Ich gehe in der vorliegenden Hausarbeit von Raymond Williams Text Programmstruktur als Sequenz oder flow (1975) aus. Ich habe mich aus mehreren Gründen dafür entschieden, gerade diesen im Seminar besprochenen Text zu vertiefen. Die Diskussion im Seminar war sehr anregend, denn der im Text behandelte Gegenstand ließ sich in unseren eigenen Fernseherfahrungen wiederfinden. Es fielen uns viele interessante Punkte und auch einige spannende Fragen ein, auf die im Rahmen der Seminarsitzung aber leider nicht genauer eingegangen werden konnte. Dies weckte mein Interesse mich näher mit dem Gegenstand des Textes beschäftigen zu wollen.
Im ersten Teil der Hausarbeit werde ich zunächst eine kurze Einführung in das Thema geben, indem ich darstelle, welche Situation bei der Fernsehrezeption vorzufinden ist und welche Auswirkungen dies auf die Fernsehsender hat. Anschließend werde ich Williams These zur Programmstruktur als flow herausarbeiten. Davon ausgehend werde ich im zweiten Teil der Hausarbeit die gegenwärtige, deutsche Programmstruktur untersuchen, um herauszustellen, inwieweit Williams These zutreffend ist.
Die Fragen, die sich diese Arbeit dazu stellt, lauten: Ist das gegenwärtige, deutsche Programm als flow strukturiert? Lassen sich bei den Fernsehsendern gezielte Strategien finden, um die Rezipienten zu fesseln? Und falls ja, wie sehen diese Strategien aus? Um diese Fragen genauer behandeln zu können, werde ich mich auf einen einzigen, privaten Fernsehsender, namentlich ProSieben, und eine bestimmte Fernsehzeit, die Primetime (20.15-24 Uhr) an Werktagen, beschränken.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Voraussetzungen der Betrachtung
1.1. Die Fernsehrezeption
1.2. Auswirkung auf die Fernsehsender
2. Die Programmstruktur als flow
2.1. Das Konzept der Abfolge als Programm
2.2. Das Konzept der Abfolge als flow
3. Die Programmstruktur von ProSieben
3.1. flow-orientierte Strategien
3.1.1. Das Logo
3.1.2. Stripping
3.1.3. Lead-in-Placement
3.1.4. Blocking
3.2. Programmverbindung
3.2.1. Werbung
3.2.2. Trailer
3.2.3. Teaser
3.3. Sonstiges
3.4. Fazit
4. Abschließende Bewertung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Relevanz der Medientheorie von Raymond Williams über die „Programmstruktur als flow“ im Kontext des modernen deutschen Privatfernsehens. Ziel ist es, durch eine Analyse des Senders ProSieben während der Primetime zu prüfen, ob und wie gezielte Programmstrategien eingesetzt werden, um Zuschauer an das Programm zu binden und das Umschalten zu verhindern.
- Analyse des Fernseh-Rezeptionsverhaltens im privaten Umfeld
- Erarbeitung der theoretischen Grundlagen zum Konzept des „flow“
- Untersuchung von ProSieben-Strategien wie Stripping, Blocking und Lead-in-Placement
- Betrachtung von Programmverbindungen durch Trailer, Teaser und Werbung
- Evaluation der Dauerhaftigkeit und Veränderung von Williams These in der heutigen Medienlandschaft
Auszug aus dem Buch
3.1.4. Blocking
Um die Verweildauer des Rezipienten am Programm zu maximieren, achten die Programmmacher von ProSieben darauf, dass die aufeinander folgenden Sendungen an den einzelnen Werktagen in einer bestimmten, ähnlichen ‚Farbe’ gestaltet sind. Brüche im Programmablauf provozieren nämlich Umschaltverhalten bei dem Rezipienten, vor allem zur Primetime. Daher werden Sendesstrecken hergestellt, die mehrere Programmplätze umfassen und das gleiche Genre haben bzw. sich um Themen drehen, die die gleiche Zielgruppe ansprechen. Dies nennt man Blocking. Auf diese Weise soll ein Sehverhalten hervorgerufen werden, das den thematisch interessierten Rezipienten dazu verleitet, auch die nachfolgende Sendung zu rezipieren und somit den gesamten Fernsehabend dran zu bleiben. Die Blockstruktur soll also eine dauerhafte, über mehrere Sendungen anhaltende Rezipientenbindung gewährleisten.
Im Folgenden soll zur Veranschaulichung der Blocking-Strategie, das Fernsehprogramm von ProSieben zur Primetime von Montag bis Donnerstag (hier 30.07.12-02.08.12) dargestellt werden.
Montag → Mystery-Montag
Der sogenannte „Mystery-Montag“ bedient eher düstere Geschmäcker und bietet aufregenden Nervenkitzel.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Programmstruktur ein und definiert die Forschungsfrage, ob ProSieben Williams Konzept des „flow“ zur Zuschauerbindung nutzt.
1. Voraussetzungen der Betrachtung: Es wird das häusliche Fernseh-Rezeptionsverhalten analysiert, das durch ständige Ablenkung und einfache Umschaltmöglichkeiten gekennzeichnet ist, was Sender zu strategischem Handeln zwingt.
2. Die Programmstruktur als flow: Die theoretischen Grundlagen nach Raymond Williams werden erläutert, insbesondere der Übergang von diskreten Programmeinheiten hin zu einem ununterbrochenen Programmfluss.
3. Die Programmstruktur von ProSieben: Anhand konkreter Beispiele wie Stripping, Blocking, Trailern und Teasern wird aufgezeigt, wie der Sender ProSieben den „flow“ praktisch umsetzt, um die Verweildauer zu erhöhen.
4. Abschließende Bewertung: Die Arbeit resümiert, dass Williams These auch heute noch gültig ist, jedoch durch moderne Strategien und die Konkurrenz des Internets in ihrer Ausprägung komplexer geworden ist.
Schlüsselwörter
Fernsehen, Programmstruktur, flow, ProSieben, Primetime, Rezeption, Zuschauerbindung, Blocking, Stripping, Trailer, Teaser, Medienwissenschaft, Programmplanung, Unterbrecherwerbung, Fernsehverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Strukturierung von Fernsehprogrammen und untersucht, wie Fernsehsender durch gezielte Programmplanung versuchen, Zuschauer an ihren Sender zu binden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Medientheorie zum „flow“, das spezifische Nutzungsverhalten von Fernsehzuschauern sowie verschiedene Programmstrategien wie Blocking und Stripping.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die These von Raymond Williams über den „flow“ im Programm auf ihre aktuelle Anwendbarkeit am Beispiel des Senders ProSieben zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen mit einer exemplarischen Untersuchung des ProSieben-Programms zur Primetime kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Strategien von ProSieben, wie das Senderlogo, Stripping, Lead-in-Placement, Blocking sowie Methoden der Programmverbindung durch Trailer, Teaser und Werbung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „flow“, Rezipientenbindung, Primetime, Programmstrategie und Fernsehdramaturgie geprägt.
Wie trägt „Blocking“ zur Zuschauerbindung bei?
Blocking fasst thematisch verwandte Sendungen in einer Abfolge zusammen, um Umschaltimpulse bei thematisch interessierten Zuschauern zu minimieren und sie länger am Sender zu halten.
Warum spielt die Werbung bei der „flow“-Strategie eine Rolle?
Werbung kann Brüche im Programm verursachen. ProSieben nutzt daher gezielt Scharnier- und Unterbrecherwerbung oder Splitscreens, um den Übergang so nahtlos wie möglich zu gestalten und das Zappen zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Tatjana Stuhlmann (Autor:in), 2011, Die Programmstruktur als flow. Wie der Privatsender ProSieben den Rezipienten in der Primetime an sich bindet, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/293450