Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Medium „Bilderbuch“ und veranschaulicht seine Funktionen und seinen Nutzwert für die Aufarbeitung von Trauer bei Kindern. Des Weiteren enthält dieses Kapitel Erläuterungen zur realistischen und problemorientierten Kinderliteratur.
Das folgende Kapitel bildet den Schwerpunkt der Arbeit und beinhaltet die Analyse des Bilderbuches „Abschied von Rune“ von Wenche Øyen und Marit Kaldhol, die sich an dem Buch „ich werd's trotzdem weitersagen!“ von H. Koch und M. Kruck veröffentlichten Kriterien orientiert.
Nach allgemeinen Informationen über die Autorin und Illustratorin konzentriert sich die Analyse vor allem auf die inhaltliche Analyse, die Stilanalyse und abschließend auf die didaktisch-methodische Fragestellung.
Das letzte Kapitel „Didaktische Überlegungen“ beinhaltet die Fragestellung, wie und in welchem Zusammenhang das Thema: „Tod und Trauer“ in der Schule eingeführt werden kann. Ist fächerübergreifender Unterricht zu dem Thema sinnvoll oder überhaupt möglich?
Abschließend werden Lernziele und -chancen aufgezeigt, die mit der Einführung des Themas erreicht und umgesetzt werden sollen.
Die Schlussbetrachtung beinhaltet eine Reflexion und Bewertung des Erarbeiteten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Bilderbuch – Eine Kategorisierung
1.1. Funktionen des Bilderbuches
1.2. Tod in der Kinderliteratur
1.3. Können Bilderbücher dem trauernden Kind helfen?
2. Analyse des Bilderbuches „Abschied von Rune“ von Wenche Øyen und Marit Kaldhol
2.1. Informationen zur Autorin und Illustratorin
2.2. Inhaltliche Analyse
2.2.1. Inhaltsangabe
2.2.2. Realitäts- und Problemgehalt
2.3. Stilanalyse
2.3.1. Äußere Aufmachung
2.3.2. Bildanalyse
2.3.3. Sprache
2.3.4. Adressatenbezug
2.4. Didaktisch-methodische Fragestellung
2.5. Fazit
3. Didaktische Überlegungen
3.1. Fächerübergreifende Möglichkeiten des Themas
3.1.1. Eine Projektarbeit zum Thema „Tod und Sterben“
3.2. Durchführung eines Elternabends
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Medium Bilderbuch genutzt werden kann, um Kindern bei der Aufarbeitung der Themen Tod und Trauer zu helfen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Analyse des Bilderbuches „Abschied von Rune“ hinsichtlich seiner Eignung als Instrument zur Trauerbegleitung und didaktischen Einführung in diese existenzielle Thematik.
- Kategorisierung und Funktionen des Bilderbuchs in der Kinderliteratur
- Analyse der inhaltlichen, bildnerischen und sprachlichen Gestaltung von „Abschied von Rune“
- Darstellung kindlicher Trauerphasen und psychologischer Bewältigungsmechanismen
- Didaktische Konzepte zur Implementierung des Themas „Tod und Sterben“ im Grundschulunterricht
- Die Rolle der sozialen Begleitung durch Eltern und Lehrkräfte in Trauersituationen
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Realitäts- und Problemgehalt
Der Tod tritt ganz plötzlich und unerwartet in das Leben von Sara. Saras bester Freund, Rune, ertrinkt beim gemeinsamen Spielen am See. Der Vorgang des Ertrinkens wird hier nicht geschildert, da dies Kinder dieser Alterstufe erheblich überfordern würde. Da Sara zum Zeitpunkt des Ertrinkens nicht anwesend ist, wird sie nicht Zeugin dieses Ereignisses. Sie ist nach Hause gelaufen um sich neue Handschuhe zu holen. Als sie zum See zurückkehrt, entdeckt sie Rune „zwischen den großen Steinen […]. Rune liegt ganz still – mit dem Gesicht im Wasser.“ Diese Beschreibung, wie auch das zugehörige Bild auf Seite 9, das eben diese Schilderung bildlich darstellt, veranschaulichen das Geschehen realistisch und kindgerecht.
Die Ursache (ausschließlich auf Runes Tod bezogen), die Tatsache, die Bedeutung des Todes und dessen Folgen für den menschlichen Körper werden an unterschiedlichen Textstellen, kindgerecht und ohne Beschönigungen dargestellt.
Saras Mutter versucht Sara die möglichen Umstände von Runes Tod zu veranschaulichen und zu erklären. „Er ist im See ertrunken. Vielleicht ist sein Boot abgetrieben worden, und er hat versucht, es zu erreichen. Dabei ist er vielleicht ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Und dann hat er es nicht mehr geschafft, wieder an Land zu kommen.“ Für Sara verständlich und im Rahmen ihrer psychischen Möglichkeiten versucht die Mutter ihr den Tod von Rune klar und ehrlich zu erklären.
Die Tatsache der Leblosigkeit des Todes wird auf kindlichem Niveau veranschaulicht, indem dem Toten Fähigkeiten abgesprochen werden, die Lebenden zugesprochen werden. „Jetzt ist er tot. Er kann nichts mehr sehen und nichts mehr hören. Er kann nicht mehr gehen oder laufen oder spielen. Er wird Sara nie mehr anlächeln und sie nie mehr umarmen. Rune ist tot.“
Die Folgen des Todes für den menschlichen Körper und was mit diesem nach dem Tod geschieht, versucht Saras Mutter behutsam und ehrlich zu erklären, indem sie schildert, dass dieser „zu Erde wird, damit Blumen wachsen können.“ Saras Mutter ist bemüht, den Tod und die Trauer mit schönen Dingen zu verbinden. Deswegen verbindet sie den Tod mit dem Wachsen von neuem, mit dem Kreislauf aus Werden und Vergehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung thematisiert die existenzielle Bedeutung von Tod und Trauer und hinterfragt die verbreitete Sprachlosigkeit sowie die falsche Schonhaltung Erwachsener gegenüber kindlichen Trauererfahrungen.
1. Das Bilderbuch – Eine Kategorisierung: Hier werden Definitionen und Funktionen des Bilderbuchs erläutert, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Entwicklung der realistischen Todesdarstellung in der Kinderliteratur gelegt wird.
2. Analyse des Bilderbuches „Abschied von Rune“ von Wenche Øyen und Marit Kaldhol: Dieses Hauptkapitel bietet eine tiefgehende inhaltliche, bildnerische und sprachliche Analyse des Werkes, inklusive der didaktischen Möglichkeiten, die das Buch für die Trauerarbeit bietet.
3. Didaktische Überlegungen: Hier werden pädagogische Ansätze zur Einbindung des Themas in den Schulalltag diskutiert, einschließlich fächerübergreifender Projekte und der spezifischen Organisation von Elternabenden.
4. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Notwendigkeit einer ehrlichen und sensiblen Auseinandersetzung mit dem Thema und betont die Bedeutung begleitender Erwachsener für den kindlichen Trauerprozess.
Schlüsselwörter
Tod, Trauer, Bilderbuch, Abschied von Rune, Kinderliteratur, Trauerbegleitung, Realitätsgehalt, kindliches Todeskonzept, Erziehung, Schuldgefühle, Bewältigungsstrategien, Projektunterricht, Identifikation, Sterben, soziale Unterstützung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten, wie Bilderbücher als Medium eingesetzt werden können, um Kindern das schwierige Thema Tod und Trauer altersgerecht näherzubringen und sie in ihrem Trauerprozess zu unterstützen.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Neben der psychologischen Auseinandersetzung mit kindlicher Trauer stehen die Funktionen der Kinderliteratur, die bildnerische Interpretation sowie die pädagogischen Möglichkeiten im schulischen und familiären Umfeld im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand des Bilderbuch-Klassikers „Abschied von Rune“ zu zeigen, wie durch eine behutsame und ehrliche Aufarbeitung des Themas Kindern die Angst vor dem Unbekannten genommen und ihre Trauerfähigkeit gestärkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte qualitative Analyse, die sich auf inhaltliche, bildanalytische und sprachwissenschaftliche Kriterien stützt, ergänzt durch pädagogisch-didaktische Überlegungen zur Umsetzung in der Grundschule.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von „Abschied von Rune“, wobei insbesondere der Realitätsgehalt, die ästhetische Gestaltung und die Eignung des Buches für verschiedene Altersstufen und Identifikationsprozesse geprüft werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit ist am besten mit Begriffen wie Trauerarbeit, kindliche Todeskonzepte, bibliotherapeutische Ansätze, Bilderbuchanalyse und pädagogische Begleitung zu charakterisieren.
Warum wird im Buch „Abschied von Rune“ der Aspekt der Schuldgefühle bei Kindern diskutiert?
Die Arbeit kritisiert, dass das Bilderbuch das Potenzial der kindlichen Schuldgefühle – die oft entstehen, wenn Kinder sich für den Tod eines Freundes verantwortlich fühlen – nicht thematisiert, was als Auslassung in der sonst realistischen Darstellung gewertet wird.
Welche Rolle spielt die Mutter in der Erzählung laut der Analyse?
Die Mutter wird als zentrales „Auffangnetz“ und mustergültige Bezugsperson identifiziert, die durch klare, ehrliche Antworten und körperliche Nähe dem Kind die notwendige Sicherheit gibt, um die Endgültigkeit des Todes zu akzeptieren.
Warum wird die Darstellung des Winters in der Analyse als besonders bedeutsam hervorgehoben?
Die schwarz-weiß gestaltete Winterzeit wird als notwendige „Pause“ interpretiert, in der Sara Distanz gewinnen kann, um den erlittenen Schock zu verarbeiten, bevor sie mit dem Frühling symbolisch einen neuen Lebensabschnitt beginnt.
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- Marcel Stempel (Author), 2006, Die Aufarbeitung der Themen Tod und Trauer für Kinder mithilfe von Bilderbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/288357