„Niemand hat je die Nerven […], […] eine Sprache zu konstruieren; es ist nicht nur irrsinnig, sondern unnötig“, schrieb einst ein Kritiker zu J. R. R. Tolkiens Werk.
Ob das stimmt oder ob Tolkiens Absichten nicht missverstanden worden sind, werde ich in meiner Arbeit anhand des Beispiels der fiktiven Sprache Sindarin untersuchen.
Ich versuche herauszufinden, worin der Reiz besteht, eine solche Sprache zu konstruieren und diese – insbesondere aus Sicht der Anhänger – dann auch zu erlernen. Obwohl Tolkien eine unbekannt große Anzahl an Sprachen skizziert hat, beziehe ich mich in meiner Ausarbeitung ausschließlich auf das Sindarin. Das verwandte Quenya wird aufgrund des Umfangs und der noch größeren Komplexität lediglich vorgestellt. Die vielen unterschiedlichen Schreibweisen (feanorisch, númerisch, von Beleriand, von Gondor, von Eregion, von Moria, Tengwar), die man beispielsweise auf Ringen und Toren in den Romanen beobachten kann, sowie die Runen in Der Hobbit werden nicht betrachtet.
Darüber hinaus werde ich die Sprache Sindarin in den Grundzügen ihrer Komplexität vorstellen. Dem Leser dieser Arbeit soll es ermöglichen, einfache Sätze und Konstituenten, wie sie in dem Roman „Der Herr Der Ringe“ vorkommen, zu verstehen und ein gewisses Verständnis zu entwickeln. Hierbei beziehe ich mich insbesondere auf den Literatur- und Sprachwissenschaftler Dr. Helmut W. Pesch, der als Kritiker, Übersetzer, Autor und Illustrator bekannt geworden ist. Er befasst sich besonders intensiv mit den linguistischen Aspekten der Elbisch-Sprachen. Seine Werke umfassen über ein Wörterbuch hinaus nicht nur die Grammatik, sondern auch die Geschichte der Entstehung dieser und weiterer von Tolkien entworfenen Sprachen.
Da es sich lediglich um eine Einführung handelt, werden die umstrittenen Pronomen (Personal-, Relativ- und Reflexivpronomen, Pronomen im Dativ, Akkusativ und Genitiv), weiterführende Zeitformen (Futur und Präteritum), so wie infinite Verbformen (Imperativ, Infinitiv, Gerundium, Partizipien) und Prä- & Suffixe außen vorgelassen. Bei Interesse sei insbesondere auf die Lehrbücher des bereits erwähnten Schriftstellers verwiesen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Tolkiens Sprachwelten
Experimente und ihre Entwicklungen
Die Sprachen von Mittelerde
Quenya oder Sindarin?
Grammatik des Sindarin
Aussprache
Plural, Artikel und Konjunktionen
Verben, Adjektive und Lenierung
Präsens, Personalpronomen und Negation
Smalltalk
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Faszination für die fiktive Sprache Sindarin aus J. R. R. Tolkiens Mittelerde-Universum. Dabei wird analysiert, worin der Reiz besteht, eine solche Sprache zu konstruieren und diese aktiv zu erlernen, wobei die linguistischen Grundlagen der Sprache in einer Einführung beleuchtet werden.
- Entwicklung und Einordnung der Sprachen Tolkiens
- Vergleich der linguistischen Merkmale von Quenya und Sindarin
- Grundlagen der Grammatik des Sindarin (Phonetik, Morphologie, Syntax)
- Praktische Anwendung der Sprache durch Fans und in der Community
- Die Rolle der fiktiven Welt für die Motivation des Sprachenlernens
Auszug aus dem Buch
Die Sprachen von Mittelerde
Wie viele Sprachen Tolkien skizziert hat, ist schwer zu sagen. Es war ihm nicht wichtig, einfach nur eine oder zwei Sprachen zu erfinden, seine Liebe zum Detail ließ in einigen Sprachen teilweise zu wünschen übrig. Alles hatte sein System, alles seine Regeln, aber vorrangig musste jede Sprache zu ihrer Rasse und ihrer Geschichte passen.
Es gibt fünf dominierende Rassen, die alle in ihren eigenen Sprachen leben. Die folgende selbsterstellte Grafik soll in Kürze Tolkiens Konzept des Sprachklangs wiedergeben. ‚Ästhetisch, göttlich‘ meint einen sehr weichen, harmonischen Klang, ‚animalisch‘ klingt eher düster und böse, hier wird das Gefühlt erweckt, der Sprecher ersticke beim Sprechen. Die sogenannte Dunkle Sprache erinnert an ein Krächzen. ‚Künstlich‘ klingt wie konstruiert. Aneinander angereihte Morpheme werden selten angeglichen und es werden viele Konsonanten verwendet. ‚Natürlich‘ klingt im Gegenzug dazu sehr „rund“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Forschungsintention, die sich auf das Sindarin konzentriert und grundlegende linguistische Aspekte für den Leser verständlich aufbereiten möchte.
Tolkiens Sprachwelten: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss zu Tolkien und analysiert, wie seine Sprachen als Fundament für seine fiktiven Geschichten dienten.
Grammatik des Sindarin: Hier werden die linguistischen Kernbereiche des Sindarin wie Phonetik, Pluralbildung, Verben und Mutationen sowie einfache Konversationsmöglichkeiten dargestellt.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Sindarin trotz der Komplexität und lückenhaften Überlieferung eine hohe Faszination ausübt, die vor allem durch die Immersion in die fiktive Welt motiviert wird.
Schlüsselwörter
Sindarin, Tolkien, Mittelerde, Linguistik, Quenya, Fiktive Sprachen, Sprachkonstruktion, Elbisch, Grammatik, Phantasie, Fantasy, Sprachentwicklung, Kommunikation, Fan-Foren, Sprachklang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Einführung in die fiktive Sprache Sindarin und untersucht, warum Menschen von dieser Sprache fasziniert sind und sie aktiv erlernen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die linguistische Struktur des Sindarin, die Bedeutung der Sprachen für Tolkiens Werk sowie die soziologische Komponente des Sprachenlernens in Fan-Communitys.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser grundlegende Kenntnisse der Grammatik des Sindarin zu vermitteln und den psychologischen Reiz der Sprache für ihre Anwender zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Herangehensweise gewählt, die sich primär auf Fachliteratur (insb. von Helmut W. Pesch) sowie empirische Einblicke durch ein geführtes Interview stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Entstehungsgeschichte, den Vergleich von Sindarin und Quenya, eine detaillierte grammatikalische Einführung und die praktische Anwendung im Dialog.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sindarin, Tolkien, Mittelerde, Fiktive Sprachen, Sprachkonstruktion, Elbisch und Sprachästhetik.
Warum gibt es Unterschiede zwischen Quenya und Sindarin?
Die Unterschiede resultieren aus der verschiedenen historischen Entwicklung und Nutzung: Quenya dient rituellen Zwecken, während Sindarin die alltägliche Umgangssprache der Elben in Mittelerde darstellt.
Welche Rolle spielt die "Lenierung" im Sindarin?
Die Lenierung ist eine Form der Anlautmutation, bei der Konsonanten unter bestimmten grammatikalischen Bedingungen verändert werden, was ein zentrales Merkmal der Phonetik des Sindarin ist.
Warum wird im Fazit von einem "elitären Hobby" gesprochen?
Tolkien bezeichnete das Erlernen seiner Sprachen als elitär, da es ein tiefes, zeitintensives Eintauchen in komplexe, künstlich geschaffene Systeme erfordert, die weit über den alltäglichen Sprachgebrauch hinausgehen.
- Quote paper
- Isabel Mönkemöller (Author), 2014, Die Faszination einer fiktiven Sprache. Eine Einführung in das Sindarin, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285826