Literaturverfilmungen stoßen immer wieder auf Kritik und Skepsis, erweist sich doch die Umsetzung des imaginativen Buchcharakters in den visuellen des Films als äußerst schwierig. So ersetzen und verändern die filmischen Mittel stets das geschriebene Wort des Buches. Die Bedienung der Filmemacher an Romanen, Kurzgeschichten, Dramen oder anderer Literatur, als Vorlage für ihre eigene Arbeit, ist jedoch kein neues Phänomen. Schon mit dem Beginn, der Herausbildung des Films als Massenmedium, Anfang des 20. Jahrhunderts, bildeten literarische Werke Entwürfe, die es filmisch umzusetzen galt.
Das Augenmerk der Untersuchung liegt auf der Erzählperspektive und dem Montagecharakter des Romans. Verglichen werden soll dies im Anschluss mit der Realisierung Phil Jutzis im Medium Film. Zur Klärung und zur genaueren Erläuterung dieses Sachverhalts, wird zunächst ein Blick auf die Erzähltheorie geworfen, ehe diese konkrete Anwendung auf den Roman findet. Anhand von Textstellen soll dann die Frage geklärt werden, um welche Art des Erzählens es sich im Buch handelt.
Der eng mit der Erzählsituation im Zusammenhang stehende Montagecharakter des Döblinschen Werkes, soll im Anschluss untersucht werden. Interessant ist hierbei die Frage, wie es dem Autor gelingt, die Vielfalt des großstädtischen Lebens in seinem Text darzustellen.
Abschließend werden die Erzählsituation und der Montagecharakter der Romanvorlage mit der Verfilmung verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erzählsituation
2.1. Zur allgemeinen Theorie der Erzählperspektiven
2.2. Erzählperspektive(-n) in Döblins Roman
3. Montagetechnik in Döblins Roman
4. Vergleich von Erzählperspektive und Montage Döblins mit der filmischen Umsetzung Phil Jutzis
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen Erzählperspektive und Montagetechnik in Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" und vergleicht diese narrativen Strategien mit der filmischen Umsetzung durch den Regisseur Phil Jutzi aus dem Jahr 1931.
- Narrative Theorie nach Franz Karl Stanzel
- Die Auflösung stabiler Erzählperspektiven bei Döblin
- Stilistische Vielfalt und Montagetechnik im literarischen Text
- Die Transformation literarischer Montage in das Medium Film
- Vergleich der filmischen Adaption von Phil Jutzi mit der Romanvorlage
Auszug aus dem Buch
Montagetechnik in Döblins Roman
Dieses Zusammenfügen unterschiedlicher Texte oder Textteile, wird als Montage bezeichnet. In der Literatur bezeichnet diese „das Verfahren [...], fremde Textsegmente in einen eigenen Text aufzunehmen, sie mit eigenem zu verbinden beziehungsweise zu konfrontieren“. Wichtig ist es hierbei, zwischen Montage und Collage zu unterscheiden. Zum Beispiel sieht Volker Hage den Stil des Alexanderplatz-Buches als literarische Collage an. Matthias Hurst wiederum verwendet die Begriffe Collage und Montage synonym. Tatsächlich aber ist es notwendig, die beiden Begriffe differenziert zu betrachten. So repräsentiert Montage den Oberbegriff, während Collage nur solche Texte bezeichnet, die ausschließlich aus mehreren fremden Textteilen bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Literaturverfilmungen ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der filmischen Umsetzbarkeit von Döblins "Berlin Alexanderplatz" unter Berücksichtigung von Erzählperspektive und Montage.
2. Erzählsituation: Dieses Kapitel erläutert zunächst die erzähltheoretischen Grundlagen nach Franz Karl Stanzel und analysiert anschließend die dynamische, wechselhafte Erzählperspektive innerhalb von Döblins Roman.
3. Montagetechnik in Döblins Roman: Der Autor untersucht hier die literarische Montagetechnik als Stilprinzip, das durch die Einbindung verschiedenster Textfragmente die Vielschichtigkeit des großstädtischen Lebens einfängt.
4. Vergleich von Erzählperspektive und Montage Döblins mit der filmischen Umsetzung Phil Jutzis: Hier findet die kritische Gegenüberstellung zwischen der komplexen literarischen Struktur des Romans und dem filmischen Versuch einer Adaption durch Phil Jutzi statt.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine werkgetreue Umsetzung der spezifischen narrativen Form und des Montagecharakters des Romans in das Medium Film kaum möglich ist, da der Roman in seiner Struktur weit über klassische filmische Mittel hinausgeht.
Schlüsselwörter
Berlin Alexanderplatz, Alfred Döblin, Erzählperspektive, Montagetechnik, Literaturverfilmung, Phil Jutzi, Erzähltheorie, Franz Karl Stanzel, Literarische Collage, Großstadtdarstellung, Narratologie, Medienvergleich, Erzählrhythmus, Adaption, Multivalenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Struktur von Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" und prüft, inwieweit diese durch den Regisseur Phil Jutzi in den gleichnamigen Film von 1931 übertragen werden konnte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Erzähltheorie, die Analyse von Montageverfahren in der Literatur und den medienwissenschaftlichen Vergleich zwischen Prosa und Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die als "filmisch" bezeichnete Schreibweise Döblins tatsächlich eine direkte Analogie zum Film darstellt oder ob der Roman über die Möglichkeiten des damaligen Films hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse auf Basis narratologischer Modelle (insbesondere Stanzel und Hurst) vorgenommen, um Erzählperspektiven und Montageprinzipien methodisch zu erfassen.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der theoretischen Grundlagen der Erzählsituation, die spezifische Anwendung dieser auf den Roman sowie die Analyse des Montagebegriffs im Kontext der Moderne.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erzählperspektive, Montagetechnik, mediale Transformation, Polyphonie des Erzählens und die Dynamisierung der Erzählsituation geprägt.
Wie bewertet der Autor die filmische Umsetzung durch Phil Jutzi?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Adaption Jutzis zwar ambitioniert war, aber im Vergleich zur komplexen Vorlage konventioneller wirkt und die experimentelle Tiefe des Romans nicht vollständig abbilden kann.
Warum ist die Erzählperspektive in "Berlin Alexanderplatz" so schwer zu bestimmen?
Laut der Arbeit ist der Roman durch einen ständigen Wechsel und die Auflösung stabiler Perspektiven gekennzeichnet, da jeder Abschnitt durch eine eigene, dem Inhalt angepasste Stimme und Erzählweise charakterisiert ist.
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- Julius Ledge (Author), 2015, Erzählsituation und Montagestil in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz". Vergleich mit der Verfilmung von Phil Jutzi, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/300277