Die Qualität der Corporate Governance in der börsennotierten Aktiengesellschaft wird durch die enge Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Abschlussprüfer wesentlich determiniert.“ Dadurch lässt sich unter Auslegung des, in der Literatur nicht eindeutig definierten, Begriffs der „Corporate Governance“ als „die Lehre von einer optimalen Unternehmensführung und einer optimalen Überwachung eben dieser Führung“, der hohe Stellenwert einer guten Kooperation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat ableiten. Dies ist bedingt durch die Tatsache, dass börsennotierte Aktiengesellschaften einerseits intern durch den Aufsichtsrat gemäß § 111 Abs. 1 AktG überwacht und andererseits extern durch einen Abschlussprüfer gemäß § 316 Abs. 1 S. 1 HGB geprüft werden müssen.
Die Zweckmäßigkeit der Überwachung durch zwei unabhängige Instanzen wird durch das Bestreben zur Verringerung unentdecktem Handelns seitens des Managements begründet. Dabei sind in den letzten Jahren besonders die Anforderungen an den Aufsichtsrat enorm gestiegen, sodass dem Abschlussprüfer bei der gesetzlichen Abschlussprüfung nicht nur die Funktion eines autarken Prüfers zukommt, sondern dieser ebenso als Hilfsorgan des Aufsichtsrats fungieren und ihn bei seiner Überwachungsaufgabe unterstützen soll. Dabei ist vom Gesetzgeber keine doppelte Prüfung, vielmehr eine gegenseitige Ergänzung der Kontrollaktivitäten beider Überwachungsinstanzen beabsichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2 Interne Überwachung und externe Prüfung im Kontext der Abschlussprüfung
2.1 Die Rolle des Aufsichtsrats im Rahmen der Abschussprüfung
2.2 Die Rolle des Abschlussprüfers im Rahmen der Abschlussprüfung
2.3 Agency-theoretischer Ansatz als Erklärungsmöglichkeit von Abschlussprüfungen
3 Begriff und Ziele des Deutschen Corporate Governance Kodex
4 Zentrale Einflussfaktoren auf die Qualität der Abschlussprüfung unter Berücksichtigung aktueller Normen des DCGK
4.1 Die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats
4.2 Die Vergütung des Abschlussprüfers als Indikator seiner Unabhängigkeit
4.3 Die Kommunikation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) in seiner aktuellen Fassung die notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat bei börsennotierten Aktiengesellschaften ergänzend zu den bestehenden Gesetzen gewährleistet.
- Rollenverteilung und Kooperation zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer
- Agency-theoretische Fundierung der Abschlussprüfung
- Unabhängigkeit des Aufsichtsrats und deren Einflussfaktoren
- Vergütung des Abschlussprüfers als Qualitätsindikator
- Optimierungspotenziale der wechselseitigen Kommunikation
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Kommunikation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat
In den vorangegangen Kapiteln konnte besonders die Unabhängigkeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit herausgestellt werden. Eine erfolgreiche Kooperation beider Organe determiniert sich nach Erfüllung dieser Basis vor allem in der wechselseitigen Kommunikation. Sie bildet den Kern einer qualitativ hochwertigen Abschlussprüfung und stärkt zugleich die Unabhängigkeit.58
Aufgrund dieser außerordentlichen Relevanz der wechselseitigen Kommunikation stellt sich die Frage, ob die gesetzlichen Regelungen und Ergänzungen des DCGK zu diesem Thema den optimalen Rahmen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bieten. Dabei muss festgestellt werden, dass sich die gesetzlichen Vorschriften zur Kommunikation lediglich auf den Beginn und das Ende der Abschlussprüfung beschränken und zur Zwischenzeit keine Angaben gemacht werden.59 Auch die Empfehlungen des DCGK, die aufgrund der Pflicht zur Begründung von Abweichungen beinahe verbindlichen Charakter besitzen, lösen die Kommunikationsproblematik nur bedingt. Zwar wird dem Aufsichtsrat empfohlen mit dem Abschlussprüfer zu vereinbaren, dass dieser auch während der Prüfung über mögliche Befangenheitsgründe oder alle für die Aufgaben des Aufsichtsrats wesentlichen Feststellungen und Vorkommnisse berichtet, allerdings werden diese Empfehlungen nicht weiter konkretisiert und gehen lediglich auf Berichterstattungspflichten des Abschlussprüfers, nicht aber auf die des Aufsichtsrats ein.60 Dadurch wird deutlich, dass die derzeitigen Vorschriften und Normen noch nicht ausreichen, da erst durch eine umfangreiche wechselseitige Kommunikation Synergieeffekte genutzt werden können.61
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung: Die Einleitung definiert die Bedeutung der Kooperation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat für die Corporate Governance und leitet daraus die Forschungsfrage ab.
2 Interne Überwachung und externe Prüfung im Kontext der Abschlussprüfung: Dieses Kapitel erläutert die Rollen von Aufsichtsrat und Abschlussprüfer sowie die theoretische Legitimation der Abschlussprüfung durch die Prinzipal-Agenten-Theorie.
3 Begriff und Ziele des Deutschen Corporate Governance Kodex: Es wird die Funktion des DCGK als Soft Law und dessen Bedeutung für die Erhöhung der Transparenz im deutschen Corporate Governance-System analysiert.
4 Zentrale Einflussfaktoren auf die Qualität der Abschlussprüfung unter Berücksichtigung aktueller Normen des DCGK: Eine detaillierte Analyse der Unabhängigkeit von Aufsichtsrat und Abschlussprüfer sowie der Bedeutung wechselseitiger Kommunikation für die Prüfungsqualität.
5 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der DCGK zwar gute Ansätze liefert, jedoch regulatorischen Anpassungsbedarf hinsichtlich der Zusammenarbeit aufweist.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Aufsichtsrat, Abschlussprüfer, Abschlussprüfung, Unabhängigkeit, DCGK, Kommunikation, Prinzipal-Agenten-Theorie, Prüfungsqualität, Vergütung, Wirtschaftsprüfer, Aktienrecht, Transparenz, Kontrolle, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Abschlussprüfer bei börsennotierten Aktiengesellschaften unter besonderer Berücksichtigung der Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK).
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung adressiert?
Die Schwerpunkte liegen auf der Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder, der Vergütung des Abschlussprüfers als Qualitätsindikator und der Bedeutung einer wechselseitigen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob der DCGK in der aktuellen Fassung die besten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Prüfungsinstanzen gewährleistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der aktuellen gesetzlichen Regelungen sowie der Normen des DCGK auf Basis der verfügbaren Fachliteratur und Studien.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Überwachung, die Agency-Theorie sowie eine detaillierte Prüfung der Einflussfaktoren auf die Abschlussprüfungsqualität.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit prägend?
Zentrale Begriffe sind Corporate Governance, Unabhängigkeit, Prüfungsqualität, Kommunikation und das dualistische System der Unternehmensüberwachung.
Welches Problem identifiziert der Autor bei der Unabhängigkeit von Arbeitnehmervertretern?
Der Autor weist darauf hin, dass Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat aufgrund potenzieller Interessenkonflikte – etwa durch die Abhängigkeit vom Vorstand oder Karriereambitionen – oft nicht vollkommen unabhängig agieren können.
Warum wird die „Low Balling“-Strategie bei der Prüfung als problematisch eingestuft?
Die Strategie, einen Auftrag zu einem nicht kostendeckenden Honorar zu gewinnen, gefährdet langfristig die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers, da dieser bei Folgeaufträgen unter Druck geraten kann.
- Quote paper
- Silvan Entelmann (Author), 2015, Die Zusammenarbeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat in Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/298700