Sklaverei ist kein Phänomen der Neuzeit oder der Gegenwart. Orientalische Sklaverei, von Persien bis Ägypten, war bereits seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. bekannt, ebenso sind wir mit dem System der Sklavenhaltung im antiken Hellas und im römischen Reich vertraut. Die Sklavereisysteme der Frühen Neuzeit, welche sich im westlichen Atlantik etablierten, stellten jedoch keine Fortsetzung der antiken Sklaverei dar, sondern bildeten vielmehr den Auftakt zu einer neuzeitlichen Form von Unfreiheit. Charakteristisch für diese neuzeitliche Sklaverei war deren Externalisierung aus dem Mutterland. Voraussetzung dafür waren, im Fall von England, Kolonien in Mittel- und Nordamerika und der Wille durch möglichst ökonomische Produktion die Nachfrage an Kaffee, Tabak und vor allem Zucker zu decken. Wie war es nun aber möglich dieses Ziel zu erreichen? Während der ersten Besiedlungsphase der Kolonien und der folgenden Herausbildung von Plantagensystemen, versuchten die Engländer zunächst durch Sträflinge aus Irland den Bedarf an Arbeitskräften zu sättigen. Doch die Sträflinge wehrten sich gegen ihr Schicksal. Außerdem waren sie nicht resistent gegen Tropenkrankheiten und ihre Arbeitszeiten waren durch einen Vertrag geregelt. Dieses Problem trat nicht beim Import von Sklaven aus Afrika auf. Man geht mittlerweile davon aus, dass zwischen 1519 und 1867 schätzungsweise 11 Millionen Sklaven von Afrika über die Middle Passage nach Amerika gebracht wurden, circa 1,5 Millionen von ihnen starben auf der Schiffspassage.
Mit dem rapiden Aufstieg der Sklaverei ging jedoch auch eine Transformation der sklavenhaltenden Gesellschaften, vor allem der englischen einher. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die englische Bevölkerung zu einem der größten Antagonisten der Sklaverei.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Fragestellung
2 Die Rolle der Frau in der Abolitionsbewegung
2.1 England
2.1.1 Abolitionismus in England
2.1.2 Beispiel: Birmingham Ladies’ Society for the Relief of Negro Slaves
2.1.3 Akteur: Anne Knight
2.2 USA
2.2.1 Abolitionismus in den USA
2.2.2 Beispiel: Philadelphia Female Anti-Slavery Society
2.2.3 Akteur: Lucretia Mott
3 Vergleich der britischen und amerikanischen Abolitionsbewegung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle weiblicher Akteure innerhalb der Abolitionsbewegungen in England und den USA im Zeitraum zwischen 1780 und 1840, um den wechselseitigen Ideentransfer sowie die spezifischen Bedingungen der Partizipation in beiden Ländern zu analysieren.
- Vergleich der britischen und amerikanischen Anti-Sklaverei-Bewegungen
- Bedeutung von Frauen in Abolitions-Societies und als individuelle Akteurinnen
- Analyse des Einflusses von Petitionen, Zucker-Boykotts und Publikationen
- Zusammenhang zwischen Abolitionismus und der entstehenden Frauenrechtsbewegung
- Untersuchung von Schlüsselorganisationen (Birmingham Ladies’ Society, Philadelphia Female Anti-Slavery Society)
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Abolitionismus in England
Zu Beginn der Abolitionsbewegung in England spielten die Quäker eine entscheidende Rolle. Das lag zum einen daran, dass sie zum Teil in den Sklavenhandel involviert waren, sich aber 1761 eigenständig von diesen Mitgliedern trennten. Zum anderen hatten die Quäker kein rein männlich besetztes Pfarramt, sodass es Frauen ebenso möglich war Laienminister zu werden. Als Gesandte der Quäker waren diese Frauen sowohl in England als auch den USA unterwegs, um den Widerstand gegen die Sklaverei voran zu treiben. Dieses Engagement führte dazu, dass sich in den USA eine ebenfalls starke Basis der Society of Friends, wie zum Beispiel den Women Friends in Philadelphia bildete. Doch trotz der guten Arbeit die sie leisteten, mussten sich die Frauen mit einer untergeordneten Rolle innerhalb der Quäker abfinden. 1759 erhielten sie das Recht, ein jährliches Treffen in London, das Women´s Yearly Meeting abzuhalten. Zudem gab es ab 1784 die Möglichkeit sich mit anderen lokalen Frauentagungen auszutauschen. Jedoch fehlte es ihnen an Macht um Verhaltensregeln aufzustellen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass sowohl das Quaker Abolition Committee welches 1783 gegründet wurde, als auch die Society for the Abolition of the Slave Trade von 1787 ausschließlich männliche Mitglieder aufnahm und Frauen von gewissermaßen allen Entscheidungsgremien exkludiert waren. Trotzdem leisteten die Frauen ihren Beitrag zur Abolitionsbewegung in vielfältiger Art und Weise.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung der Sklaverei ein und definiert das Forschungsziel, die Rolle der Frau in den Abolitionsbewegungen Englands und der USA zu beleuchten.
2 Die Rolle der Frau in der Abolitionsbewegung: Hier werden die organisatorischen Strukturen, die Rolle von Frauenvereinen und zentrale Akteurinnen in England und den USA detailliert analysiert.
2.1 England: Dieser Abschnitt untersucht die Entstehung des Abolitionismus in England und die spezifischen Partizipationsmöglichkeiten für Frauen in britischen Organisationen.
2.1.1 Abolitionismus in England: Dieses Unterkapitel beschreibt den Einfluss der Quäker und die strukturelle Einbindung von Frauen in die frühe englische Bewegung.
2.1.2 Beispiel: Birmingham Ladies’ Society for the Relief of Negro Slaves: Die Arbeitsweise und der Einfluss dieses beispielhaften Frauen-Vereins auf die nationale Abolitionsbewegung werden dargestellt.
2.1.3 Akteur: Anne Knight: Das Kapitel widmet sich dem Wirken von Anne Knight als Vorkämpferin der Abolition und Frauenrechte.
2.2 USA: Die Besonderheiten der amerikanischen Abolitionsbewegung, geprägt durch soziale Spannungen und Partikularismus, bilden den Fokus dieses Abschnitts.
2.2.1 Abolitionismus in den USA: Hier wird der Prozess der Radikalisierung und die verspätete Institutionalisierung der amerikanischen Bewegung beschrieben.
2.2.2 Beispiel: Philadelphia Female Anti-Slavery Society: Der Verein wird als Beispiel für weibliche Organisationen in den USA und ihre spezifischen Herausforderungen analysiert.
2.2.3 Akteur: Lucretia Mott: Das Porträt der Quäkerin Lucretia Mott illustriert ihre Rolle als Bindeglied zwischen Abolitionismus und der frühen Frauenrechtsbewegung.
3 Vergleich der britischen und amerikanischen Abolitionsbewegung: Dieses Kapitel stellt die Gemeinsamkeiten und signifikanten Unterschiede in Taktik, Erfolg und politischer Radikalität beider Bewegungen gegenüber.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und bewertet den Ideentransfer sowie die historische Bedeutung der Frauen in diesen Bewegungen.
Schlüsselwörter
Abolitionismus, Frauenrechte, Sklaverei, England, USA, Quäker, Petitionsbewegung, Birmingham Ladies' Society, Philadelphia Female Anti-Slavery Society, Anne Knight, Lucretia Mott, Ideentransfer, Emanzipation, Abolitionistinnen, Anti-Slavery Society.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Beitrag und der Rolle von Frauen in den Abolitionsbewegungen Englands und der USA in der Zeit zwischen 1780 und 1840.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die organisatorische Struktur der Abolitionsvereine, der politische Einfluss durch Petitionen und Boykotte sowie die Verknüpfung der Sklavenbefreiung mit den aufkommenden Forderungen nach Frauenrechten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den wechselseitigen Ideentransfer zwischen England und den USA aufzuzeigen und zu analysieren, warum Frauen in den beiden Ländern unterschiedliche Spielräume für politisches Handeln vorfanden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Es handelt sich um eine vergleichende historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur sowie Primärquellen zur Tätigkeit spezifischer Frauen-Organisationen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der englischen und amerikanischen Bewegungen, inklusive Fallbeispielen von Vereinen wie der Birmingham Ladies’ Society und Porträts bedeutender Akteurinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation am besten?
Schlüsselbegriffe sind Abolitionismus, Frauenrechtsbewegung, transatlantischer Ideentransfer, Quäker-Einfluss und der Kampf um politische Partizipation.
Warum war der Zucker-Boykott ein bedeutendes Instrument der Frauen?
Der Boykott diente Frauen als Mittel, um moralisches Bewusstsein zu schaffen und in einer Zeit ohne direktes Wahlrecht öffentlich Druck auf das Handelssystem und die Sklaverei auszuüben.
Welche Rolle spielte die "Gag Rule" in den USA?
Die "Gag Rule" unterband zwischen 1836 und 1845 jegliche Parlamentsdebatten über Sklaverei, was das Einreichen von Petitionen im Repräsentantenhaus nahezu wirkungslos machte und die Bewegung zur Radikalisierung zwang.
Warum wird Lucretia Mott als zentrale Figur hervorgehoben?
Lucretia Mott war eine Schlüsselfigur, die religiöse Überzeugungen mit sozialem Engagement verband, die Philadelphia Female Anti-Slavery Society gründete und später eine führende Rolle in der amerikanischen Frauenrechtsbewegung einnahm.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Frau in beiden Ländern?
Während englische Frauen ihre Rolle innerhalb der konservativen Gesellschaft eher über separate Vereine definierten, waren amerikanische Frauen oft in gemischten Organisationen aktiver und radikaler, was schließlich direkter in den Kampf für Frauenrechte mündete.
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- Anonym (Author), 2012, Die Rolle der Frau innerhalb der Abolitionsbewegungen in England und den USA zwischen 1780-1840, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/288318