Schon seit einigen Jahren tauchen in den Gesundheitsberichten der deutschen Krankenkassen zunehmend psychische Erkrankungen und insbesondere depressive Erkrankungen als Ursache von Arbeitsunfähigkeit auf. Psychische und Verhaltenstörungen gehören neben Muskel-Skelett-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen. Gerade depressive Erkrankungen gehören zu den folgenreichsten Erkrankungen und sind mit großem persönlichen Leid und einer hohen gesellschaftlichen und ökonomischen Krankheitslast verbunden. Deswegen ist es besonders wichtig, Leistungen zur Rehabilitation, die zur Teilhabe am Beruf und am Leben in der Gesellschaft befähigen, zu installieren und durchzuführen.
In der vorliegenden Hausarbeit geht es um das Leben mit einer depressiven Erkrankung und die psycho-soziale Rehabilitation der Erkrankten – welche Möglichkeiten es gibt und welche Bedarfe noch erfüllt werden müssen. Die Forschungsfrage dazu lautet: Ist die psychosoziale Rehabilitation ein wichtiger Baustein für die Wiedererlangung von Lebensqualität bei depressiven Erkrankungen?
Nach Pauls (2013) ist psycho-soziale Rehabilitation „Zielsetzung, Arbeitsform und Institution zugleich“. Zielsetzung deshalb, weil unter Rehabilitation die Wiederbefähigung oberste Priorität hat. Arbeitsform: weil Rehabilitation selbst eine Maßnahme darstellt und schließlich Institution, weil Rehabilitation ein spezialisiertes Behandlungssystem im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen darstellt. Unter psycho-sozialer Rehabilitation sind alle Maßnahmen zu verstehen, die als Ziel eine Veränderung der Lebenssituation haben und somit weiteren Erkrankungen möglichst vorgebeugt oder aufgehalten werden können. Klinische Sozialarbeit ist das Aufgabenfeld für Sozialarbeiter_innen und Sozialpädagog_innen im Rahmen der psychosozialen Rehabilitation. Die Sozialarbeitenden sind verstärkt für das Unterstützungsmanagement der sozialen Lebenslagen zuständig.
Bei Wolfersdorf et al. (2005) umfassen psycho-soziale Maßnahmen konkrete Tätigkeiten der Sozialarbeitenden in Bezug auf die Arbeitssituation und den Arbeitsplatz und auch die psychoedukative Arbeit mit Angehörigen in Angehörigengruppen, bei der die Wissensvermittlung und der Austausch im Vordergrund stehen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN UND REHABILITATIONSANSATZ BEI PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN
2.1 GRUNDLAGEN UND REHABILITATIONSANSATZ
2.2 SPEZIELLE ASPEKTE BEI DER REHABILITATION PSYCHISCHER ERKRANKUNG UND BEHINDERUNG
3 DEPRESSIVE ERKRANKUNGEN NACH DEM ICD-10
3.1 SYMPTOMATIK
3.2 THERAPIE
3.3 VERLAUF UND KOMORBIDITÄT
4 PSYCHOSOZIALE REHABILITATION BEI DEPRESSIVEN ERKRANKUNGEN
4.1 MEDIZINISCHE REHABILITATION
4.2 TEILHABE AM ARBEITSLEBEN
4.3 TEILHABE AM LEBEN IN DER GESELLSCHAFT
4.4 SELBSTHILFE- UND ANGEHÖRIGENGRUPPEN
5 ANALYSE DER MÖGLICHKEITEN PSYCHOSOZIALER REHABILITATION
6 FAZIT
7 LITERATUR – UND QUELLENVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der psychosozialen Rehabilitation für Menschen mit depressiven Erkrankungen, um deren Lebensqualität nachhaltig zu fördern. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob diese Form der Rehabilitation einen essenziellen Baustein zur Wiedererlangung der Lebensqualität darstellt, und welche Herausforderungen dabei bestehen.
- Grundlagen der psychosozialen Rehabilitation und der ICF
- Klinische Aspekte und Symptomatik depressiver Erkrankungen
- Strukturen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation
- Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben und Wohnformen
- Analyse von Defiziten und Versorgungsmöglichkeiten im Hilfesystem
Auszug aus dem Buch
3.1 Symptomatik
Depressionen können sich in vielfältiger Weise äußern - Hauptsymptome sind die niedergedrückte Stimmung, die Hemmung des Denkens und des Antriebs. Die depressiven Kernsymptome müssen mindestens zwei Wochen lang auftreten und eine deutliche Veränderung gegenüber dem Normalzustand darstellen. Zum allgemeinen Erscheinungsbild des depressiven Syndroms gehören: Niedergeschlagenheit, Bedrücktheit, ein Leeregefühl („Gefühl der Gefühllosigkeit), Unfähigkeit, Freude zu empfinden, Hoffnungslosigkeit, Angst, Verzweiflung, Suizidalität, Interesselosigkeit. Neben diesen Symptomen müssen einige weitere Symptome körperlicher, affektiver, kognitiver und verhaltensbezogener Art diagnostiziert werden, um eine depressive Episode nach ICD-10 diagnostizieren zu können. Dazu gehören: Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Libidoverlust, Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen ohne organische Ursache, Antriebslosigkeit, psychomotorische Störungen, Verlust des Selbstwertgefühls, Konzentrationsstörungen, Entscheidungsschwierigkeiten, Neigung zum Grübeln. (vgl. Schwarzer 2011, 234)
Wenn mindestens fünf dieser Symptome zwei Wochen oder länger auftreten, wird von einer depressiven Episode gesprochen. Aufgrund von Anzahl und Schwere der Symptome werden die Episoden in leichte (F32.0), mittelgradige (F32.1) und schwere (F32.2) depressive Episoden unterteilt. Bei den schweren depressiven Episoden können auch Wahnsymptome wie Verarmungs- und Schuldwahn, Halluzinationen oder ein Stupor auftreten, was dann als schwere Depression mit psychotischen Merkmalen (F32.3) diagnostiziert werden kann. Diese Schweregraddifferenzierung gilt sowohl für die einmalige depressive Episode (F32) als auch für die rezidivierende Form (F33). Sind die Kriterien für eine depressive Episode nicht erfüllt, kann eine Dysthymie (F34.1) vorliegen. Darunter ist in Hinblick auf Symptomart, -anzahl und Ausprägungsgrad ein leichteres Störungsbild zu verstehen, allerdings besteht dieses dann jahrelang mit geringen Schwankungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der zunehmenden Arbeitsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen und Definition der zentralen Forschungsfrage.
2 GRUNDLAGEN UND REHABILITATIONSANSATZ BEI PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN: Erläuterung des bio-psycho-sozialen Modells der ICF und der rechtlichen Rahmenbedingungen der Rehabilitation.
3 DEPRESSIVE ERKRANKUNGEN NACH DEM ICD-10: Darstellung der klinischen Symptomatik, Klassifikationen, Therapieansätze sowie des Verlaufs und der Komorbidität von Depressionen.
4 PSYCHOSOZIALE REHABILITATION BEI DEPRESSIVEN ERKRANKUNGEN: Untersuchung von Strategien der medizinischen und beruflichen Rehabilitation sowie Teilhabemöglichkeiten im Wohn- und Sozialbereich.
5 ANALYSE DER MÖGLICHKEITEN PSYCHOSOZIALER REHABILITATION: Kritische Betrachtung der Versorgungsstrukturen, bestehender Hürden und zukünftiger Anforderungen an das Unterstützungssystem.
6 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der psychosozialen Rehabilitation als wichtiger Baustein für die Lebensqualität und Ausblick auf notwendige Vernetzungsoptimierungen.
7 LITERATUR – UND QUELLENVERZEICHNIS: Auflistung der verwendeten Fachliteratur, Studien und offiziellen Berichte.
Schlüsselwörter
Psychosoziale Rehabilitation, Depression, Lebensqualität, Teilhabe, ICF, Psychische Erkrankungen, berufliche Rehabilitation, Sozialarbeit, Gemeindepsychiatrie, Symptomatik, SGB IX, Therapie, Gesundheitsberichterstattung, Eingliederung, Versorgungsangebot.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der psychosozialen Rehabilitation bei der Bewältigung von Depressionen und der Wiedererlangung von Lebensqualität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die medizinische Rehabilitation, berufliche Wiedereingliederung, soziale Teilhabe (Wohnen) und das unterstützende gemeindepsychiatrische Netzwerk.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwieweit psychosoziale Rehabilitation als Baustein zur Wiedererlangung von Lebensqualität bei Depressionen fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender gesundheitspolitischer Standards, Fachliteratur sowie Modellen wie der ICF.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Symptomatik von Depressionen, verschiedene Rehabilitationsansätze (stationär/ambulant), Arbeitsrehabilitation und diverse Wohnformen für Betroffene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind psychosoziale Rehabilitation, Depression, berufliche Teilhabe, soziale Inklusion und das bio-psycho-soziale Modell der ICF.
Welchen Stellenwert nimmt die berufliche Rehabilitation ein?
Die berufliche Rehabilitation wird als essentiell beschrieben, wobei verschiedene Ansätze wie „first train than place“ erläutert werden, um die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu sichern.
Wie werden die Probleme bei der aktuellen Umsetzung der Rehabilitation bewertet?
Die Arbeit kritisiert langwierige Antragsverfahren, Versorgungslücken und teils unzureichende Vernetzung zwischen verschiedenen Leistungsträgern.
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- Andrea Bubeck (Author), 2015, Die Rolle der psychosozialen Rehabilitation für die Wiedererlangung von Lebensqualität bei depressiven Erkrankungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/299106