Angesichts der über 800 Millionen unterernährten Menschen auf der Erde ist es nahezu paradox, mit welchen Problemen die westlichen Länder zu kämpfen haben. Aber die Zahl der weltweit eine Milliarde Übergewichtigen spricht eine andere, deutliche Sprache. Die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer Epidemie spricht, die auch auf Deutschland dramatische Auswirkungen hat – gesellschaftlich und ökonomisch.
Röthig versteht unter Adipositas einen zu großen Fettanteil des Körpers. Die Hauptursache soll in einem fehlerhaften Ernährungsverhalten liegen, bei dem mehr Kalorien aufgenommen als verarbeitet werden. Aber auch Stoffwechselerkrankungen können für Adipositas verantwortlich sein. Im Zusammenhang mit Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus (vorrangig Typ II), Hypertonie (Bluthochdruck), Fettstoffwechselerkrankungen, Gicht, Bewegungsmangel etc. gilt Adipositas als Risikofaktor. Körperliche Aktivität und sportliches Training können positiven Einfluss auf die Prävalenz und Reduzierung der Adipositas nehmen.
Der Fettanteil des Körpers kann durch unterschiedliche Methoden bestimmt werden: Entweder durch Messung der Hautfaltendicke an standardisierten Körperstellen oder durch den Body Mass Index (BMI), der die gängigste Methode zur Feststellung des mit der Adipositas verbundenen Übergewichts ist. Des Weiteren gibt es den Broca-Index zur Bestimmung des Sollgewichts (in kg) als Differenz aus Körperhöhe (in cm) minus 100.
Diese Definition ist allerdings nicht mehr ganz ausreichend, denn Adipositas wird heute als eine chronische Krankheit definiert, die auf einem polygenetischen Hintergrund basiert. Hinzukommt, dass Adipositas das Ergebnis einer Lebensweise ist, die mit einer nicht angepassten überkalorischen Ernährung, einem erheblichen Bewegungsmangel und mit erhöhter Morbidität (Krankheitshäufigkeit innerhalb einer Population) und Mortalität (Sterblichkeit) einhergeht. Daher erfordert sie ein langfristiges und interdisziplinäres Behandlungskonzept.
Nach Laessle u.a. wird für eine statistische Definition Adipositas mit einer Körpermasse gleichgesetzt, die von einem Durchschnittswert durch Überschreiten festgelegter, normativer Grenzwerte abweicht.
Aber warum ist das so und was sind diese normativen Grenzwerte?
In der folgenden Arbeit soll geklärt werden, durch welche Methoden das Übergewicht eines Menschen bestimmt werden kann und wie Übergewicht und Adipositas daraufhin definiert werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht
2.1 Der Body Mass Index
2.2 Die Methode nach Broca
2.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse
2.4 Hautfaltendickemessung
2.5 Die Taille-Hüft-Relation (WHR)
2.6 Weitere Methoden
3 Klassifikation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Dabei wird die diagnostische Relevanz unterschiedlicher Messverfahren analysiert, um eine fundierte Einordnung des Körpergewichts und gesundheitlicher Risiken zu ermöglichen.
- Methodische Ansätze zur Bestimmung des Körperfettgehalts
- Vergleich und Einordnung des Body Mass Index (BMI)
- Bedeutung von Perzentilkurven im Kindes- und Jugendalter
- Diagnostische Möglichkeiten wie BIA, Kalipermetrie und WHR
- Klassifikation von Adipositas nach medizinischen Standards
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Body Mass Index
Bewährt hat sich zur Messung des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen der so genannte Body Mass Index (BMI = Körpermasseindex), der nach seinem Erfinder auch Quetelet-Index (1870) genannt wird. Er berechnet sich aus Körpergewicht (in kg) geteilt durch die Körpergröße (in m) zum Quadrat:
Körpergewicht (in kg) / Größe (in m) x Größe (in m) = BMI
Daraus ergibt sich folgende Einteilung in einem Gewicht- Längen- Index: Untergewicht (< 18,5), Normalgewicht (18,5 - 24,9), Übergewicht / Präadipositas (25,0 - 29,9), Adipositas (> 30,0), Adipositas Grad I (30,0 - 35,0), Adipositas Grad II (35,0 - 40,0), Adipositas Grad III (> 40,0).
Bei der Beurteilung im Kindes- und Jugendalter muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Personen noch im Wachstum sind und es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Bei Männern wird der Anteil des Fettgewebes mit ca. 15 – 18% angegeben, bei Frauen 20 – 25%, wobei der Durchschnitt mit zunehmendem Alter steigt. Bei Jungen hingegen nimmt der Fettanteil im Alter von 10 bis 15 Jahren von 18% auf 12% ab, während er bei den Mädchen von 17% auf 24% ansteigt. Dabei erfolgt die Zunahme der Körperfettmasse nicht hauptsächlich durch die Größenzunahme der Fettzellen, sondern eher durch die Vermehrung ihrer Anzahl.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die globale Zunahme von Übergewicht und Adipositas sowie die damit verbundenen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Risiken.
2 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene anthropometrische, laborbasierte und neuere Verfahren zur Ermittlung des Körperfettanteils und zur Diagnose von Übergewicht.
2.1 Der Body Mass Index: Der Abschnitt erläutert die Berechnung und Anwendung des BMI sowie die Notwendigkeit von alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen bei Heranwachsenden.
2.2 Die Methode nach Broca: Hier wird die klassische Broca-Formel vorgestellt und hinsichtlich ihrer Schwächen bei extremen Körpergrößen und der fehlenden Eignung für Kinder kritisch hinterfragt.
2.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse: Dieser Teil beschreibt die Funktionsweise der BIA-Messung, die auf unterschiedlichen elektrischen Widerständen der Körpergewebe basiert.
2.4 Hautfaltendickemessung: Der Abschnitt fokussiert auf die Kalipermetrie als kostengünstige Methode, weist aber auf die Problematik der Messgenauigkeit durch Gewebekompression hin.
2.5 Die Taille-Hüft-Relation (WHR): Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung der Fettverteilungsmuster für das kardiovaskuläre Risiko und unterscheidet zwischen der abdominalen und glutaeo-femoralen Fettverteilung.
2.6 Weitere Methoden: Es werden ergänzende, teils apparativ aufwendige Verfahren wie die Densitometrie oder Strahlenmessungen kurz skizziert.
3 Klassifikation: Das Kapitel erläutert die Einordnung der Adipositas in der ICD-10 sowie die Abgrenzung zu Essstörungen wie dem Binge Eating Disorder.
Schlüsselwörter
Adipositas, Übergewicht, Body Mass Index, BMI, Perzentilen, Körperfett, Bioelektrische Impedanz-Analyse, BIA, Kalipermetrie, Taille-Hüft-Relation, WHR, ICD-10, Binge Eating Disorder, Gesundheitsprävention, Fettverteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der medizinischen und sportwissenschaftlichen Diagnostik von Übergewicht und Adipositas, insbesondere mit der Bewertung und Eignung verschiedener Messverfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die anthropometrische Bestimmung des Körperfettgehalts, der BMI als Standardmaß, die Anwendung von Perzentilen im Kindesalter sowie die medizinische Klassifikation der Adipositas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Bestimmung von Übergewicht zu geben und deren klinische Relevanz sowie Eignung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, in der verschiedene klinische Messmethoden vergleichend gegenübergestellt und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Messmethoden (von BMI bis zu labortechnischen Verfahren) und einen Abschnitt zur medizinischen Klassifikation nach ICD-10.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Adipositas, Body Mass Index, Perzentilen, Körperfettbestimmung und Fettverteilungsmuster.
Warum ist der BMI allein bei Kindern nicht immer ausreichend?
Da sich Kinder im Wachstum befinden, muss der BMI in Bezug auf das Alter und das Geschlecht mittels spezieller Perzentilkurven interpretiert werden, um den Entwicklungsstand korrekt zu berücksichtigen.
Was unterscheidet das „Apfelform“-Fettverteilungsmuster von der „Birnenform“?
Die abdominale Fettverteilung (Apfelform) ist primär bei Männern verbreitet und mit einem höheren Risiko für Stoffwechselerkrankungen verbunden, während die glutaeo-femorale Verteilung (Birnenform) häufiger bei Frauen vorkommt und gesundheitlich als weniger risikobehaftet gilt.
Ist Adipositas nach ICD-10 als Essstörung klassifiziert?
Nein, Adipositas wird als eigenständige Krankheit klassifiziert und nicht unter Essstörungen im psychologischen Sinne geführt, da ihr keine primär psychopathologischen Faktoren zugrunde liegen.
- Quote paper
- Christian Knoll (Author), 2004, Methoden zur Bestimmung von Übergewicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285891