Der Prager Fenstersturz im Jahre 1618 stellte den Auslöser des Dreißigjährigen Krieges dar. Schon in den Jahrzehnten zuvor war der Religionsfrieden von 1555 immer weniger beachtet worden und sowohl die Katholiken als auch die Protestanten stellten die Formel „cuius regio, eius religio“ zunehmend in Frage. Die religiösen und dynastischen Konstellationen waren außerdem derart instabil geworden, dass der Prager Fenstersturz letzten Endes der letzte Tropfen war, der das Fass gewissermaßen zum Überlaufen brachte. Es folgte ein Jahrzehnte ausdauernder Krieg, der sich zunächst als ‚deutscher Krieg’, später jedoch auch als ‚europäischer Krieg’ auswirkte. Anfänglich konnten die katholischen Truppen die der Protestanten immer weiter zurückdrängen und der Ausgang des Krieges schien bereits festzustehen. Nachdem der schwedische König, Gustav II. Adolf, jedoch im Jahr 1630 in den Krieg eingriff und der protestantischen Union zur Hilfe kam, wendete sich das Blatt grundlegend.
Die vorliegende Hausarbeit geht der Fragestellung nach, inwiefern sich die Flugblätter „Die betrangte Stadt Augspurg“ und „Die durch Gottes Gnad erledigte Stadt Augspurg“ unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten sie aufweisen. Bei beiden Flugblättern geht es um die Stadt Augsburg, die zunächst von 1629 bis 1632 rekatholisiert und anschließend vom schwedischen König Gustav II. Adolf eingenommen wurde. Zur Klärung der genannten Fragestellung, wurde zunächst der Dreißigjährigen Krieg inhaltlich kurz einführt. Im Anschluss an diesen Teil der Arbeit soll eine kurze Einführung des Flugblattes des 17. Jahrhundert gegeben werden. Im Anschluss hieran folgt bereits die Beschreibung des Flugblattes „Die betrangte Stadt Augspurg“, welches nachfolgend analysiert werden wird. Danach wird das Flugblatt „Die durch Gottes Gnad erledigte Stadt Augspurg“ zunächst beschrieben und anschließend analysiert. Zeitgleich sollen beide Flugblätter kurz in die historischen Gegebenheiten in ihren jeweiligen Teilen der Arbeit eingegliedert werden. Ein Vergleich der beiden behandelten Flugblätter folgt der Beschreibung und Analyse der Blätter. Abschließend werden alle gesammelten Ergebnisse noch einmal in der Schlussbetrachtung kurz zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Flugblätter
II.1 Flugblätter im 17. Jahrhundert
II.2 „Die betrangte Stadt Augspurg“
II.3 „Die durch Gottes Gnad erledigte Stadt Augspurg“
III. Vergleich beider Flugblätter
IV. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Flugblätter „Die betrangte Stadt Augspurg“ und „Die durch Gottes Gnad erledigte Stadt Augspurg“ hinsichtlich ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und der Rekatholisierung sowie späteren Befreiung Augsburgs durch den schwedischen König Gustav II. Adolf.
- Historische Einordnung des Dreißigjährigen Krieges und des Flugblattwesens im 17. Jahrhundert.
- Detaillierte Analyse der Bildsprache und des Textaufbaus beider Flugblätter.
- Untersuchung der apokalyptischen Symbolik und deren Bedeutung in der protestantischen Propaganda.
- Vergleichende Betrachtung der Darstellung des schwedischen Königs als gottgesandter Befreier.
- Nachweis der inhaltlichen und konzeptionellen Zusammengehörigkeit beider Flugblätter als geplante Serie.
Auszug aus dem Buch
II.2 „Die betrangte Stadt Augspurg“
In dem vorliegenden Flugblatt „Die betrangte Stadt Augspurg“ wird die Rekatholisierung der Stadt Augsburg von 1629 bis 1632 behandelt. Diese wird rückblickend als ein apokalyptisches Geschehen dargestellt. Das vorliegende Blatt ist in drei Bereiche unterteilt und folgt somit dem typischen Aufbau eines Flugblattes. Zuerst kommt der Titel „Die betrangte Stadt Augspurg“ am Anfang des Blattes, dann folgt die Radierung, welche direkt darunter platziert ist. Dieser folgt der Typendruck, welcher sich etwa über die zweite Hälfte des Flugblattes erstreckt und in zwei Spalten aufgeteilt ist. Das Flugblatt ist im Jahre 1632 gedruckt worden, was unterhalb des Textes in der letzten Zeile angegeben wurde. Der gesamte Inhalt des Flugblattes ist von einem blumenartigen Rahmen eingefasst.
In der Radierung wird die Stadt Augsburg in einem Tal liegend dargestellt. Auf einer felsigen Anhöhe links vor der Stadt befindet sich die bedrohlich dargestellte Gestalt des siebenköpfigen Tieres der Apokalypse. Rechts hinter der Stadt, ebenfalls auf einer felsigen Anhöhe und bedrohlich dargestellt, befindet sich die Gestalt des apokalyptischen Widders. Das siebenköpfige Tier hat seinen überdimensional großen Schwanz von außen um etwa Zweidrittel Stadt gelegt und wird durch die Tiara als das Papsttum erkennbar. Der Widder trägt das Barett der Jesuiten auf dem Kopf und rechts hinter der Anhöhe, auf der er steht, ist ein Teil der Sonne zu sehen. Der Himmel über der Stadt und den beiden Tieren wird gespenstig und voller Wolken dargestellt. Fast scheint es, als wenn dieses die Zorneswolken der tierischen Gestalten wären. Das siebenköpfige Tier spuckt Mönche in die Stadt. Der Widder hingegen Jesuiten, was sich anhand deren Kopfbedeckung erkennen lässt. Zeitgleich wird die Stadt von rechts und links vorne von mehreren Familien verlassen. Die Stadt selbst wird mit ihren Stadtmauern und dem sie umschließenden Stadtgraben dargestellt. Drei Gebäude in der Stadt sind mit Namen versehen: links die Kirche „S. Bleich“, mittig der Stadt das „Rathaus“ sowie rechts hiervon die „Thumkirch“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über den Dreißigjährigen Krieg und legt die Forschungsfrage zur Untersuchung der beiden Flugblätter fest.
II. Flugblätter: Dieser Abschnitt erläutert die Bedeutung und den Aufbau von Flugblättern im 17. Jahrhundert und analysiert die beiden gewählten Primärquellen detailliert.
III. Vergleich beider Flugblätter: Hier werden die Gemeinsamkeiten in Struktur, Symbolik und Aussage der beiden Flugblätter gegenübergestellt.
IV. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die These, dass die Flugblätter eine zusammenhängende, geplante Serie darstellen.
Schlüsselwörter
Dreißigjähriger Krieg, Flugblätter, Augsburg, Propaganda, Apokalypse, Gustav II. Adolf, Rekatholisierung, Bildsymbolik, Jesuiten, Papsttum, Konfessionalisierung, 17. Jahrhundert, Einblattdruck, Protestantismus, Antichrist.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert zwei illustrierte Flugblätter aus dem Jahr 1632, die die religiöse und politische Situation der Stadt Augsburg während des Dreißigjährigen Krieges thematisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die protestantische Propaganda, die Nutzung apokalyptischer Bildsprache zur Deutung zeitgenössischer Ereignisse und die Rolle der schwedischen Intervention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Flugblätter aufzuzeigen und zu belegen, dass diese als zusammenhängende Serie konzipiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, die sowohl den bildlichen Teil (Radierung) als auch den Textteil (Typendruck) der Flugblätter unter Einbeziehung des historischen Kontextes interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung zum Flugblattwesen, die detaillierte Analyse der beiden Flugblätter sowie einen direkten Vergleich ihrer Symbole und Aussagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Dreißigjähriger Krieg, Flugblätter, Apokalyptik, Konfessionalisierung und Gustav II. Adolf.
Warum wird der schwedische König als so zentral dargestellt?
In den Flugblättern wird Gustav II. Adolf als von Gott gesandter Befreier der Protestanten inszeniert, was die religiöse Aufladung des militärischen Konflikts unterstreicht.
Welche Bedeutung haben die abgebildeten Tiere?
Das siebenköpfige Tier steht symbolisch für das Papsttum, während der Widder die Jesuiten repräsentiert; beide dienen der Darstellung der katholischen Seite als antichristliche Mächte.
Woran erkennt man, dass die Blätter eine Serie bilden?
Der Text des zweiten Blattes nimmt explizit Bezug auf das erste („wie gegenüber zusehen“), was auf eine im Voraus geplante inhaltliche Abfolge hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Kristin Stieglitz (Autor:in), 2014, Propaganda im Dreißigjährigen Krieg. Die Darstellung Gustav II. Adolfs in zwei Flugblättern, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/296319