Seit der Deregulierung des deutschen Telekommunikationssektors 1998 befindet sich der Markt in einem Umbruch. Die Rahmenbedingungen im politischen, wirtschaftlichen und technischen Sinne und der dadurch ausgelöste Margen- und Leistungsdruck zwingen die Marktteilnehmer zu aktivem und konsequentem Handeln. Dabei sind Unternehmenszusammenschlüsse mittlerweile immer häufiger auf der Tagesordnung, nicht zuletzt weil sie einen hohen Einfluss auf den Unternehmenswert als auch auf Erfolgschancen hinsichtlich des Portfolios, der Wettbewerbspositionierung sowie der Synergiepotenziale haben.
Ziel dieser Arbeit ist es, die M&A-Transaktion von E-Plus (KPN) und O2 (Telefónica) unter dem Aspekt der strategischen Zielsetzungen und ihren Aussichten auf Erfolg näher zu beleuchten. Dazu werden zunächst in Kapitel 2 terminologische Grundlagen erläutert als auch der Telekommunikationsmarkt charakterisiert. In Kapitel 3 erfolgt sodann eine Analyse der domi-nierenden strategischen Zielsetzungen der Fusion anhand der M&A-Motivtheorie. In einem ersten Schritt werden in Kapitel 3.1 die Betrach-tungsperspektive und die verwendeten Analyseansätze abgegrenzt. Eine detailliertere Betrachtung der Effizienztheorie und Marktmachttheorie im Zusammenhang mit der vorliegenden Transaktion folgt in Kapitel 3.2.1 und 3.2.2.
Daran anschließend werden in Kapitel 4 die zuvor dargelegten Ziele bezüg-lich ihrer Aussichten auf Erfolg kritisch beurteilt. Eine Festlegung des Erfolgsbegriffs als auch der in dieser Arbeit eingenommene Erfolgsperspektive geht dem voran. Die Analyse der Erfolgspotenziale ist in eine endogene (Kapitel 4.2.1) und eine exogene (Kapitel 4.2.2) Betrachtung untergliedert. Bei der endogenen Betrachtung wird das Integrationsmanagement im Hinblick auf die Beeinflussung des M&A-Erfolgs aus dem inneren der M&A-Transaktion heraus untersucht und bei der exogenen Betrachtung liegt der Fokus auf der Regulierungs- und Wettbewerbspolitik, die die Erreichung der M&A-Zielsetzungen von außen beeinflusst. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengefasst und auf weiteren Forschungsbedarf hingewiesen (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Terminologische Grundlagen und Charakteristika des Telekommunikationsmarktes
2.1 Definition des Terminus M&A
2.2 Charakteristika des deutschen Telekommunikationsmarktes
3 M&A-Theoretische Untersuchung der dominierenden strategischen Zielsetzungen
3.1 Abgrenzung der M&A-Theorie und Betrachtungsperspektive
3.2 Untersuchung der dominierenden strategischen M&A-Motive
3.2.1 Effizienztheoretische Motivanalyse
3.2.2 Marktmachttheoretische Motivanalyse
4 Analyse der auf der M&A-Motivtheorie basierenden Erfolgsaussichten
4.1 Erfolgsbegriff, -perspektive und Analyseschema
4.2 Betrachtung ausgewählter Erfolgsfaktoren
4.2.1 Endogener Erfolgsfaktor: Integrationsmanagement
4.2.2 Exogener Erfolgsfaktor: Regulierungs- und Wettbewerbspolitik
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der M&A-Transaktion zwischen E-Plus (KPN) und O2 (Telefónica). Ziel ist es, die strategischen Motive hinter dieser Fusion unter Anwendung der M&A-Motivtheorie zu analysieren und die Erfolgsaussichten kritisch unter Berücksichtigung endogener und exogener Erfolgsfaktoren zu bewerten.
- Analyse strategischer M&A-Motive (Effizienz vs. Marktmacht)
- Charakterisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes
- Untersuchung des Integrationsmanagements als endogener Erfolgsfaktor
- Bewertung des Einflusses von Regulierungs- und Wettbewerbspolitik
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Effizienztheoretische Motivanalyse
Der Wunsch nach einer Realisierung von Synergiepotenzialen wird oft als wichtigstes Motiv innerhalb der strategischen Motive genannt. Der Ansatz ist in seinem Ursprung auf Coase zurückzuführen. Im M&A-Kontext wird Synergie als der Wertzuwachs verstanden, der entsteht wenn sich zwei Unternehmen wirtschaftlich vereinigen. Plakativ kann hierfür die Formel „2+2=5“ herangezogen werden, die den Grundgedanken der Effizienztheorie einprägsam verdeutlicht.
Üblicherweise unterscheidet die Literatur drei verschiedene Kategorien von Synergien: Operative, finanzielle und Managementsynergien. Ferner können nach Ansoff Synergien auf zwei Arten gemessen werden: nach der Umsatzsteigerung oder der Kostenreduktion.
Operative Synergien
Bei operativen Synergien handelt es sich um Synergien aus der Zusammenlegung operativer Einheiten und Ressourcen aber auch um Wissenstransfer zwischen den sich vereinigenden Unternehmen sowie Lernkurveneffekte. Zu den operativen Synergien bei der M&A-Transaktion von O2 und E-Plus zählen die Synergien, die sich aus dem rationalisierten Vertrieb und verbessertem Kundenservice, aus der Netzwerkzusammenlegung als auch aus der Reduktion der Vertriebs-, Verwaltungs- und Gemeinkosten (VVGK) aufgrund von Prozessrationalisierungen ergeben können. Dies sind vor allem kostenreduzierende Synergien. So ist beispielsweise ein hohes Einsparpotenzial bei dem Distributionsnetzwerk möglich, da sowohl O2 als auch E-Plus über ein flächendeckendes Distributionsnetzwerk verfügen, welches durch die Zusammenlegung reduziert werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Marktsituation nach der Deregulierung des deutschen Telekommunikationssektors ein und definiert das Ziel der Arbeit, die strategischen Motive und Erfolgsaussichten der E-Plus/O2-Fusion zu beleuchten.
2 Terminologische Grundlagen und Charakteristika des Telekommunikationsmarktes: In diesem Kapitel werden grundlegende M&A-Begrifflichkeiten definiert und die Besonderheiten des wettbewerbsgeprägten deutschen Telekommunikationsmarktes erörtert.
3 M&A-Theoretische Untersuchung der dominierenden strategischen Zielsetzungen: Das Kapitel analysiert die strategischen Motive der Transaktion, insbesondere auf Basis der Effizienztheorie zur Synergierealisierung und der Marktmachttheorie zur Preisgestaltung.
4 Analyse der auf der M&A-Motivtheorie basierenden Erfolgsaussichten: Hier erfolgt eine kritische Beurteilung der Erfolgsaussichten durch die Analyse des Integrationsmanagements sowie der Regulierungs- und Wettbewerbspolitik als entscheidende Erfolgsfaktoren.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Analyse zusammen, stellt die Relevanz operativer Synergien heraus und gibt einen Ausblick auf potenziell weiterführende Forschungsansätze, wie Marktsimulationen.
Schlüsselwörter
Mergers & Acquisitions, M&A, E-Plus, O2, Telefónica, Telekommunikationsmarkt, Synergiepotenziale, Marktmacht, Integrationsmanagement, Regulierungsbehörde, Wettbewerbspolitik, Fusion, Strategische Ziele, Effizienztheorie, Marktanteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die geplante M&A-Transaktion zwischen den Mobilfunkanbietern E-Plus und O2 im deutschen Markt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die strategischen M&A-Motive, das Integrationsmanagement und der regulatorische Rahmen des Telekommunikationsmarktes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die strategischen Zielsetzungen der Fusion zu identifizieren und die daraus resultierenden Erfolgsaussichten kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretisch-konzeptionellen Untersuchung unter Anwendung der M&A-Motivtheorie und der Analyse relevanter Erfolgsfaktoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Motivanalyse der Fusion sowie eine Erfolgsanalyse anhand endogener und exogener Einflussfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem M&A, Synergiepotenziale, Marktmacht, Telekommunikationsmarkt und Integrationsmanagement.
Welche Rolle spielt die Regulierungsbehörde bei dieser Fusion?
Die Regulierungsbehörden prüfen, ob durch die Fusion eine marktbeherrschende Stellung entsteht und fordern gegebenenfalls Auflagen wie Frequenzabgaben.
Warum wird die Marktmachttheorie als untergeordnetes Motiv betrachtet?
Die Analyse zeigt, dass primär die Realisierung operativer Synergien das treibende Motiv ist, während die Marktmacht in Kombination mit der Effizienztheorie zu sehen ist.
Welche Bedenken gibt es bezüglich der Integrationskosten?
Die Arbeit merkt an, dass die veranschlagten Integrationskosten von 0,9 Milliarden Euro sehr niedrig angesetzt sind und die Synergiebilanz schmälern könnten.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Vehrenkemper (Autor:in), 2014, Die Fusion von E-Plus und O2. Strategische Zielsetzungen und ihre Aussichten auf Erfolg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/295138