Die Kindertagesstätte als Ausbildungsort, oder besser als Ausbildungsbetrieb, hat leider noch nicht das Denken wie in anderen Ausbildungsbetrieben, wie beispielsweise im Handwerk oder der Wirtschaft, erreicht.
Bei dem Wirtschaftsunternehmen Bosch zum Beispiel, managen die Azubis für einen gewissen Zeitraum eine Abteilung. Die Produkte gehen weiterhin regulär in den Verkauf. Der große Vorteil einer solchen Ausbildung liegt darin, dass die Lehrlinge nicht nur Teile der Abläufe kennenlernen, sondern von der Auftragsannahme bis zum Verkauf jeden einzelnen Schritt selbst organisieren müssen. So erhalten die Azubis tiefe Einblicke in die Firmen und lernen, was es bedeutet, richtige Verantwortung für etwas übernehmen zu müssen und wie wichtig dabei die Teamarbeit ist (vgl. focus.de).
Es stellt sich nun die Frage, wie die Ausbildung bei den angehenden Erzieherinnen stattfindet? Beginnt man die Frage auf der Suche nach Auszubildenden in den Kindertagesstätten, findet man häufig folgende Antworten: „Ja, wir haben Praktikantinnen“, oder „Ja, wir haben Praktikanten von der Erzieherschule“. Doch wer sind diese Praktikantinnen? Sie sind pädagogische Fachkräfte im letzten Ausbildungsjahr, die kompetent werden sollen für das Berufsleben im pädagogischen Alltag, die Verantwortung übernehmen müssen für die Kinder, welche sie in ihrer Entwicklung begleiten und fördern sollen. Es muss daher eine Zusammenarbeit stattfinden zwischen Fachschule, Kindertagesstätte und Auszubildenden.
Im Lernort Kindertagesstätte findet der fachpraktische Teil der Ausbildung statt. Im Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 01.12.2011 heißt es:
„Die Ausbildung muss eine enge Theorie – Praxisverknüpfung sicherstellen. Ausgangspunkt für die Bearbeitung von sozialpädagogischen Problemlagen müssen relevante Praxissituationen sein.“ „Der wechselseitige Bezug der Lernorte Fachschule und Praxis ist integraler Bestandteil der Ausbildung und erfordert von Fachschulen ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft“ (Kultusministerkonferenz).
Die Beschreibung dieser Lernortkooperation im Bericht der Kultusministerkonferenz soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Ziele und Standards werden formuliert und für die Praxis anwendbar gemacht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung Lernortkooperation
3. Ist Analyse und Ihre Folgen
3.1 Beschreibung der Ist Situation
3.2 Die Folgen der Ist Situation
4. Ziele der Lernortkooperation
4.1 Ziele aus politischer – wirtschaftlicher Sicht
4.2 Ziele aus didaktisch – methodischer Sicht
5. Standards für die Kooperation der Lernorte Fachschule und Praxisstelle
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die bestehende Problematik der Lernortkooperation zwischen Fachschulen und Kindertagesstätten. Ziel ist es, Defizite aufzuzeigen, notwendige Standards für eine effektivere Zusammenarbeit zu formulieren und Strategien zur Verbesserung der praktischen Ausbildung angehender pädagogischer Fachkräfte abzuleiten.
- Analyse der aktuellen Ist-Situation der Lernortkooperation
- Vergleich der Ausbildungsstrukturen zwischen Sozialpädagogik und Wirtschaft
- Definition politischer, wirtschaftlicher und didaktischer Ziele
- Entwicklung konkreter Kooperationsstandards
- Stärkung der Theorie-Praxis-Verknüpfung
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung der Ist Situation
Grundlage für eine gute Lernortkooperation ist die Analyse der Ist – Situation. In einer Studie des Bundesinstitutes für Berufsbildung BIBB wird die Kooperation mit Fachschulen aus Sicht der Praxis als mangelhaft bezeichnet. Die Kontakte zwischen Fachschule und Ausbildungsstelle beziehen sich oft auf Gespräche, Telefonate und Anschreiben zur Kommunikation, Sprechtage in der Schule, aber nicht mehr (vgl. Euler, Seite 25 f.).
Zu beobachten ist dies in vielen Kindertagesstätten gleichermaßen. Weiterhin ist anzumerken, dass die Lehrenden einer Schule, keine einheitlichen Richtlinien haben. Dieses erschwert die Arbeit und Kooperation mit dem Lernort Kindertagesstätte erheblich. Die Auszubildenden sind verunsichert und suchen Hilfe im Betrieb. Oftmals ergeben sich schon die ersten Probleme bei der Koordination von Inhalten, Lehrplänen und Terminen. Die unterschiedlichen Konzepte der Einrichtungen und auch Fachschulen stellen häufig Stolpersteine dar. Weiterhin werden Informationen meist über die Auszubildenden vermittelt und eine telefonische Rücksprache ist aufgrund der Erreichbarkeit der Fachlehrenden schwierig. Die Praxis bemängelt ebenso die, wenn überhaupt stattfindend, zeitlich großen Abstände oder schlechte Koordination der so notwendigen Praxisbesuche. Hier ist ein großes Maß an mehr Flexibilität erforderlich, was für die betreuenden Lehrkräfte, aufgrund ihrer Arbeit nahezu kaum umsetzbar ist.
Durch die Trennung der Lernorte in Raum, Zeit, Standort etc. ist das gegenseitige Verständnis füreinander schwer. Es gibt wenig Einblicke für den anderen Lernort und die verschiedenen Arbeitsbereiche. Daher findet die Kommunikation oftmals auch über die Auszubildenden statt, was sicherlich nicht die optimale Lösung darstellt (vgl. Fläming, Seite 27).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Defizite in der aktuellen Ausbildungslandschaft der Kindertagesstätten im Vergleich zur Wirtschaft und stellt die Notwendigkeit einer verbesserten Lernortkooperation heraus.
2. Begriffsbestimmung Lernortkooperation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Lernortkooperation als zeitlich befristete Zusammenarbeit zur Erfüllung von Ausbildungsaufgaben und benennt deren zentrale Inhalte.
3. Ist Analyse und Ihre Folgen: Es werden die Mängel in der aktuellen Kommunikation zwischen Fachschule und Praxis sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Auszubildenden analysiert.
4. Ziele der Lernortkooperation: Das Kapitel differenziert zwischen politisch-wirtschaftlichen sowie didaktisch-methodischen Zielen, die eine hochwertige Berufsausbildung sicherstellen sollen.
5. Standards für die Kooperation der Lernorte Fachschule und Praxisstelle: Hier werden konkrete, bundeseinheitlich erstrebenswerte Standards für die Zusammenarbeit der Akteure aufgelistet.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass zwar Ansätze zur Kooperation bestehen, jedoch ein grundlegendes Umdenken und die Implementierung verbindlicher Umsetzungsmaßnahmen zwingend erforderlich sind.
Schlüsselwörter
Lernortkooperation, Kindertagesstätte, Fachschule, Berufsausbildung, Praxisanleitung, Theorie-Praxis-Verknüpfung, Erzieherausbildung, Kooperationsstandards, Bildungsmanagement, Ausbildungsqualität, Personalentwicklung, Resilienzbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gegenwärtige Situation und Qualität der Lernortkooperation zwischen Fachschulen und Kindertagesstätten im Bereich der Erzieherausbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Kooperation, die Analyse der Ist-Situation, die formulierte Zielsetzung aus verschiedenen Perspektiven und die Erarbeitung von Qualitätsstandards.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die bestehende Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen, indem Strategien zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Lernorten Fachschule und Praxisstelle aufgezeigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich von Ausbildungsstrukturen, gestützt durch Fachliteratur und Beschlüsse der Kultusministerkonferenz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Ist-Analyse, die Definition politischer, wirtschaftlicher und pädagogischer Ziele sowie die Herleitung von Standards für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lernortkooperation, pädagogische Fachkräfte, Theorie-Praxis-Verknüpfung und Ausbildungsqualität geprägt.
Warum ist die Kooperation im sozialpädagogischen Bereich schwieriger umzusetzen als in der Wirtschaft?
Im Gegensatz zur Wirtschaft, wo Azubis oft frühzeitig reale Verantwortung in Projekten übernehmen, erschweren im pädagogischen Bereich die Trennung von Lernorten und unklare Verantwortlichkeiten die Integration der Auszubildenden.
Welche Rolle spielt die Praxisanleitung bei der Abschlussprüfung?
Die Praxisanleitung fungiert idealerweise als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis und sollte als fachkundige Begleitung aktiv in den Prüfungsprozess einbezogen werden.
- Quote paper
- Tina Keller (Author), 2014, Die Kita als praktischer Ausbildungsort für Erzieher/innen. Lernortkooperation mit der Fachschule-Kita, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/301728