungsträger für das jeweilige Wir-Gefühl sind.
Was ist die Bedeutung des Wortes "Daje" im Kontext der Untersuchung?
Es wird als römisches Universalwort identifiziert, das in verschiedenen Kontexten verwendet wird und als linguistische Besonderheit der römischen Region dient.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zu Stereotypen?
Stereotypen werden als komprimierte Bilder der Realität identifiziert, die zwar zur Orientierung dienen, aber selten der komplexen Wirklichkeit gerecht werden und oft negative Konnotationen enthalten.
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- Christin Franke (Author), 2014, Stereotypen im Vergleich. Kulturelle, gesellschaftliche und sprachliche Unterschiede zwischen Nord- und Süditalien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/302241