Die industrielle Revolution und die damit einhergehende Massenverarmung breiter Bevölkerungsschichten im 19. Jahrhundert führten in den 1880 Jahren zu der Forderung nach einer Ordnungspolitik, die die wachsende Schicht der
Industriearbeiter von revolutionären Bestrebungen abhalten und damit den sozialen Frieden wahren sollte.
Der Grundstein für die Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates wurde von Otto von Bismarck gelegt, der als Reichskanzler in der Kaiserzeit die ersten sozialen
Sicherungsgesetze in Deutschland durchsetzte.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Krankenversicherungsgesetz, einige Jahre später die verpflichtende Unfallversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung und das Invaliditäts- und Altenversicherungsgesetzt verabschiedet.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde das soziale Sicherungssystem mit dem Schwerbeschädigtenschutz, nach der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren mit
der Arbeitslosenversicherung und nach dem 2. Weltkrieg mit dem Bundessozialhilfegesetz, dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, dem
Arbeitsförderungsgesetz und der Pflegeversicherung u.a. ausgebaut.
In Deutschland entwickelte sich damit ein konservativ korporatischer Wohlfahrtsstaat. Der Sozialforscher Gosta Esping-Andersen unterscheidet neben diesem noch zwei
weitere Typen von Wohlfahrtsstaaten: Den universalistischen Wohlfahrtsstaat in Skandinavien und den liberalen Wohlfahrtstaat in den USA und Großbritannien. Sie alle lassen sich dem Oberbegriff: „Fürsorgender Wohlfahrtsstaat“ zuordnen.[...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Hauptteil
- Entwicklung des Sozialstaates in Deutschland
- Anthony Giddens Sicht auf die Familie
- Die Veränderung des Leitbildes der Familie
- Schlussteil/Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Transformation des Wohlfahrtsstaates von einem fürsorgenden zu einem aktivierenden System und analysiert, inwiefern diese Veränderung das Leitbild der Familie beeinflusst hat. Der Text beleuchtet die historische Entwicklung des deutschen Sozialstaates, insbesondere die Einführung von sozialen Sicherungssystemen und die Kritik, die den fürsorgenden Wohlfahrtsstaat begleitete.
- Entwicklung des deutschen Sozialstaates
- Anthony Giddens' Konzept des aktivierenden Wohlfahrtsstaates
- Die Rolle des Staates im aktivierenden Wohlfahrtsstaat
- Veränderungen im Leitbild der Familie
- Der Einfluss des aktivierenden Staates auf das Familienbild
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik des fürsorgenden und aktivierenden Wohlfahrtsstaates ein. Sie beleuchtet die historischen Wurzeln der Sozialpolitik in Deutschland und den Wandel vom fürsorgenden zum aktivierenden Modell. Im Hauptteil wird zunächst die Entwicklung des Sozialstaates in Deutschland detailliert dargestellt. Anschließend wird Anthony Giddens' Konzept des aktivierenden Wohlfahrtsstaates vorgestellt und seine Auswirkungen auf die Rolle des Staates, die Sozialpolitik und das Leitbild der Familie beleuchtet.
Schlüsselwörter
Aktivierender Wohlfahrtsstaat, Fürsorgender Wohlfahrtsstaat, Familienbild, Sozialpolitik, Anthony Giddens, Deutschland, New Public Management, Chancengleichheit, Verfahrensgerechtigkeit, Subsidiarität, Investitionen ins Humankapital.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem fürsorgenden und einem aktivierenden Wohlfahrtsstaat?
Der fürsorgende Staat konzentriert sich auf die Absicherung gegen Lebensrisiken, während der aktivierende Staat Eigenverantwortung fordert und durch gezielte Förderung (z.B. Investition in Humankapital) die Teilhabe am Arbeitsmarkt forcieren will.
Wie hat sich das Familienbild durch den aktivierenden Staat verändert?
Das Leitbild wandelt sich von der traditionellen Versorgerehe hin zu einem Modell, in dem beide Elternteile erwerbstätig sein sollen, unterstützt durch staatliche Infrastruktur wie Kinderbetreuung.
Welche Rolle spielt Anthony Giddens in dieser Debatte?
Giddens ist ein Vordenker des „Dritten Weges“, der den aktivierenden Wohlfahrtsstaat als Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und den Wandel der Familienstrukturen sieht.
Was bedeutet „Investition in Humankapital“ im Sozialstaat?
Es bezeichnet staatliche Ausgaben für Bildung und Qualifizierung, die darauf abzielen, die Beschäftigungsfähigkeit des Einzelnen langfristig zu sichern, anstatt nur passiv Leistungen zu zahlen.
Wer legte den Grundstein für den deutschen Wohlfahrtsstaat?
Otto von Bismarck führte in den 1880er Jahren die ersten sozialen Sicherungsgesetze (Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung) ein, um den sozialen Frieden zu wahren.
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- Simon Radtke (Author), 2015, Vom fürsorgenden zum aktivierenden Wohlfahrtstaat. Auswirkungen des Leitbildes des aktivierenden Wohlfahrtsstaates auf das Familienbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/296317