Dieser Lehrprobenentwurf liefert eine Unterrichtsreihe zum Thema "Anthropologie" für eine 11. Klasse im Fach Ethik/ Philosophie und eine ausführlich geplante Unterrichtsstunde, in welcher das psychologische Menschenbild Sigmund Freuds - genauer sein Instanzenmodell - problemorientiert eingeführt, grundlegend erfasst und angewandt wird. Die Stunde wird durch die kontrastierende Fragestellung: "Ist der Mensch ein lustgesteuertes Triebwesen oder ein moralisches Vernunftwesen?" und eine Meinungslinie, auf der sich die S entsprechend positionieren sollen, motivationsfördernd und schüleraktivierend eingeleitet. Für die Erarbeitungsphase wird die Methode des Gruppenpuzzles herangezogen. Im 1. Schritt erarbeiten die S in Expertengr. textgestützt die einzelnen Instanzen Es, Ich und Über-Ich nach Inhalt, Prinzip u. Ziel. Im 2. Schritt findet ein Austausch statt u. mittels eines 2. Textes soll ein Schema zum Zusammenspiel der Instanzen erstellt werden. Nach der Präsentationsphase entwickeln die S im 3. Schritt in ihrer Exp-Gr. ein szen. Spiel zu einer selbstgewählten Dilemmasit. u bringen dabei Freuds Instanzenmodell zur Anwendung. Die Erarbeitungsphase wird gestützt durch Tipp- u. Lösungskarten. Nach der 2. Präsentationsphase erfolgt eine Auswertung sowie method. Reflexion.
Den Abschluss bildet die erneute Positionierung auf der Meinungslinie durch die S zur provokativen Einstiegsfrage, wodurch ein Transfer erfolgt.
In der Arbeit ist neben einer beispielhaften Begründungsanalyse der Lerngruppe, eine umfassende didaktisch-methodische Begründung (Lernziele, Lehrplanbegründung) sowie eine tabellarische Verlaufsplanung der Stunde zu finden. Der Anhang stellt das gesamte benötigte Material zur Durchführung der Stunde bereit (Sitzplan, alle Texte, method. Aufgabenblätter, Tipp- und Kontrollkarten sowie die Lehrerpräsentation).
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse der Lerngruppe und Schlussfolgerungen für die Gestaltung des Unterrichts
2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen
2.1 Stellung der Stunde in der Stoffeinheit
2.2 Sachanalyse
2.3 Darstellung und Begründung der Lernziele
2.4 Begründung der didaktisch-methodischen Entscheidungen
3. Tabellarische Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen der Unterrichtseinheit
Diese Arbeit entwirft eine Unterrichtsstunde im Fach Ethik für die Kursstufe 11, die sich mit Sigmund Freuds psychologischem Menschenbild und dem Spannungsfeld zwischen Lust- und Moralitätsprinzip befasst, um ein tieferes Verständnis für die Dynamik der menschlichen Persönlichkeit zu fördern.
- Sigmund Freuds Strukturmodell der Seele (Es, Ich, Über-Ich)
- Methodische Umsetzung durch Gruppenpuzzle und Rollenspiele
- Förderung der Urteils- und Handlungskompetenz bei Dilemmasituationen
- Verknüpfung von anthropologischen Theorien mit der Lebenswelt der Schüler
Auszug aus dem Buch
2.2 Sachanalyse
Sigmund Freud (1856 – 1939) gilt als Begründer der Psychoanalyse. Er hinterfragte die Persönlichkeit des Menschen und entwickelte dazu in zwei Schritten ein Strukturmodell der Seele. So unterschied er in seiner Forschung zuerst das Bewusstsein als rationale Seite des Menschen vom einflussreichen Unbewussten, dem triebgesteuerten Bereich. Anschließend entwickelte er diese Topik zu einem Instanzenmodell weiter. Danach wird das menschliche Verhalten bestimmt durch das Es, Ich und Über-Ich. Das Es entspricht dabei dem Unbewussten, das gemäß dem hedonistischen Lustprinzip nach Triebbefriedigung strebt. Das Über-Ich folgt dem Moralitätsprinzip und umfasst die gesellschaftlich geltenden Norm- und Wertvorstellungen. Das Ich hat die Aufgabe der Selbstbehauptung und ist dem Menschen im Bewusstsein präsent. Es versucht den Interessen und Anforderungen des Es und Über-Ich gerecht zu werden, und das unter Beachtung der außenweltlichen Bedingungen, wonach hierbei das Realitätsprinzip greift. Das Ich versucht stets Harmonie zu bewahren, doch wird der Druck durch das Es und das Über-Ich erhöht, fällt es ihm zunehmend schwerer, einen optimalen Kompromiss zu finden. Freuds Kränkung an der Menschheit besteht letztlich darin, dass er dem Ich nachweisen will, es sei nicht einmal Herr im eigenen Haus.
Zusammenfassung der Kapitel
Bedingungsanalyse der Lerngruppe und Schlussfolgerungen für die Gestaltung des Unterrichts: Analyse der Lernvoraussetzungen und Motivation einer heterogenen Kursstufe 11 zur Anpassung der didaktischen Methoden.
Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen: Einordnung der Stunde in die Anthropologie-Reihe sowie theoretische Begründung des Gruppenpuzzle-Verfahrens und der Lernziele.
Tabellarische Verlaufsplanung: Detaillierte zeitliche und methodische Strukturierung der Unterrichtsstunde in Einführung, Erarbeitung, Sicherung, Reflexion und Transfer.
Schlüsselwörter
Sigmund Freud, Psychoanalyse, Instanzenmodell, Anthropologie, Ethikunterricht, Gruppenpuzzle, Moralitätsprinzip, Lustprinzip, Realitätsprinzip, Unterrichtsentwurf, Menschenbild, Persönlichkeitsstruktur, Schülermotivation, Didaktik, Rollenspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf primär?
Der Entwurf konzentriert sich auf die Vermittlung von Sigmund Freuds Strukturmodell der Persönlichkeit an Schüler der 11. Jahrgangsstufe im Fach Ethik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen den psychischen Instanzen Es, Ich und Über-Ich sowie die Frage nach dem Wesen des Menschen als trieb- oder vernunftgesteuertes Wesen.
Was ist das Hauptziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist, dass Schüler das Instanzenmodell theoretisch verstehen und dieses auf praktische Lebenswelt-Dilemmata anwenden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wird das kooperative Gruppenpuzzle-Verfahren angewandt, ergänzt durch Filmanalyse, textgestützte Strukturlegungen und szenische Rollenspiele.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil umfasst die Sachanalyse des Modells, die didaktische Begründung der gewählten Unterrichtsphasen sowie eine detaillierte Verlaufsplanung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Psychoanalyse, Instanzenmodell, Ethik, Menschenbild und handlungsorientiertes Lernen.
Wie wird das "Es" in dieser Stunde definiert?
Das "Es" wird als der Bereich des Unbewussten dargestellt, der ausschließlich dem Lustprinzip unterliegt und sofortige Triebbefriedigung einfordert.
Welche Rolle spielt das "Ich" bei der Konfliktlösung?
Das "Ich" fungiert als realitätsgebundene Vermittlungsinstanz, die versucht, zwischen den Triebansprüchen des "Es" und den moralischen Anforderungen des "Über-Ich" einen tragfähigen Kompromiss zu finden.
- Quote paper
- Rebecca Tille (Author), 2015, Sigmund Freuds Menschenbild (11. Klasse, Ethik/Philosophie), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/298714