Deutschland ist ein Einwanderungsland und vereinigt damit auch eine sprachliche, soziale und kulturelle Vielfalt. In Großstädten wachsen mittlerweile 30 bis 40% der Kinder aus Migrationsfamilien zweisprachig auf. Jede sechste
Eheschließung ist eine binationale Ehe. So gibt es immer mehr Kinder, die mehrsprachig aufwachsen. Der direkte
Umgang mit mehreren Sprachen findet entweder in den Familien oder im Freundeskreis sowie auch in institutionellen Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen statt. Mehrsprachig zu leben rückt immer mehr in die Lebenswelt
der Kinder. Damit entwickelt sich Mehrsprachigkeit von einer besonderen Lebenssituation zur Normalität. Jede Gesellschaft weist Migrationsbewegungen als einen festen Bestandteil ihrer Struktur auf, bedingt z. B. durch die weltweite Mobilität aufgrund von Arbeitsmigration, Armut oder politischen Unruhen.
Wie kann die Psychomotorik das Ansehen der Sprachenvielfalt positiv beeinflussen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mehrsprachigkeit. Definitionen, Ebenen und Formen
2.1 Grundlagen der Sprachentwicklung
2.2.1 Der Sprachbaum nach Wendlandt
2.2.2 Der zweisprachige Sprachbaum
2.3 Phasen des Doppelspracherwerbs
2.4 Die Bedeutung der Sprache für die Identitätsentwicklung
3. Einführung in die Psychomotorik
3.1 Wechselwirkung von Psyche und Motorik
3.2 Ressourcenorientierung
3.3 Handlungskompetenz
4. Die Verbindung von Psychomotorik und Sprache
4.1 Bewegung als Ausdrucksmittel innerer Vorgänge
4.2 Die Bedeutung des Spiels im Bezug auf Sprache
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit erforscht das Potenzial der Psychomotorik zur Unterstützung und Förderung der multilingualen Sprachentwicklung bei Kindern. Dabei wird untersucht, wie Bewegung und sprachliche Bildung synergetisch miteinander verknüpft werden können, um eine positive Anerkennung und Ausdifferenzierung von Mehrsprachigkeit im pädagogischen Alltag zu erreichen.
- Grundlagen der Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklung
- Wechselwirkung zwischen Psyche, Motorik und Sprachkompetenz
- Psychomotorische Interventionsformen für sprachliche Bildung
- Die Bedeutung von Spiel und Bewegung für Identitätsbildung
- Analyse von Sprachmodellen und Interdependenzhypothesen
Auszug aus dem Buch
4.1 Bewegung als Ausdrucksmittel innerer Vorgänge
Kinder können sich nicht erst mit dem Erwerb von Wörtern ihrer Umwelt mitteilen, sondern kommunizieren, wie bereits erwähnt, von Geburt an über ihren Körper. „Vorsprachlich finden bereits Dialoge zwischen Bezugsperson und Kind statt; sie sind inhaltlich noch diffus, aber ihre Form ist klar.“ Bewegung ist für Kinder ein selbstverständliches Ausdrucksmittel im täglichen Leben, gerade wenn sie noch keine Sprachfähigkeit besitzen, um ihre Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren. Diesen Drang zur Bewegung gilt es zu nutzen und die nonverbale Kommunikation als Selbstausdruck des Kindes zu verstehen und zu deuten. In dieser Phase lernt das Kind viel über sich selbst und arbeitet an seiner personalen Kompetenz.
Die Bezugsperson kann dem Kind in der präverbalen Phase durch gezielte Bewegungsangebote, Möglichkeiten zur Entfaltung geben, die ihm die Gelegenheit geben, die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen zu entdecken und sich auszuprobieren. Die Auseinandersetzung und Kenntnis von sich selbst, verleiht dem Kind Selbstsicherheit, die wiederum in Interaktionen mit anderen Kindern von Bedeutung ist und Selbstvertrauen verleiht. Die Aufgabe des Pädagogen liegt darin, die Kommunikationsversuche des Kindes wahrzunehmen und zu spiegeln, so dass das Kind das Gefühl bekommt, verstanden zu werden und angenommen zu sein, was für die weitere Entwicklung entscheidend ist und dem Kind ein Gefühl der Sicherheit gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Normalität von Mehrsprachigkeit in Deutschland und stellt die zentrale Frage, wie Psychomotorik zur positiven Förderung dieses Spracherwerbs beitragen kann.
2. Mehrsprachigkeit. Definitionen, Ebenen und Formen: Dieses Kapitel definiert Mehrsprachigkeit, beleuchtet wissenschaftliche Theorien wie den "Sprachbaum" und diskutiert die Phasen des Doppelspracherwerbs sowie die Bedeutung der Identitätsbildung.
3. Einführung in die Psychomotorik: Hier werden der kompetenzorientierte Ansatz erläutert sowie die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Motorik, das Prinzip der Ressourcenorientierung und die Bedeutung der Handlungskompetenz hervorgehoben.
4. Die Verbindung von Psychomotorik und Sprache: Dieses Kapitel führt die beiden Themenfelder zusammen und analysiert, wie Bewegung als Ausdrucksmittel und das freie Spiel gezielt zur sprachlichen Förderung und Kommunikation genutzt werden können.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, weist auf die noch nicht ausgeschöpften Potenziale der Psychomotorik hin und plädiert für eine stärkere Verankerung in Bildungsplänen.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Psychomotorik, Sprachentwicklung, Handlungskompetenz, Bewegungspädagogik, Spracherwerb, Bilingualismus, Ressourcenorientierung, Identitätsbildung, Interdependenzhypothese, Ausdrucksmittel, Kindheit, Pädagogik, Sprachförderung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der multilingualen Sprachentwicklung von Kindern und den gezielten Interventionsmöglichkeiten der Psychomotorik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Mehrsprachigkeit, die Grundlagen der kindlichen Sprachentwicklung und die psychomotorischen Prinzipien von Bewegung und Spiel als Förderinstrumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch psychomotorische Ansätze die Mehrsprachigkeit bei Kindern positiver anerkannt, gefördert und in ihren verschiedenen Ebenen gestärkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur, der Analyse von Sprachmodellen (z.B. nach Wendlandt und Bindel) und einer Diskussion pädagogischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Mehrsprachigkeit, eine Einführung in die Psychomotorik und die Zusammenführung beider Bereiche durch Bewegung und Spiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mehrsprachigkeit, Psychomotorik, Spracherwerb, Handlungskompetenz und Ressourcenorientierung.
Wie unterscheidet sich der psychomotorische Ansatz vom Sportunterricht?
Während Sportunterricht oft auf Leistungssteigerung zielt, fokussiert die Psychomotorik auf die Erziehung durch Bewegung, wobei das Augenmerk nicht auf der Leistung, sondern auf den individuellen Ergebnissen und Erfahrungen liegt.
Welche Bedeutung misst die Autorin dem freien Spiel bei?
Das freie Spiel gilt als essentieller Raum, in dem Kinder durch Interaktion und die Präsenz eines Sprachlehrers ihre kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten ganzheitlich entwickeln können.
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- Laura Sudheimer (Author), 2014, Multilinguale Sprachentwicklung und Möglichkeiten psychomotorischer Unterstützung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/287049