[...] Die wissenschaftliche Betrachtung von Gewalt an Schulen thematisiert "herausragende" Einzeltaten hingegen nicht (vgl. GESIS, 1). Es wird angenommen, dass hinter solchen Taten jeweils höchst individuelle Hintergründe und Ursachen stecken, deren Erforschung nicht zur Erkenntnis einer allgemeingültigen Tendenz oder einer generalisierbaren Aussage beitragen. Laut SCHNEIDER gibt es aus "kriminalpsychologischer Sicht nicht den Typ eines jugendlichen Verbrechers, sondern von Fall zu Fall unterschiedliche Merkmale, Tendenzen oder Neigungen der Täter" (vgl. TEACHERSNEWS,1). Der spektakelorientierten Berichterstattung wird lediglich ein Teil der allgemeinen Sensibilisierung der Gesellschaft gegenüber Gewalttaten – und damit auch gegenüber Gewalt an Schulen - zugesprochen. Ob die Gewalttätigkeit oder Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen im Laufe der Jahre zugenommen hat, ist wissenschaftlich nicht einfach zu beantworten. Dass jedoch Gewalt an den Schulen ein ernst zu nehmendes Thema ist, welches sich vor allem im Hinblick auf präventive Möglichkeiten zur Verminderung der Gewalttätigkeit von Kindern und Jugendlichen und damit gleichzeitig im größeren Rahmen der Gesellschaftsentwicklung zu analysieren und dementsprechende Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln lohnt, ist unbestritten. Die vorliegende Arbeit knüpft an dieser Stelle an. Im zunächst folgenden theoretischen Teil wird der aktuelle Stand der Gewaltforschung in Bezug auf Gewalt an Schulen, vor allem im Hinblick auf Quantität und Qualität der Gewalt unter Schülern und Jugendlichen, erörtert. Der empirische Teil dieser Arbeit stellt die Internetbefragung zur Qualität und Quantität von Gewalt an deutschen Schulen der Klassen fünf bis zehn einschließlich Auswertung vor. Hierbei handelt es sich um eine Querschnittuntersuchung, die einen Eindruck von der aktuellen Wahrnehmung von Gewalt bei Schülern vermitteln, und den positiven Einfluss von Präventions- und Interventionsmaßnahmen auf Einstellung gegenüber Gewalt, dem Sicherheitsgefühl an der Schule und dem Schulklima aufzeigen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. ANSTELLE EINES VORWORTS.................................... 4
2. EINLEITUNG............................................................. 5
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN .................................. 8
3.1. TERMINOLOGIE & EINGRENZUNG ...........................................8
3.1.1. Die Reichweite des Gewaltbegriffs..............................................8
3.1.2. Drangsalieren und Mobben ........................................................8
3.1.3. Schülerreaktion auf Mobben?.....................................................9
3.2. GEWALTKONZEPTION ALS WIRKLICHKEITSKONSTRUKT ...............10
3.2.1. Gewaltwahrnehmung in Öffentlichkeit und Politik ......................10
3.2.2. Vergleichbarkeit in der Gewaltforschung ...................................11
3.2.3. Institutionalisierte Statistiken mit Bezug auf Jugendgewalt ........12
3.2.3.1. Jugendkriminalitätsstatistik mit Fokus auf Gewaltdelikte.......12
3.2.3.2. Statistik der Unfälle durch Gewalthandlungen......................14
3.2.4. Allgemeine Gültigkeit von Aussagen in der Gewaltforschung ......15
3.3. FORSCHUNGSSTAND ZUR GEWALT AN SCHULEN .......................17
3.3.1. Aggressionstheorien ................................................................17
3.3.2. Aktuelle Thesen der Forschung zur Gewalt an Schulen ..............17
3.3.3. Längsschnittuntersuchung zur Gewalt an Schulen von FUCHS .....20
3.4. URSACHEN UND ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN VON GEWALT ........21
3.4.1. Medien und Gewalt .................................................................22
3.4.2. Gewalt in der Familie...............................................................22
3.4.3. Gender und Genetik ................................................................23
3.4.4. Strukturelle Gewalt - Lehrer als Täter .......................................23
3.5. HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN, PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONS-PROGRAMME.............................................25
3.5.1. Lehrer-Aus- und Fortbildung ....................................................25
3.5.2. Präventionsprogramme............................................................26
3.5.3. Interventions- und Trainingsprogramme...................................26
3.6. SCHÜLERUMFRAGEN ZUR GEWALTSITUATION (AUSWAHL) ...........28
3.6.1. KFN-Schülerbefragung (Dunkelfeldbefragung)...........................28
3.6.2. Exemplarische Schulinterne Umfrage zu Gewalt ........................29
4. EMPIRISCHE SCHÜLERBEFRAGUNG ......................... 32
4.1. WISSENSCHAFTLICHE FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN .......32
4.2. BESCHREIBUNG DES INTERNETPORTALS WWW.GEWALT-AN-SCHULEN.DE ..................................................................33
4.3. UNTERSUCHUNGSMETHODE ................................................35
4.3.1. Akquisition der Stichprobe .......................................................35
4.3.1.1. ... über Human Multiplier....................................................36
4.3.1.2. ... über Newsgroups...........................................................36
4.3.1.3. ... über schulrelevante Internetseiten und Bildungsserver.....36
4.3.1.4. ... über Newsletter.............................................................37
4.3.1.5. ... über Diskussionsforen und Gästebücher..........................37
4.3.1.6. ... über digitale Mundpropaganda .......................................37
4.3.1.7. ... über die Mailingliste von VISIONARY .................................37
4.3.2. Identifikation der Stichprobe....................................................38
4.3.3. Authentizität der Eingabedaten ................................................38
4.3.4. Vermeidung eines strukturellen Bias der Befragung...................39
4.3.4.1. ... in der Fragestellung.......................................................39
4.3.4.2. ... in Bezug auf die "Ja-Sage-Bereitschaft"...........................39
4.3.4.3. ... in Bezug auf die "soziale Erwünschtheit" .........................40
4.3.4.4. ... in Bezug auf die "zentrale Tendenz"................................40
4.3.4.5. ... in Bezug auf die Stichprobenauswahl ..............................40
4.3.4.6. ... in Bezug auf das Medium Internet ..................................41
4.4. UNTERSUCHUNGSDESIGN...................................................42
4.4.1. Datengewinnung.....................................................................42
4.4.2. Erläuterung der Frageliste........................................................42
4.4.3. Beschreibung der Stichprobe....................................................44
4.5. DESKRIPTIVE AUSWERTUNG & STATISTISCHE DARSTELLUNG DER BEFRAGUNG ...................................................................47
4.5.1. Wie verbreitet sind Präventions- und Interventionsmaßnamen zu Gewalt ...............................................................................48
4.5.2. Die Einstellungen zu Gewalt von Schülern.................................49
4.5.3. Auslöser von Gewalt & Aggression............................................51
4.5.4. Wahrgenommene Präsenz von Gewalt aus der Opferperspektive in Quantität und Qualität .........................................................53
4.5.5. Wie (sicher) fühlen sich Schüler an ihrer Schule ........................56
4.5.6. Einstufung des Schulklimas......................................................58
4.5.7. Wer ist Vertrauensperson nach einer Gewalthandlung?..............60
4.5.8. Schülerbewertung von Gewaltpräventions- und Interventionsmaßnahmen........................................................60
4.5.9. Die Bedeutung der Gewalt für Schüler ......................................61
4.6. ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG........................................63
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK.................. 66
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Quantität und Qualität von Gewalt an deutschen Schulen in den Klassen 5 bis 10 durch eine quantitative Online-Befragung zu erfassen. Dabei liegt der Fokus auf der subjektiven Wahrnehmung von Schülern sowie dem Einfluss präventiver und interventiver Maßnahmen auf das Schulklima und das Sicherheitsgefühl.
- Wahrnehmung von Gewaltformen und deren Auslöser aus Schülersicht
- Analyse der Wirkung von Gewaltpräventions- und Interventionsprogrammen
- Unterschiede in der Gewaltwahrnehmung nach Geschlecht, Schultyp und Präventionshintergrund
- Empirische Untersuchung mittels eines intermedialen Internetportals
Auszug aus dem Buch
Die Einstellungen zu Gewalt von Schülern
In der Eingangsfrage (Frage Nr.1: Welche Aussage trifft am ehesten zu?) sollte die Einstellung zu Gewalt "ertastet" werden. Die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten bestehen aus verschiedenen polarisierten Einstellungskonzepten zu Gewalt, die in etwa folgendermaßen attribuiert werden können: [A] passiv-resignativ, [B] passiv-ängstlich, [C] aktiv-selbstbehauptend, [D] hilfe-suchend, [E] aktiv-rachevoll. Hiervon können die Antworten [C] und [D] als lösungsorientiert eingestuft werden.
Die beiden lösungsorientierten Antworten wurden auf alle Schüler gesehen mit 71 % ([C] = 34 %, [D] = 37 %) am häufigsten gewählt, wobei 50 % aller Mädchen sich für Antwort [D] entschieden und Jungen die Antwort [C] mit 40 % präferierten. Jungen wählen allerdings auch deutlich häufiger (mit 23 %) die aktiv-rachevolle Einstellung zu Gewalt, als Mädchen. Die folgende Grafik zeigt die Einstellung zu Gewalt aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ANSTELLE EINES VORWORTS: Einleitende humoristische Einstimmung auf die Thematik der Schulgewalt.
2. EINLEITUNG: Darstellung der Relevanz und Historizität des Themas sowie der medialen und politischen Funktionalisierung der Gewaltdiskussion.
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Systematische Aufarbeitung von Begriffsdefinitionen, Aggressionstheorien, Ursachenforschung und bestehenden Präventionsansätzen.
4. EMPIRISCHE SCHÜLERBEFRAGUNG: Detaillierte methodische Beschreibung der durchgeführten Internetbefragung und deskriptive Darstellung der Ergebnisse zur Gewaltwahrnehmung.
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Wirksamkeit sowie der Grenzen schulischer Präventionsarbeit.
Schlüsselwörter
Schulgewalt, Internetbefragung, Gewaltprävention, Interventionsprogramme, Schülerwahrnehmung, Jugendkriminalität, Schulklima, Aggressionsformen, Gewaltursachen, Opferperspektive, Schulsozialarbeit, Schultyp-Differenzen, Selbstkonzept, Zivilcourage, Online-Methodik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Erfassung von Quantität und Qualität von Gewalt an deutschen Schulen in den Klassen 5 bis 10 durch eine empirische Internetbefragung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Wahrnehmung von Gewalt durch Schüler, der Einfluss von Präventions- und Interventionsmaßnahmen sowie die Identifikation von Auslösern für Aggressionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, einen objektiven Eindruck der aktuellen Gewaltwahrnehmung bei Schülern zu vermitteln und den Einfluss pädagogischer Maßnahmen auf das Schulklima und das Sicherheitsgefühl zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein rein quantitatives Vorgehen gewählt, basierend auf einer standardisierten Online-Befragung, die über ein eigens dafür erstelltes Internetportal durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie Definitionen und Aggressionstheorien, sowie den empirischen Teil, der die Konzeption und Auswertung der Schülerbefragung umfasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schulgewalt, Prävention, Schülerbefragung, Aggression, Internet-Methodik, Schulklima und Gewaltwahrnehmung sind die prägenden Begriffe.
Warum wurde das Internet als Medium für die Befragung gewählt?
Das Internet wurde aufgrund seiner modernen, zeitgemäßen Art und seiner hohen Akzeptanz bei der Zielgruppe der Schüler als effizientes und kostengünstiges Medium für eine weiträumige, deutschlandweite Untersuchung genutzt.
Welche Erkenntnisse lieferte die Befragung zum Schulklima?
Die Befragung zeigt, dass Schüler mit schulischem Gewaltpräventionshintergrund ihr Schulklima signifikant positiver bewerten und seltener ein aggressives Umfeld wahrnehmen als Schüler ohne entsprechende Projekte.
Wie bewerten Schüler die Wirksamkeit von Gewaltpräventionsprojekten?
Die Mehrheit der befragten Schüler gab an, dass die Projekte nur geringe Auswirkungen zeigten, wobei die Beurteilungen jedoch zwischen Resignation und vereinzelten positiven Einschätzungen variieren.
- Quote paper
- Kristian Klett (Author), 2003, Internetbefragung zur Erfassung von Quantität und Qualität der Gewalt an deutschen Schulen in den Klassen 5-10, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/29415