Die Art von Konflikten wie sie im Zuge der Arabischen Revolution und dem speziellen Fallbeispiel Syriens zu beobachten sind, läuten die Ära eines neuen Kriegstypus ein, der das klassische Bild zwischenstaatlicher Kriege, also der militärischen Auseinandersetzung zwischen Nationalstaaten, ablöst. Es sind immer häufiger sogenannte „neue Kriege“, also innerstaatliche, bewaffnete Konflikte, welche unter zwei oder auch mehreren Konfliktparteien, die sich meist aus der Bevölkerung, aufständischen Gruppen (Rebellen) und der Regierung zusammensetzen, ausgefochten werden, welche die Weltöffentlichkeit in den letzten Jahren in Atem halten und die Staatengemeinschaft vor völlig neue Aufgaben stellen.
Bei dieser Art von Konflikt laufen die Grenzen von Freund und Feind oft fließend ineinander. Da die meisten klassischen Theorien der Internationalen Beziehungen ihren Schwerpunkt auf der Erklärung von Konflikten zwischen einzelnen Akteuren auf der internationalen Ebene, also meist Nationalstaaten, haben, können sie das Szenario eines innerstaatlichen Konfliktes, ohne Blick auf innerstaatliche und kulturelle Faktoren, nur unzureichend erklären.
Viel geeigneter hierfür erscheint daher die Theoriefamilie des Konstruktivismus, welche eben nicht nur die Handlungen und Mechanismen von Akteuren und Konflikten auf internationaler Ebene erklärt, sondern sich auch sehr gut als Instrument zur Betrachtung und Beleuchtung von Konflikten auf der innerstaatlichen Ebene eignet und deshalb das theoretische Fundament dieser Untersuchung legt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Ausblick über die Hausarbeit
- Der Konstruktivismus
- Was können wir wissen?
- Immanuel Kant
- Das Konstrukt der gesellschaftlichen Wirklichkeit
- Zwischenfazit
- Was sollen wir tun?
- Normative Werte der Gesellschaft
- Kultur
- Kommunikation von Kultur
- Zwischenfazit
- Was dürfen wir hoffen?
- Kulturelle Globalisierung
- Die Homogenisierung
- Die Hybridisierung
- Zwischenfazit
- Wer ist eigentlich „Wir“?
- Das Dilemma des Gemeinschaftsgefühls
- Zwischenfazit
- Der Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen (IB)
- Alexander Wendt
- Frank Schimmelfennig
- Zusammenfassung des Konstruktivismus
- Hypothesen zur Analyse des Fallbeispiels
- Analyse des Fallbeispiels - Der Konflikt in Syrien
- Der Typus der – Neuen Kriege
- Charakterisierung des Konflikts
- Anwendung der Hypothesen
- Hypothese 1
- Hypothese 2
- Hypothese 3
- Fazit der Hausarbeit
- Literaturverzeichnis
- Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Konflikt in Syrien und analysiert diesen im Rahmen des Konstruktivismus. Das Ziel ist es, die relevanten Elemente des Konstruktivismus zu beleuchten und anhand dieser die spezifischen Besonderheiten des syrischen Konflikts zu erklären. Dabei werden die einschlägigen Theorien des Konstruktivismus in den internationalen Beziehungen vorgestellt und relevante Hypothesen zur Analyse des syrischen Konflikts entwickelt.
- Der Konstruktivismus als theoretisches Framework zur Analyse von Konflikten
- Die Rolle von Identität und Interessen in der Entstehung und Eskalation von Konflikten
- Die Bedeutung von Normen und Werten in der internationalen Politik
- Die spezifischen Charakteristika des syrischen Konflikts im Kontext der „Neuen Kriege“
- Die Herausforderungen für die internationale Gemeinschaft in der Bewältigung des syrischen Konflikts
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung gibt einen kurzen Überblick über den Arabischen Frühling und die Besonderheiten des syrischen Konflikts. Das zweite Kapitel führt in die Grundprinzipien des Konstruktivismus ein, inklusive der wesentlichen Denkansätze und zentralen Akteure. Kapitel drei beleuchtet den Konstruktivismus im Kontext der Internationalen Beziehungen und stellt wichtige Vertreter dieses Ansatzes vor. Im vierten Kapitel werden zentrale Hypothesen aus dem Konstruktivismus für die Analyse des syrischen Konflikts entwickelt. Kapitel fünf schließlich befasst sich mit der Analyse des syrischen Konflikts selbst und wendet die zuvor entwickelten Hypothesen auf den Fall an.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, internationale Beziehungen, Syrien, Konflikt, Arabischer Frühling, neue Kriege, Identität, Interessen, Normen, Werte, internationale Gemeinschaft,
Häufig gestellte Fragen
Was trägt der Konstruktivismus zur Erklärung des Syrien-Konflikts bei?
Der Konstruktivismus zeigt, dass Konflikte nicht nur durch Machtinteressen, sondern durch soziale Konstruktionen von Identitäten, Feindbildern und kulturellen Werten entstehen und eskalieren.
Was versteht man unter „Neuen Kriegen“?
„Neue Kriege“ sind meist innerstaatliche Konflikte zwischen Regierungen und nicht-staatlichen Akteuren (Rebellen), bei denen die Grenzen zwischen Freund und Feind oft fließend sind.
Warum scheitern klassische Theorien oft an der Syrien-Analyse?
Klassische Theorien (wie der Realismus) konzentrieren sich auf Nationalstaaten als Akteure. Sie vernachlässigen oft innerstaatliche, kulturelle und identitätsstiftende Faktoren, die in Syrien entscheidend sind.
Welche Rolle spielt Alexander Wendt in dieser Theorie?
Alexander Wendt ist ein Hauptvertreter des Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen. Er prägte den Satz „Anarchie ist das, was Staaten daraus machen“, was die Bedeutung von sozialen Perzeptionen betont.
Wie beeinflussen Normen und Werte die internationale Politik?
Normen definieren, welches Verhalten als angemessen gilt. Im Syrien-Konflikt beeinflussen sie die Legitimation von Interventionen oder die Unterstützung bestimmter Konfliktparteien durch die Staatengemeinschaft.
- Arbeit zitieren
- Michael Nimmrichter (Autor:in), 2014, Was trägt der Konstruktivismus zur Erklärung des Konflikts in Syrien bei?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/293821