Die Bevölkerung im Freistaat Sachsen ist vom demographischen Wandel gezeichnet. Das Statistische Landesamt Sachsen prognostiziert einen Bevölkerungsrückgang von 12,1 % bis zum Jahre 2025. Ein Bevölkerungszuwachs ist lediglich in Dresden und Leipzig zu erwarten. Doch die Attraktivität des Zahnarztberufs bleibt in Sachsen weitgehend bestehen. Derzeit sind in Sachsen ca. 3700 Zahnärzte (Vertragszahnärzte, angestellte Zahnärzte, Assistenzzahnärzte) tätig. Auch in naher Zukunft bleibt diese Anzahl relativ konstant. Jedoch betrug der Altersdurchschnitt der niedergelassenen Zahnärzte im Jahr 2013 52 Jahre (Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen 2014a, S. 49).
Viele Praxen werden geschlossen oder warten auf einen Nachfolger, denn die Praxenabgeber sind meist auf einen Verkauf der Praxis angewiesen, um ihre Altersversorgung abzusichern.
Im Jahr 2013 absolvierten 100 Studenten der Zahnmedizin ihr Staatsexamen an den Universitäten in Leipzig und Dresden (Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen 2014a, S. 63). Diese Studenten gehen anschließend für mindestens 2 Jahre in ihre Assistenzzeit. Ist der Einstieg nach der Assistenzzeit nicht durch familiäre Gegebenheiten bestimmt, so bestehen bei vielen Absolventen nach dem abgeschlossenen Studium die Unsicherheiten:
• Geht man in die Niederlassung (Übernahme einer Praxis)?
• Welche Aspekte müssen dabei beachtet werden?
• Was benötige ich alles für eine Praxisübernahme?
• Wie sieht es in der praktischen Anwendung aus?
In dieser Bachelorarbeit werden zu diesen oben genannten Fragen Lösungsansätze mit integrierten Checklisten und Links für weiterführende Informationen aufgestellt, die es dem Leser ermöglichen, eine schnelle und für sich beste Entscheidung zu treffen und als Leitfaden für eine Praxisübernahme dienen. In Kombination mit Expertengesprächen werden Chancen und Möglichkeiten, aber auch Schwachstellen und Probleme aufgezeigt, die vorher vermieden werden können oder die eigene Entscheidung womöglich revidieren.
Diese Arbeit hat das Ziel, zukünftigen Zahnärzten unabhängig von der Persönlichkeit und charakterlichen Eigenschaften des Einzelnen eine Praxisübernahme zu veranschaulichen und als Entscheidungshilfe zu dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Motivation und Zielsetzung
1.2 Methodik und Vorgehensweise
2. Praxisformwahl
2.1 Einzelpraxis
2.2 Berufsausübungsgemeinschaft (BAG)
2.3 Praxisgemeinschaft
2.4 Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)
3. Rahmenbedingungen
3.1 Zeitplan
3.2 Standortwahl
3.2.1 Zielgruppenanalyse
3.2.2 Mitbewerberanalyse
3.2.3 Work-Life-Balance
3.2.4 Praxiszeiten
3.2.5 Notfallversorgung
3.3 Zulassungsformalitäten
3.3.1 Registereintrag
3.3.2 Zulassung als Vertragszahnarzt
3.4 Versicherungen
3.4.1 Berufshaftpflichtversicherung
3.4.2 Praxisinventarversicherung
3.4.3 Private Unfallversicherung
3.4.4 Krankenversicherung
3.5 Marketing für die Zahnarztpraxis
3.5.1 Marketingprozess
3.5.2 Marketinginstrumente für die Praxis
3.5.3 Fehler im Praxis-Marketing
3.6 Vor- und Nachteile der Übernahme einer Praxis
4. Investitions- und Finanzierungsplanung
4.1 Praxisinvestitionsplanung
4.2 Kostenplanung
4.2.1 Personalaufwand
4.2.2 Andere praxisbezogene Kosten
4.2.3 Private Kosten
4.3 Umsatzplanung
4.4 Rentabilitätsplanung
4.5 Liquiditätsplanung
4.5.1 Betriebliche Liquidität
4.5.2 Private Liquidität
4.6 Kapitalbedarfsplanung
4.7 Finanzierungsformen
4.7.1 Tilgungsdarlehen
4.7.2 Annuitätendarlehen
4.7.3 Tilgungsaussetzungsdarlehen
4.7.4 Leasing
4.8 Förderungsmöglichkeiten
4.8.1 Finanzierungsförderung
4.8.2 Beratungsförderung
4.8.3 Sonstige Förderungsmöglichkeiten
4.9 Controlling
4.9.1 Was ist Controlling?
4.9.2 Controlling richtig machen
4.9.3 Fehler im Controlling
5. Drei solide Schritte zur Praxisübernahme
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit dient als strukturierte Entscheidungshilfe für Absolventen der Zahnmedizin im Freistaat Sachsen, die vor dem Einstieg in eine Praxisübernahme stehen. Sie vermittelt grundlegende betriebswirtschaftliche sowie rechtliche Kenntnisse, beleuchtet Chancen und Risiken und integriert praktische Erfahrungen von Experten, um den angehenden Zahnärzten eine sichere Basis für ihre Niederlassungsentscheidung zu bieten.
- Rechtliche und organisatorische Grundlagen der verschiedenen Praxisformen (Einzelpraxis, BAG, MVZ).
- Wichtige Rahmenbedingungen wie Standortwahl, Marketing und notwendige Versicherungen.
- Detaillierte Finanzplanung (Investition, Kosten, Umsatz, Rentabilität und Liquidität).
- Operative Umsetzung der Praxisübernahme durch Expertenwissen und praktische Checklisten.
Auszug aus dem Buch
3.6 Vor- und Nachteile der Übernahme einer Praxis
Vorteile sind:
keine Anlaufzeit,
bestehendes Image – die Praxis ist bereits bekannt,
bestehender Patientenstamm,
Personal ist eingearbeitet und mit Patienten schon vertraut sowie
ein schon vorhandenes Netzwerk an notwendigen Beziehungen zu Kollegen und Krankenhäusern.
Nachteile:
fixierter Standort,
Inflexibilität (Einfinden in vorgegebene Abläufe),
kaum Freiraum für Gestaltungsmöglichkeiten der Räumlichkeiten und Einrichtung,
das Personal muss meist übernommen werden (BGB §613a) sowie
bestehende Gehaltsregelungen und Arbeitsverträge (Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen 2014b).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die demografische Ausgangslage in Sachsen und definiert die Motivation sowie Zielsetzung der Arbeit als Entscheidungshilfe für junge Zahnärzte.
2. Praxisformwahl: Analysiert verschiedene Kooperations- und Organisationsformen zahnärztlicher Praxen und deren Vor- sowie Nachteile für den Praxisinhaber.
3. Rahmenbedingungen: Behandelt die organisatorischen Aspekte einer Übernahme wie Zeitplanung, Standortkriterien, Zulassungsformalitäten, Absicherungsstrategien und Marketing.
4. Investitions- und Finanzierungsplanung: Erläutert die betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Praxisgründung, inklusive Finanzierungsmöglichkeiten und Controlling-Instrumenten zur Erfolgssicherung.
5. Drei solide Schritte zur Praxisübernahme: Führt den Leser in drei Phasen – Wertermittlung, Potenzialanalyse und Übernahme – strukturiert durch den Prozess der Praxisübergabe.
6. Zusammenfassung: Reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse aus Theorie und Experteninterviews und unterstreicht die Notwendigkeit professioneller Beratung bei der Niederlassung.
Schlüsselwörter
Praxisübernahme, Zahnmedizin, Freistaat Sachsen, Niederlassung, Existenzgründung, Betriebswirtschaft, Finanzplanung, Praxisformen, Marketing, Controlling, Versicherungen, Patientenstamm, Investition, Liquidität, Praxismanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit fungiert als Leitfaden für Zahnmedizin-Absolventen, die sich im Freistaat Sachsen mit einer Praxisübernahme niederlassen möchten, um sie bei den komplexen Vorbereitungen zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Wahl der passenden Praxisform, die Planung von Finanzen und Investitionen, die notwendigen rechtlichen Zulassungsvoraussetzungen sowie Marketingstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, Unsicherheiten bei Absolventen durch fundierte Informationen, Checklisten und Expertenwissen abzubauen und den Einstieg in die Selbstständigkeit zu erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie auf Experteninterviews mit praktizierenden Zahnärzten, Unternehmensberatern, Bankmitarbeitern und Vertretern der Kassenzahnärztlichen Vereinigung.
Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Praxisformen, die Klärung von Rahmenbedingungen (Standort, Zulassung, Versicherungen), die detaillierte Finanzierungsplanung und die Implementierung eines Controllings.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Praxisübernahme, Existenzgründung, Finanzplanung, Praxismanagement und Zahnärztliche Niederlassung.
Wie bewerten die Experten die Attraktivität von Praxisübernahmen gegenüber Neugründungen?
Experten empfehlen häufig die Übernahme, da diese durch einen bestehenden Patientenstamm vom ersten Tag an Umsätze generiert und somit das wirtschaftliche Risiko einer Neugründung minimiert.
Warum ist ein Controlling für eine Zahnarztpraxis essenziell?
Ein Controlling ist wichtig, um die finanzielle Entwicklung der Praxis zu überwachen, rechtzeitig auf Umsatzschwankungen oder ineffiziente Prozesse zu reagieren und die kurzfristige Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.
- Arbeit zitieren
- Ariane Rosin (Autor:in), 2015, Eine Entscheidungshilfe für Absolventen der Zahnmedizin, im Falle der Niederlassung mit Praxisübernahme im Freistaat Sachsen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/288962