Die Romane "Io non ho paura" von Niccolò Ammaniti und "Cristo si è fermato a Eboli" von Carlo Levi zeigen die Lebensfeindlichkeit im ländlichen Süditalien. Die Vielfalt der Tiere steht allerdings dieser Lebensfeindlichkeit für den Menschen gegenüber. Das Auftreten der Tiere in beiden Romanen steht für die animalische Vorherrschaft in den Regionen gegenüber der menschlichen Zivilisation. Tiere werden als Teil der zerstörerischen Natur betrachtet, weshalb viele der hier auftretenden Tiere in der Mythologie als Botschafter des Todes und des Teufels bezeichnet werden.
In der folgenden Arbeit möchte ich mich damit beschäftigen, inwieweit der Raum des Mezzogiorno lebensfeindlich ist und wieso der Mensch gegenüber der Natur und dem Tierreich eine untergeordnete Stellung einnimmt. Zuerst werde ich im folgenden Kapitel darstellen, wie es zur Konstruktion der Identität des Mezzogiorno gekommen ist, welche Gebiete dieser einschließt und wie sich die Stellung des Raums in der Zeit verändert hat. Anschließend vergleiche ich aufgrund dieser Grundlage die beiden Romane "Io non ho paura" und "Cristo si è fermato a Eboli" hinsichtlich der Fragestellung, inwiefern sich die beiden dargestellten Orte miteinander vergleichen lassen und ob die animalische Dominanz in verschiedenen Regionen Süditaliens der menschlichen Rückständigkeit und Kulturlosigkeit gegenübersteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Identitätskonstruktion des Mezzogiorno
3. Analyse der Romane Io non ho paura und Cristo si è fermato a Eboli unter besonderer Berücksichtigung der animalischen Dominanz im Mezzogiorno
3.1. Cristo si è fermato a Eboli
3.1.1. Der Ort Gagliano
3.1.2. Verschiedene Bedeutungen der genutzten Tiersymbolik
3.1.3. Bedeutung der animalische Dominanz
3.2. Io non ho paura
3.2.1. Der Ort Acqua Traverse
3.2.2. Verschiedene Bedeutungen der genutzten Tiersymbolik
3.2.3. Bedeutung der animalischen Dominanz
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die lebensfeindlichen Bedingungen im ländlichen Süditalien sowie die Rolle der animalischen Vorherrschaft in den Romanen "Cristo si è fermato a Eboli" von Carlo Levi und "Io non ho paura" von Niccolò Ammaniti. Ziel ist es, zu analysieren, wie sich die Identität des Mezzogiorno konstruiert, inwiefern die dargestellten Orte vergleichbar sind und ob die animalische Dominanz dort einer menschlichen Rückständigkeit gegenübersteht.
- Konstruktion der Identität des Mezzogiorno
- Vergleich der räumlichen Darstellungen
- Tiersymbolik als Ausdruck animalischer Vorherrschaft
- Gleichstellung von Mensch und Tier im ländlichen Raum
- Der Einfluss von Klima und Ressourcenknappheit auf die Lebensweise
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Verschiedene Bedeutungen der genutzten Tiersymbolik
Das Auftreten der Tiere hat, wie auch in Io non ho paura, vielerlei Funktionen. Somit soll zum Einen das Auftreten der animalischen Vorherrschaft in der Region den Gegensatz zur menschlichen Rezessivität darstellen. Um diesen menschenlosen, also auch kulturlosen Raum, zu beschreiben, nutzt Carlo Levi eine Fokussierung auf das Tier. "[...] il volo delle mosche, unico segno di vita nell'immobile silenzio della canicola."16 Die Umgebung, die betrachtet wird, ist trostlos und verlassen. Lediglich Fliegen verkörpern Leben, welche andernfalls für den Tod stehen. In diesem von Kultur verlassenen Ort steht ebenso die Zeit still. Das Summen der Fliegen steht allerdings für das Wiedererlangen des Bewusstseins für Zeit. "[...] e il mormorío delle mosche segnava il passare delle ore [...]."17 Ebenso steht das starke Auftreten der Fliegen repräsentativ für das von Malaria verseuchte Land.
Der bereits beschriebene Friedhof, der als einziger Ort tagsüber erträglich scheint, wird von Levi als einen Ort des Lebens beschrieben. Der Weg dahin wird mit dem Auftreten verschiedener negativ konnotierter Tiere dargestellt. Diese zeigen Levi's anfängliche Angst sich dem Friedhof zu nähern. „[...] un rumore improvviso rivelava una scrofa che si rotolava [...]. I galli cantavano [...]. Il cielo era pieno del volo nero dei corvi, e, più in alto, delle grandi ruote dei falchi: ci si sentiva guardati di fianco dai loro occhi immobili e rotondi."18 Nach Auftritt der Raben, die bekanntlich als Gefolge des Teufels verstanden werden können, treten Falken auf, die in der Mythologie als Übermittler zwischen dem Diesseits und dem Jenseits stehen. Daraufhin folgt die Ziege, die als Symbol für den Teufel steht. "Una capra, e mi fissava [...]. Dietro alla capra correvano dei bambini, seminudi e cenciosi, [...]. I bambini volevano cavalcare sulla capra [...].19
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Lebensfeindlichkeit im Süditalien der Romane und Vorstellung der Forschungsfrage zur animalischen Dominanz.
2. Identitätskonstruktion des Mezzogiorno: Historische und soziologische Betrachtung der Definition des Mezzogiorno sowie der stereotypen Wahrnehmung Süditaliens durch den Norden.
3. Analyse der Romane Io non ho paura und Cristo si è fermato a Eboli unter besonderer Berücksichtigung der animalischen Dominanz im Mezzogiorno: Detaillierte Untersuchung der Orte und der Tiersymbolik in beiden Werken hinsichtlich der sozialen und kulturellen Rückständigkeit.
4. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, die eine begrenzte Entwicklungsmöglichkeit des Mezzogiorno durch die fortbestehende Kluft zwischen Nord- und Süditalien konstatieren.
Schlüsselwörter
Mezzogiorno, animalische Dominanz, Süditalien, Identitätskonstruktion, Carlo Levi, Niccolò Ammaniti, Tiersymbolik, Literaturanalyse, Kulturmenschen, Lebensfeindlichkeit, Risorgimento, Sozialstruktur, Rückständigkeit, Mensch-Tier-Vergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das literarische Bild des ländlichen Süditaliens (Mezzogiorno) und analysiert, wie die "animalische Dominanz" in den Romanen von Levi und Ammaniti als Ausdruck für die Rückständigkeit und Lebensfeindlichkeit der Region genutzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Identitätskonstruktion Süditaliens, das Verhältnis von Natur und Zivilisation, die Rolle der Tiere als Symbolik sowie den sozioökonomischen Vergleich zwischen dem Norden und dem Süden Italiens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der Vergleich der beiden Romane "Cristo si è fermato a Eboli" und "Io non ho paura" hinsichtlich der Fragestellung, ob sich die dargestellten Orte miteinander vergleichen lassen und ob eine animalische Dominanz der menschlichen Entwicklung entgegensteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext durch Sekundärliteratur (historische und soziologische Quellen zum Mezzogiorno) stützt, um die literarischen Orte und deren symbolische Bedeutung einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-identitäre Einordnung des Mezzogiorno und eine anschließende detaillierte Analyse der beiden Romane, jeweils unterteilt in die Beschreibung des Ortes, der Tiersymbolik und der Bedeutung der animalischen Vorherrschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Zentrale Begriffe sind Mezzogiorno, animalische Dominanz, Tiersymbolik, Nord-Süd-Konflikt, Identitätskonstruktion und Rückständigkeit.
Welche Rolle spielt der Friedhof in "Cristo si è fermato a Eboli"?
Der Friedhof wird im Roman als ein Ort des Lebens beschrieben, der sich in seiner "weltlichen Schönheit" von der sonstigen trostlosen und von Tieren dominierten Umgebung abhebt.
Warum spielt das Wasser im Roman "Io non ho paura" eine so wichtige Rolle?
Der Name des Ortes "Acqua Traverse" suggeriert Wasser, doch in der Realität herrscht akuter Wassermangel. Dies unterstreicht die klimatische Härte und die existenzielle Not der Bewohner in diesem Teil Apuliens.
Wie interpretieren die Autoren die Gleichstellung von Mensch und Tier?
Die Gleichstellung wird als Hinweis darauf gedeutet, dass die Bewohner des Mezzogiorno mangels zivilisatorischer Entwicklung und staatlicher Teilhabe auf einer Stufe mit dem Tierreich leben und arbeiten.
- Arbeit zitieren
- Thomas Gantner (Autor:in), 2013, Dominanz des Animalischen im Mezzogiorno. Carlo Levi’s "Cristo si è fermato a Eboli" und Niccolò Ammaniti’s "Io non ho paura", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/300309