Zur Entwicklung jedes Menschen gehören die Ausbildung kultureller Fähigkeiten und das Hineinwachsen in eine Kultur, die die Menschheit im Laufe der Evolution hervorgebracht hat und noch heute hervorbringt. Der Begriff der Kultur ist jedoch multidimensional und bedarf einer genaueren Einteilung, die im Folgenden ebenso vorgenommen wird wie die Untersuchung der verschiedenen Auffassungen von Kulturbeziehungen im Laufe der Zeit. Danach wird gezielt auf die Transkulturalität eingegangen. Nach einer Begriffserklärung werden ihre Präsenz in der Vergangenheit sowie in der Gesellschaft und der (Musikhoch-)Schullandschaft der Gegenwart analysiert. In einem weiteren Kapitel beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit Katalysatoren von Transkulturalität sowie dem möglichen „Problem“ der Uniformierung. Schließlich steht die transkulturelle Musikerziehung, die zunächst von der interkulturellen Musikerziehung abgegrenzt wird, im Mittelpunkt, wobei die aktuelle Unterrichtssituation kurz erläutert wird und konkrete Vorschläge für die Praxis gemacht werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Auffassungen von Kulturbeziehungen im Laufe der Zeit
1.1 Das traditionelle Kugelmodell des 18. Jahrhunderts
1.2 Multi- und Interkulturalität
2 Transkulturalität
2.1 Begriffserklärung
2.2 Transkulturalität in der Geschichte
2.3 Transkulturalität heute
2.3.1 Makroebene
2.3.2 Mikroebene
2.3.3 Katalysatoren von Transkulturalität
2.4 Transkulturalität in der (Musikhoch-)Schule
2.5 Uniformität – ein Produkt der Transkulturalität?
3 Transkulturelle Musikerziehung
3.1 Von interkultureller zu transkultureller Musikerziehung
3.2 Konkrete Vorschläge für den Musikunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel von kulturellen Identitätskonzepten und deren Bedeutung für die Musikpädagogik, mit dem Ziel, die Überlegenheit des Transkulturalitätskonzepts gegenüber älteren Modellen wie dem Kugelmodell oder der Interkulturalität aufzuzeigen und für eine moderne Musikerziehung nutzbar zu machen.
- Kritische Analyse historischer und aktueller Kulturbegriffe
- Gegenüberstellung von Multi-, Inter- und Transkulturalität
- Untersuchung von Transkulturalität in Gesellschaft und Bildung
- Abgrenzung der transkulturellen zur interkulturellen Musikerziehung
- Entwicklung praxisorientierter Ansätze für den Musikunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 Konkrete Vorschläge für den Musikunterricht
Da es erstens unrealistisch ist, alle Themen des Musikunterrichts transkulturell zu unterrichten, und zweitens kaum transkulturell geprägte Materialien existieren, ist es sinnvoll, dass der Lehrer selbst passende Materialien zu einer geeigneten Unterrichtseinheit anfertigt. Dabei darf er jedoch nicht der Interkulturalität „verfallen“, was leicht passieren kann. Entscheidend ist, dass Elemente verschiedener Kulturen nicht nur separat voneinander behandelt werden, sondern dass ein neues Produkt aus verschiedenen Elementen vorgestellt oder erarbeitet wird.
Behandelt man beispielsweise gerade die barocke Epoche, wäre es möglich, Stücke wie den „Pachelbelkanon“ oder die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach Johann zunächst in der klassischen Version und dann in der veränderten transkulturellen Form häufig eines anderen Genres – also „Die Eine“ von „Die Firma“ beziehungsweise eine Rap-Remix-Version der Toccata ̶ vorzuspielen und zu untersuchen, welche Elemente der klassischen Musik und der Pop- bzw. Elektromusik sich darin vermischen, sodass ein neues Produkt entsteht. Auch Songs von Shakira, die oft Elemente britischer Popkultur und lateinamerikanische Rhythmen miteinander vermischen, bieten sich an. Denkbar wäre weiterhin die Entwicklung eines neuen Tanzstils unter Vermischung von Elementen unterschiedlicher Stile. Interessant ist auch in jedem Fall der Film From Mambo to Hip Hop, in dem auf die enge Verflechtung der lateinamerikanischen Rhythmen mit amerikanischem Pop hingewiesen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Auffassungen von Kulturbeziehungen im Laufe der Zeit: Dieses Kapitel erläutert den Wandel des Kulturbegriffs vom traditionellen Kugelmodell des 18. Jahrhunderts hin zu differenzierteren Ansätzen und grenzt Multi- von Interkulturalität ab.
2 Transkulturalität: Hier wird das Konzept der Transkulturalität definiert und dessen Präsenz in Geschichte und Gegenwart auf Makro- und Mikroebene analysiert, inklusive einer kritischen Betrachtung des Bildungssektors.
3 Transkulturelle Musikerziehung: Dieses Kapitel thematisiert den Paradigmenwechsel in der Musikpädagogik und bietet praktische Lösungsansätze, wie die Verflechtung von Musikstilen im Unterricht vermittelt werden kann.
Schlüsselwörter
Transkulturalität, Musikerziehung, Interkulturalität, Kulturtheorie, Musikpädagogik, Globalisierung, Identitätsbildung, Kugelmodell, Musikunterricht, kulturelle Hybridität, Transkulturation, kulturelle Identität, Musikvermittlung, Diversität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Transkulturalität und wie dieses die bisherigen, oft als überholt betrachteten Modelle von Kulturbeziehungen in der Musikpädagogik ablösen oder ergänzen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Einordnung des Kulturbegriffs, die gesellschaftliche Realität von Transkulturalität und die praktische Umsetzung transkultureller Ansätze im Musikschulalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, die Notwendigkeit einer transkulturellen Musikerziehung zu begründen, die über den bloßen Vergleich von Kulturen hinausgeht und stattdessen deren Verflechtung und hybride Entstehung in den Fokus rückt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Fachliteratur (insbesondere von Wolfgang Welsch und Volker Schütz) und kombiniert diese mit fachdidaktischen Überlegungen für die musikpädagogische Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Konzepte (Kugelmodell), definiert Transkulturalität auf verschiedenen Ebenen und leitet daraus Anforderungen an die heutige Musikhochschul- und Schullandschaft ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transkulturalität, kulturelle Hybridität, Musikpädagogik und das Überwinden des Kugelmodells geprägt.
Warum wird das Kugelmodell von Herder heute als unzureichend angesehen?
Das Kugelmodell unterstellt Kulturen als homogene, sich abstoßende Einheiten; die moderne Gesellschaft zeigt jedoch eine hohe Durchdringung und Verflechtung, die dieses Modell faktisch widerlegt.
Was unterscheidet die transkulturelle von der interkulturellen Musikerziehung?
Während die interkulturelle Musikerziehung oft nur Kulturen vergleicht und getrennt betrachtet, zielt die transkulturelle Erziehung darauf ab, die Vermischung und das Entstehen neuer, hybrider Produkte aktiv in den Unterricht zu integrieren.
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- Susanne Becker (Author), 2013, Transkulturalität in Geschichte und Gegenwart der Musikerziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/296153