Die gesamte Ausstellung, beziehungsweise Installation, die damals veranstaltet wurde, gab es so nur einmalig. Denn hierfür wurden einzelne Objekte nur für diese erschaffen und sind heute nicht mehr verfügbar. Durch diesen Sachverhalt lässt sich die Ausstellung, im Gegensatz zu Gemälden, Zeichnungen, Fotografien oder Objekten nur durch subjektive Beschreibungen und Erzählungen aus Büchern und Fotos nachbilden und ist schwer nachzuerleben.
„Wie in den Dada-Ausstellungen wurden für die Surrealistenausstellung 1938 einzelne Objekte nur die Gesamtinstallation geschaffen. Damit sind sie wie die Gesamtinstallation heute nur noch durch den subjektiven Blick und die Auswahl von Fotos zu rekonstruieren. Mit Hilfe der Presse-Erklärung der Galerie, Berichten der Beteiligten und der Presse beziehungsweise einzelner Besucher versuchen die vielfältigen wissenschaftlichen Darstellungen, das 'Bild der Ausstellung' wiederzuerwecken. Die öffentlichen Ankündigungen der Ausstellung, die Einladungskarten und besonders der Katalog sind dabei weitere entscheidende Dokumente.“
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Planung und Verwirklichung
Der Eröffnungsabend
Ausstellungskatalog und das Dictionnaire Abrégé
Die Ausstellung
Die schönsten Straßen von Paris im Detail
Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Exposition Internationale du Surréalisme von 1938 als ein wegweisendes Gesamtkunstwerk und radikale Neudefinition des Mediums Ausstellung. Ziel ist es, die innovative Inszenierung, die aktive Rolle der Besucher und die Abkehr von traditionellen Galerie-Konventionen zu analysieren.
- Die konzeptionelle Planung und Rolle von Künstlern wie Marcel Duchamp.
- Die sensorische Gestaltung des Ausstellungsraums als "begehbares Unbewusstes".
- Die Inszenierung der "Les plus belles rues de Paris" und deren symbolische Bedeutung.
- Die Analyse der Ausstellung als schöpferischer Akt und Gegenentwurf zum klassischen Kunstsalon.
Auszug aus dem Buch
Die Ausstellung
Aber nun zum eigentlichen Thema; die Ausstellung. Diese begann mit dem Vorhof. Spannend dabei ist, dass dieser sich im tatsächlichen Vorhof, also nicht erst im Kunstraum, sondern schon davor begann. Hier begegneten die Besucher dem sogenannten Taxi Pluvieux von Salvadore Dalí, von dessen Scheinwerfern sie zunächst geblendet wurden. Dieses Taxi Pluvieux war ein altmodisches Pariser Taxi, das von außen mit lauter Efeu behangen war. Es war angeschlossen an eine Wasserleitung, so dass es im Inneren des Autos ständig nieselte, daher auch der Name Taxi Pluvieux, was auf Deutsch so viel wie ‚das Regentaxi‘ bedeutet. In dem Taxi befanden sich die ersten zwei Mannequins dieser Ausstellung. Diese waren, genauso wie die Künstler und Besucher, dem Ereignis angemessen gekleidet. Auf dem Fahrersitz saß ein haifischköpfiges Wesen, was sich bei näheren Hinsehen als ein männliches Mannequin entpuppte, das ein Haifischgebiss um den Hals trug. Auf der Rückbank finden wir ein weibliches Mannequin mit blonder Perücke, die allem Anschein nach „über das Desaster lächelte.“8 Diese war geschmückt mit Chicorée, Blattsalat und lebendigen Burgunderschnecken. Außerdem finden wir auf der Rückbank neben der Mannequin eine Nähmaschine. „Während die Verfremdungskombinatorik von Haifischgebiß und Autobrille, Abendgarderobe und Schnecken noch ganz dadaistisch anmutet, sind einerseits die Verkehrung von Innen und Außen (der Regen) und andererseits das hier apostrophierte metamorphotische Verhältnis zwischen Totem und Lebendigem, zwischen Zivilisation und Natur spezifisch surrealistisch.“9
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die Problematik, dass eine historische Gesamtinstallation wie die Surrealistenausstellung 1938 heute nur noch durch subjektive Dokumente rekonstruierbar ist.
Planung und Verwirklichung: Erläuterung der organisatorischen Hintergründe und der entscheidenden konzeptuellen Rolle von Marcel Duchamp für das neue, schöpferische Ausstellungserlebnis.
Der Eröffnungsabend: Beschreibung des skandalträchtigen Eröffnungsevents, inklusive des Happenings von Hélène Vanel und der Wirkung auf die zeitgenössische Öffentlichkeit.
Ausstellungskatalog und das Dictionnaire Abrégé: Analyse der begleitenden Publikationen, die sowohl als Informationsquelle als auch zur Betonung der kollektiven Teamarbeit dienten.
Die Ausstellung: Detaillierte Darstellung der räumlichen Inszenierung, beginnend beim Vorhof über den Gang mit den Mannequins bis hin zum Hauptsaal.
Die schönsten Straßen von Paris im Detail: Untersuchung der symbolischen Bedeutung der "Straßen", der verspiegelten Wände und der Inszenierung des Surrealismus als begehbares Unbewusstes.
Zusammenfassung: Fazit zur Ausstellung als radikaler Gegenentwurf zum klassischen Kunstbetrieb und als Abschlussdemonstration der surrealistischen Bewegung.
Schlüsselwörter
Surrealismus, Exposition Internationale du Surréalisme 1938, Marcel Duchamp, Gesamtkunstwerk, Totalinszenierung, Mannequins, Taxi Pluvieux, Ausstellungsgeschichte, Galerie Wildenstein, Avantgarde, Rauminszenierung, André Breton, Schockwirkung, dadaistischer Einfluss, Unbewusstes
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Exposition Internationale du Surréalisme des Jahres 1938 als wegweisendes Beispiel für eine "Totalinszenierung" und als kritischen Gegenentwurf zu konventionellen Kunstausstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Planung und konzeptionelle Gestaltung durch die Surrealisten, die räumliche Wahrnehmung der Ausstellung sowie die gezielte Provokation und emotionale Überwältigung des Publikums.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, wie die Surrealisten mit ihrer Ausstellung von 1938 das Medium der Kunstausstellung neu definierten und als schöpferischen, kollektiven Akt etablierten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer kunsthistorischen Analyse von Primär- und Sekundärquellen, darunter Berichte von Beteiligten, zeitgenössische Pressestimmen und wissenschaftliche Dokumentationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil fokussiert sich auf die räumliche Sequenzierung der Ausstellung – vom "Taxi Pluvieux" im Vorhof über die "schönsten Straßen von Paris" bis hin zum "Angsttraum-Raum" im Hauptsaal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Surrealismus, Gesamtkunstwerk, Totalinszenierung, Marcel Duchamp, Inszenierung, Provokation und begehbares Unbewusstes.
Warum war das Taxi Pluvieux so zentral für den Eingangsbereich?
Das Taxi diente als erste, schockierende Verfremdung, die den Besucher direkt vor dem Betreten der eigentlichen Ausstellungsräume mit surrealistischen Motiven und einer inszenierten Natur-Kultur-Verschränkung konfrontierte.
Welche Bedeutung hatten die "schönsten Straßen von Paris"?
Dieser Teil der Ausstellung fungierte als atmosphärischer Übergang. Die Kombination aus Mannequins, Straßenschildern und Spiegelungen erzeugte eine eigene, fremde Welt und bereitete den Besucher auf den nachfolgenden Hauptsaal vor.
Inwiefern beeinflussten die Surrealisten die Rolle der Besucher?
Durch die Gestaltung (z.B. die Verwendung von Taschenlampen im dunklen Hauptsaal) wurden Besucher von passiven Betrachtern zu aktiven Mitgestaltern und somit zu einem Teil der surrealistischen Inszenierung.
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- Toni Maier (Author), 2015, Die Exposition Internationale du Surréalisme 1938, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/301533