Die berufliche Ausbildung hat eine große Bedeutung bei Jugendlichen, da ihnen dadurch die Tür zur Arbeitswelt geöffnet wird. Das deutsche Berufsausbildungssystem unterhalb der Hochschulebene gliedert sich in drei große Sektoren, das duale Ausbildungssystem, das Schulberufssystem und das Übergangssystem (Bildungsbericht, 2012, S.101). Jedoch ist es für die Jugendlichen schwierig, den richtigen Beruf zu wählen und den passenden Betrieb zu finden (Mariak & Matt, 1993, S.1). Die Bewerbung und Ausbildungsplatzvergabe unterliegt verschiedenen Selektionskriterien, seitens der Jugendlichen und der Betriebe.
Durch das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie, begann eine Diskussion über die Probleme des Bildungswesens (Seifried, 2006, S.1). Außerdem kamen Zweifel auf, ob die Funktion der Qualifikation, Integration und Selektion ausreichend gut erfüllt werden (ebd., S.1). Bildungs- und Qualifikationsdefizite werden dann spürbar, wenn Jugendliche bzw. junge Erwachsene mit der Berufsausbildung beginnen (ebd., S.1). Ebenfalls klagen Betriebe über fehlende „Ausbildungsreife“ (ebd., S.1).
Diese Diskussion entfacht immer dann, wenn ein Mangel an Ausbildungsplätzen zu verzeichnen ist (ebd., S.2) und der Betrieb sich für den besten Auszubildenden (Azubi) entscheiden muss. Darüber hinaus entstand eine kritische Diskussion, national wie auch international, über das deutsche Berufsbildungssystem, aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Ausbildungsanfänger im dualen System (Bildungsbericht, 2012, S.105).
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Altersstrukturen auf dem Ausbildungsmarkt, mit den Selektionskriterien der Betriebe zusammenhängen.
In der Arbeit wird ausschließlich die duale Ausbildung betrachtet, da diese als äußerst bedeutsamer Sektor gilt, im Vergleich zu den anderen Sektoren (Bildungsbericht, 2012, S.101). Außerdem werden die Selektionskriterien der Betriebe betrachtet, diese haben in der dualen Ausbildung einen wichtigen Stellenwert.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife
2.2. Selektionskriterien der Betriebe
3. Ausbildungsmarkt
3.1. Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage
3.2. Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt
3.3. Altersstrukturen auf dem Ausbildungsmarkt
4. Ausbildungsplatzvergabe mit Bezug auf das Alter der Bewerber
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den Altersstrukturen auf dem deutschen Ausbildungsmarkt und den Selektionskriterien von Betrieben im dualen Ausbildungssystem.
- Analyse des Kriterienkatalogs zur Ausbildungsreife der Bundesagentur für Arbeit.
- Untersuchung betrieblicher Selektionsprozesse und deren Auswirkungen auf Bewerber.
- Darstellung der aktuellen Entwicklung von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage.
- Erörterung der Altersdynamik bei Ausbildungsanfängern und erfolglosen Bewerbern.
- Bewertung der Motive für die Bevorzugung jüngerer oder älterer Bewerber durch Betriebe.
Auszug aus dem Buch
2.2. Selektionskriterien der Betriebe
Eine Ausbildungsstelle zu finden ist heute nicht mehr so einfach, denn meistens gibt es mehr Bewerber als Stellen (Seifried, 2006, S.361). Der Betrieb möchte den „richtigen“ Auszubildenden finden und die Jugendlichen suchen den „richtigen“ Beruf und Betrieb, dieser Vorgang ist mit unterschiedlichen Selektionsprozessen verbunden (Mariak & Matt, 1993, S.1). Entscheidungen über die Eignung oder Nicht-Eignung müssen von den Betrieben getroffen werden und von den Jugendlichen hingenommen und verarbeitet werden (ebd., S.1). „Selektion bedeutet nicht nur Auswahl, sondern ebenso Ausgrenzung“ nach Mariak und Matt (1993, S.1).
Im Projekt über die Berufsfindung von Jugendlichen wurde eine qualitativ angelegte Befragung im institutionellen Bereich durchgeführt und 38 Ausbilder und Lehrkräfte wurden zu ihrem Lehrverhalten und ihren sozialen und pädagogischen Leitbildern interviewt (ebd., S.2).
Die beruflichen Ausbilder treffen Aussagen über die moralische Qualität einer Person, somit ist der Selektionsvorgang ein hochmoralisches Geschehen (ebd., S.3). In den Interviews der Befragten wird deutlich, dass moralische Implikate, Verstöße gegen Normen zur Begründung von Selektionsprozessen herangezogen werden und keine Aspekte wie die betriebliche Rationalität (ebd., S.3).
Die Bewerbungskataloge der Betriebe bzw. der Ausbilder sind unterschiedlich, trotzdem lässt sich für die Bewerbungsphase eine gewisse Systematik erkennen (ebd., S.4). Jedoch welche Einzelinformationen zu welchem Zeitpunkt und in welchem Ausmaß relevant werden, ist unterschiedlich (Imdorf, 2007, S.2). Nach Imdorf (2007, S.2) ist „mit dem Auswahlverfahren auch festgelegt, ob die Selektion mit einer direkten Kompetenzbeurteilung der Bewerber beginnt oder ob schulische Qualifikationsnachweise bzw. andere […] ersichtliche Informationen die Chancen für eine Ausbildung vorbestimmen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der dualen Ausbildung und führt in die Thematik ein, ob Altersstrukturen auf dem Ausbildungsmarkt mit betrieblichen Selektionskriterien korrelieren.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden der Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife der Bundesagentur für Arbeit sowie die verschiedenen Selektionskriterien und Mechanismen der Betriebe bei der Auswahl von Auszubildenden dargelegt.
3. Ausbildungsmarkt: Dieses Kapitel analysiert das Angebot und die Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt, aktuelle Entwicklungen und die statistischen Altersstrukturen der Bewerber und Anfänger.
4. Ausbildungsplatzvergabe mit Bezug auf das Alter der Bewerber: Der Fokus liegt hier auf den betrieblichen Beweggründen für die Bevorzugung bestimmter Altersgruppen, unter Einbezug von Risikofaktoren wie Lehrabbrüchen und sozialen Aspekten.
5. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und bewertet den Zusammenhang zwischen dem Alter der Bewerber und der betrieblichen Selektion kritisch.
Schlüsselwörter
Berufsbildung, duales System, Selektion, Ausbildungsreife, Betriebe, Ausbildungsmarkt, Altersstrukturen, Bewerber, Arbeitsmarkt, Qualifikation, Berufsausbildung, Lehrabbruch, Selektionskriterien, Bildungsexpansion, Ausbildungsplatzvergabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die beeinflussen, wie Betriebe Auszubildende auswählen, mit einem besonderen Fokus auf dem Einfluss des Alters der Bewerber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die duale Ausbildung, der Kriterienkatalog der Bundesagentur für Arbeit, betriebliche Auswahlprozesse und die demografische bzw. strukturelle Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Altersstrukturen auf dem Ausbildungsmarkt direkt mit den Selektionskriterien der Betriebe zusammenhängen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender Studien und Statistiken (z.B. BIBB-Datenreport, Bildungsberichte), um die Selektionsprozesse theoretisch zu fundieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Ausbildungsreife, den betrieblichen Selektionsmechanismen, der Marktsituation von Angebot und Nachfrage sowie den spezifischen Auswirkungen des Bewerberalters auf die Einstellungschancen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Selektion, duale Ausbildung, Ausbildungsreife, Altersstrukturen und betriebliche Sozialbeziehungen charakterisiert.
Warum wird das Alter der Bewerber in Betrieben oft als Störfaktor wahrgenommen?
Ältere Bewerber werden teils als weniger passend für die betriebliche Sozialstruktur oder als Risiko bezüglich möglicher Lehrabbrüche angesehen, während Jüngeren oft die nötige Reife oder Berufserfahrung fehlt.
Welche Rolle spielen die betrieblichen Sozialbeziehungen bei der Auswahl?
Betriebe versuchen, Störungen der internen "industriellen" oder "häuslichen" Welt zu vermeiden; daher spielt die Passung des Auszubildenden in das bestehende soziale Gefüge und die Kundenbeziehungen eine entscheidende Rolle.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2014, Hängen Altersstrukturen auf dem Ausbildungsmarkt mit den Selektionskriterien der Betriebe zusammen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/293883