Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Kurzgeschichte “Casa tomada“ von Julio Cortázar. Die Analyse beschränkt sich auf die beiden Hauptfiguren Irene und den Erzähler, das Erzählverhalten und die Geräusche im Haus, die Biographie Cortázars sowie die geschichtlichen Hintergründe zur damaligen Zeit in Argentinien. Fragt man nach der Intention, die Julio Cortázar mit dieser Kurzgeschichte wohl verfolgt, so bleiben viele Interpretationsansätze offen. Es stellen sich die Fragen, warum nicht hinter die Tür gucken, um zu erfahren, woher die Geräusche stammen, wovor Irene und vor allem ihr Bruder Angst haben und warum sie am Ende das Haus verlassen, obwohl ihnen niemand gesagt hat, dass sie gehen sollen. Der Leser erfährt unmittelbar im ersten Satz der Erzählung, dass Irene und ihr Bruder ihre Kindheit mit ihren Eltern und Großeltern in diesem Haus verbracht haben. Man kann vermuten, dass die Geräusche etwas mit dem Tod der Eltern und Großeltern zu tun haben. Es ist möglich, dass die Beiden von einem Spuk dieser ausgehen, weil sie dort ebenfalls gewohnt haben und schon verstorben sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe “Casa tomada“
3. Die Figuren
3.1. Irene
3.2. Der Erzähler
3.3. La Casa
3.4. Die Geräusche
4. Argentinien zwischen 1943 und 1955 - die Zeit des Peronismus
5. Biographie Julio Cortázar
6. Phantastik und Wirklichkeit
7. Phantastik und Wirklichkeit in “Casa tomada“
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Casa tomada“ von Julio Cortázar unter Berücksichtigung der Hauptfiguren, des Erzählverhaltens sowie biographischer und politischer Hintergründe. Ziel ist es, die unklaren Bedrohungsmomente durch die Geräusche im Haus im Kontext der argentinischen Geschichte und der persönlichen Biographie des Autors zu deuten.
- Analyse der Geschwisterbeziehung und der Hausmetaphorik
- Untersuchung der phantastischen Elemente nach Tzvetan Todorov
- Interpretation der Geräusche als Symbole für Unterdrückung
- Biographische Parallelen zwischen Cortázar und dem Erzähler
- Historischer Kontext: Argentinien zur Zeit des Peronismus
Auszug aus dem Buch
6. Phantastik und Wirklichkeit
Die Kurzgeschichte “Casa tomada“ entstammt dem Band “Bestiario“, dem phantastische Elemente zugeschrieben werden. So gehört auch die Kurzgeschichte “Casa tomada“ zu einem Werk zwischen Wirklichkeit und Phantastik. Dem Leser ist anfangs jedoch nicht bewusst, dass er sich in einer teils unwirklichen Welt befindet. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantastik sind so schwammig, dass er nicht mehr unterscheiden kann, wo die Realität in Phantasie übergeht. Tzvetan Todorov befasst sich in seinem Werk “Einführung in die phantastische Literatur“ mit dem Einbau phantastischer Elemente in einen realen Kontext.
In dem Phantastischen liegt also laut Todorov die Ungewissheit, ob es sich bei einem Ereignis, das von den Gesetzen der vertrauten Welt abweicht um eine Sinnestäuschung handelt oder die Realität. Geschieht ein Ereignis, das von den Gesetzen der vertrauten Welt abweicht, so werden die Grenzen des Möglichen überschritten und das Ereignis wirkt wie etwas Übernatürliches.
Betrachtet man das Werk “Casa tomada“ nun mit Blick auf die Definition von Todorov, liegt hier ebenfalls eine Ungewissheit vor. Und zwar ist es die Ungewissheit gegenüber den Geräuschen. Eben hier muss sich für eine der zwei von Todorov beschriebenen Lösungen entschieden werden: entweder handelt es sich bei den Geräuschen um eine Sinnestäuschung und ein Produkt der Einbildungskraft oder diese sind tatsächlich Bestandteil der Realität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Bedeutung der Geräusche in der Kurzgeschichte.
2. Inhaltsangabe “Casa tomada“: Zusammenfassung der Handlung über die zwei Geschwister, die ihr Haus aufgrund unerklärlicher Geräusche schrittweise aufgeben müssen.
3. Die Figuren: Detaillierte Charakterisierung von Irene, dem Erzähler, der Bedeutung des Hauses sowie der Funktion der Geräusche.
4. Argentinien zwischen 1943 und 1955 - die Zeit des Peronismus: Darstellung der politischen Umbrüche und des Machtanstiegs von Perón als historischer Kontext.
5. Biographie Julio Cortázar: Einblick in das Leben des Autors, insbesondere seine Kindheit in einem von Frauen dominierten Haushalt und den sozialen Abstieg.
6. Phantastik und Wirklichkeit: Theoretische Einordnung der Geschichte anhand der Definition phantastischer Literatur von Tzvetan Todorov.
7. Phantastik und Wirklichkeit in “Casa tomada“: Verknüpfung der theoretischen Phantastik-Definition mit biographischen Elementen des Autors.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Hypothesen und Interpretation der Geräusche als Ausdruck von Bedrängnis und politischer Unterdrückung.
Schlüsselwörter
Julio Cortázar, Casa tomada, Phantastik, Realität, Argentinien, Peronismus, Geschwisterbeziehung, Tzvetan Todorov, Literaturanalyse, Identität, Unterdrückung, Biographie, Kurzgeschichte, Symbolik, Hausmetaphorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Casa tomada“ von Julio Cortázar hinsichtlich ihrer Motive, der Rolle der Protagonisten und der Bedeutung der zentralen phantastischen Elemente.
Welche Themenfelder stehen dabei besonders im Fokus?
Zentrale Themen sind die Charakterisierung der Geschwister, die Bedeutung des Hauses, der Einfluss der argentinischen Geschichte (Peronismus) sowie die biographischen Parallelen des Autors.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum die Protagonisten das Haus verlassen und welche tieferliegende Bedeutung die unerklärlichen Geräusche im Kontext der Biografie und Geschichte haben.
Welche theoretische Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt die Definition der phantastischen Literatur von Tzvetan Todorov, um die Ungewissheit zwischen Realität und Einbildung in der Geschichte zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Figuren- und Hausanalyse, eine historische Einordnung der Zeit des Peronismus, eine biographische Skizze Cortázars sowie die theoretische Verknüpfung von Phantastik und Wirklichkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Analyse wird maßgeblich durch Begriffe wie Phantastik, Identität, Unterdrückung, Peronismus und biographische Spiegelung bestimmt.
Wie lässt sich die Beziehung zwischen Irene und dem Erzähler deuten?
Die Beziehung wird als harmonisch, aber auch als isoliert beschrieben, wobei der Erzähler eine deutliche Abhängigkeit und eine spezifische Rollenverteilung im Alltag betont.
Inwiefern spielt der Peronismus eine Rolle bei der Interpretation der Geräusche?
Die Arbeit legt nahe, dass die Geräusche als Metapher für das autoritäre Regime Peróns verstanden werden können, vor dem die Protagonisten letztlich kapitulieren.
Warum spielt die Biographie von Cortázar eine zentrale Rolle für das Verständnis der Geschichte?
Die Kindheit des Autors in einem von Frauen dominierten Haus und der soziale Abstieg seiner Familie liefern wichtige Hinweise, um die Gefühle der Einengung in der Kurzgeschichte zu interpretieren.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der offenen Fragen der Geschichte?
Das Fazit stellt fest, dass viele Unklarheiten bestehen bleiben, die Geräusche jedoch primär die inneren Ängste des Autors und den gesellschaftlichen Druck seiner Zeit widerspiegeln.
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- Erika Wießner (Author), 2011, Analyse der Kurzerzählung “Casa tomada“ von Julio Cortázar, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/298308